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Frankreichs Schulden haben Folgen in Deutschland

Frankreichs Schulden haben Folgen in Deutschland
Frankreich ist Deutschlands drittwichtigster Handelspartner. Die steigenden Schulden des Landes haben Folgen für das ganze Eurosystem - und verunsichern deutsche Firmen. 

Beim Rollladenspezialisten Lakal in Saarlouis fahren viele Transporter mit französischem Kennzeichen vor. Dreiviertel des Absatzes macht das Unternehmen im Nachbarland. Die saarländische Grenzregion hat hierzu schon sehr früh beigetragen.
Geschäftsführer Heiko Sonnekalb blickt auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurück. Frankreich sei in dieser Zeit "überlebenswichtig" gewesen. Man verstehe sich als Unternehmen mit "deutscher Effizienz und französischer Qualität". Daher auch das Firmenmotto "Lakalité" - ein Kunstwort, angelehnt an die französische Bezeichnung "la qualité", "die Qualität".
Die Probleme im Nachbarland registriert Heiko Sonnekalb in seiner Buchhaltung. Die Auftragszahlen bleiben an sich zwar stabil, aber immer mehr Kunden begleichen Ihre Rechnungen nicht rechtzeitig oder gar nicht.

Mehr Zahlungsausfälle

Lakal vertreibt seine Produkte nur "Business-to-Business" - die Kunden sind meist kleine französische Fachfirmen, die die Rollläden dann beim Endkunden montieren. Bis vor zwei Jahren hatten sie noch "keine oder wenige Ausfälle", berichtet Sonnekalb. Mittlerweile passiere es allerdings deutlich häufiger.
Wie viele Unternehmen hat Lakal dafür eine Warenkreditversicherung, die Ausfälle übernimmt, um Umsatzeinbußen zu vermeiden. "Allerdings lässt sich das dann die Warenkreditversicherung, weil die Schäden mehr werden, auch entsprechend bezahlen", sagt Sonnekalb. Um 50 Prozent seien die Prämienzahlungen schon gestiegen.

Dritthöchste Schuldenquote der EU

Frankreich hat die dritthöchste Schuldenquote in der EU und ist in absoluten Zahlen mit etwa 3,5 Billionen Euro sogar Spitzenreiter. Bis 2030 könnten nochmal eine Billion Euro dazukommen. Die lasche Schuldendisziplin beunruhigt den Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn. Wegen des Euroverbunds müssten alle EU-Staaten mehr für Kredite bezahlen.
"Die hohen Schulden von Frankreich sind eine Belastung für das gesamte Eurosystem und sie führen, wenn das so weitergeht, natürlich dazu, dass die Zinsen, die die internationalen Kapitalmärkte verlangen, für europäische Anleihen dann für alle steigen."
Seit 2020 macht Frankreich kontinuierlich mehr Schulden, als der Vertrag von Maastricht erlaubt. Danach dürfen sich EU-Staaten eigentlich nur um maximal drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zusätzlich verschulden; Frankreich lag im vergangenen Jahr mit 5,4 Prozent deutlich darüber. Allein in diesem Jahr muss die Regierung mit etwa 58 Milliarden Euro Zinszahlungen rechnen.

"Frankreich wird sich bemühen müssen"

Seit Präsident Emmanuel Macron 2024 das Parlament aufgelöst und so die Mehrheit in der Assemblée Nationale, dem französischen Parlament, verloren hat, ist es schwierig geworden, gemeinsame Reformen durchzubringen. Für den Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer Patrick Brandmaier ist die politisch instabile Lage eines der Hauptprobleme.
"In dem Moment, wo die Wirtschaft verunsichert ist, kommt es eben zu weniger Investitionstätigkeit in Frankreich, aber eben auch von den ausländischen Investoren." Noch seien diese zwar auf ähnlichem Niveau, skizziert Patrick Brandmaier, aber dass die Staatsverschuldung über "kurz oder lang der größte Budgetposten sein wird", seien viele Unternehmen "sehr hellhörig, wenn es darum geht, was bedeutet das eben für das Thema Steuern und Abgabenlast."
Für Wirtschaftswissenschaftler Sinn hätte die EU-Kommission schon längst reagieren müssen. "[…] Frankreich wird sich bemühen müssen und Frankreich muss kujoniert werden durch die EU-Kommission, sodass das aufhört. Aber Frankreich ist auch wiederum so groß, dass es keiner richtig retten kann. Das werden die Franzosen auch einsehen müssen. Und deswegen wird etwas passieren."

Investition in Frankreich: ja oder nein?

Die Gesamtsituation beschäftigt auch Rollladenbauer Lakal. Seit zwei Jahren plant Heiko Sonnekalb ein neues Werk in Lyon. Hier sollen bis zu 20 Prozent der Produktion für den französischen Markt hinwandern. Die freiwerdende Kapazität in Saarlouis soll in Zukunft durch neue Kunden aus Deutschland Wachstum für Lakal schaffen.
Noch in diesem Jahr soll der Beirat des Unternehmens die insgesamt 15 Millionen Euro teure Investition in Lyon absegnen. Sonnekalb ist von dem Projekt überzeugt, auch wenn die wirtschaftliche und politische in Frankreich vor zwei Jahren eine andere war. "Das ist der einzige Grund, warum es in Frankreich vielleicht vom Wachstum her nicht so positiv laufen könnte, wie wir uns das erhofft haben."

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