Eine unerwartete Wendung und alte Vorwürfe
US-Präsident Trump bleibt dabei: Er will Grönland den USA einverleiben - aber ohne Gewalt. Seine Rede beim Weltwirtschaftsforum brachte neben Bekanntem auch eine Überraschung. Vier Erkenntnisse aus dem Auftritt.
Niemand außer den USA könne Grönland beschützen, sagt Trump. Deshalb wolle er es von Dänemark kaufen. Die Vermutung, er habe es auf die Bodenschätze der Gegend abgesehen, sei falsch. Ihm gehe es ausschließlich um die Sicherheit der Arktis und eine stärkere Position gegenüber Russland und China. Wenn Grönland unter US-Kontrolle stünde, profitiere davon die gesamte NATO.
Der US-Präsident untermauerte damit seine bekannte Position und forderte den sofortigen Beginn von Kaufverhandlungen. Bemerkenswert war jedoch, dass er gleichzeitig zumindest ein kleines Signal der Entspannung sendete. In früheren Äußerungen hatte Trump offengelassen, ob er in Grönland auch zu militärischen Mitteln greifen würde. Das schloss er beim Weltwirtschaftsforum nun aus.
Er glaube zwar nicht, dass er ohne Gewalteinsatz etwas bekomme, aber: "Ich muss, will und werde keine Gewalt anwenden." Umso mehr bleibt allerdings ein Rätsel, wie Trump auf anderem Wege zum Ziel kommen will.
Erneut zweifelte Trump auch den Sinn der NATO an. Sein Problem: Die USA seien zu 100 Prozent da für das Verteidigungsbündnis. Er sei aber unsicher, ob die anderen Mitgliedstaaten im Ernstfall auch für die USA einstehen würden.
Die teils harsche Kritik an EU und NATO konnte man vor der Rede erwarten. Seine Ausführungen zu Europa ähnelten sehr der virtuellen Rede, die Trump im vergangenen Jahr auf dem Weltwirtschaftsforum gehalten hatte. Und die NATO hielt Trump bereits vor seiner ersten Amtszeit ab dem Jahr 2017 für "obsolet".
Wesentlich überraschender war deshalb, dass Trump in diesem Jahr gelegentlich auch positivere Einschätzungen einstreute. NATO-Generalsekretär Rutte, der im Publikum saß und von Trump persönlich begrüßt wurde, sei exzellent. Rutte hatte den US-Präsidenten wenige Stunden zuvor bei seinem eigenen Auftritt gelobt. Ihm sei es zu verdanken, dass viele Mitgliedstaaten der NATO nun deutlich mehr Geld für Verteidigung ausgeben. Darauf bezog sich auch Trump: "Jetzt zahlen sie und tun etwas, was niemand für möglich gehalten hat."
Auch für Europa fand er neben den kritischen auch einige freundliche Worte. Er glaube tief an die Verbindung, die Amerika mit Europas Zivilisation teile. Über Bundeskanzler Merz sprach er wertschätzend. Die zuvor von Trump kritisierte Energiepolitik sei nicht die Schuld des Kanzlers. Merz löse die Probleme und mache einen großartigen Job.
Trump behauptete weiter, China baue zwar Windräder, habe im eigenen Land aber nur ein paar wenige aufgestellt, die gar nicht genutzt würden. Tatsächlich steht mehr als die Hälfte der weltweit installierten Anlagen auf See in China und die Volksrepublik investiert massiv in den Ausbau der Windkraft.
Trump setzt dagegen klar auf fossile Energieträger wie Öl und Gas. Der EU empfahl er in seiner Rede, die Nordsee zu nutzen, um nach Erdöl zu bohren, so wie US-Konzerne es nach seiner Vorstellung bald in Venezuela tun werden.
In sechs Monaten werde Venezuela mehr Geld verdienen als in den vergangenen zwanzig Jahren, behauptet Trump. Dabei hatten zumindest einzelne Ölkonzerne ihm noch Anfang Januar bei einem Treffen erklärt, dass bei noch mehr Ölförderung ein Preisverfall drohe, der die heimische Öl-Fracking-Industrie in den Ruin treiben könne. Vielleicht auch deshalb berichteten ARD-Korrespondenten vor Ort in Davos, dass einige Zuschauer die Aussagen von Trump zur Energiepolitik mit Lachen und Kopfschütteln quittierten.
Mit all dem dominiert Trump die Agenda des diesjährigen Forums. Trump bestimmt, was geschieht. Seine eigentlich vorgesehene Redezeit überschritt er bei weitem, sprach am Ende fast anderthalb Stunden. Dabei verwechselte er Grönland und Island, sprang in den Themen mehrfach vor und zurück, ein roter Faden war kaum zu erkennen. Aber ihn zu unterbrechen, hätte wohl niemand gewagt.
Immerhin hat Trump nicht weiter eskaliert. Schon damit hat er die Erwartungen übertroffen. Das zeigte sich unter anderem an den Finanzmärkten. Viele Anleger schienen erleichtert, die Kurse stiegen. Dazu beigetragen haben womöglich auch einige freundliche Zwischentöne.
Zwar drohte Trump Kanadas Premier Carney, der in seiner Rede auf dem Forum nicht dankbar gewesen sei, zwar scherzte Trump über Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der wegen einer Augenkrankheit eine Sonnenbrille trug, gleichzeitig erklärte er aber auch, wie sehr er viele Politiker möge. Und am Ende schmeichelte er sogar den anwesenden Gästen: "Viele hier im Raum sind wahre Pioniere" - und einige seien die größten Anführer der Welt.
Trump will weiter Grönland - aber ohne Gewalt
Mehr als 20 Minuten dauerte es, bis der US-Präsident fragte: "Wollen Sie, dass ich ein paar Worte zu Grönland sage?" Er habe das Thema erst raushalten wollen aus seiner Rede, aber dann wäre er wohl negativ bewertet worden, mutmaßt Trump. Für den Witz bekommt er Gelächter im Saal, doch dann wird es ernst.Niemand außer den USA könne Grönland beschützen, sagt Trump. Deshalb wolle er es von Dänemark kaufen. Die Vermutung, er habe es auf die Bodenschätze der Gegend abgesehen, sei falsch. Ihm gehe es ausschließlich um die Sicherheit der Arktis und eine stärkere Position gegenüber Russland und China. Wenn Grönland unter US-Kontrolle stünde, profitiere davon die gesamte NATO.
Der US-Präsident untermauerte damit seine bekannte Position und forderte den sofortigen Beginn von Kaufverhandlungen. Bemerkenswert war jedoch, dass er gleichzeitig zumindest ein kleines Signal der Entspannung sendete. In früheren Äußerungen hatte Trump offengelassen, ob er in Grönland auch zu militärischen Mitteln greifen würde. Das schloss er beim Weltwirtschaftsforum nun aus.
Er glaube zwar nicht, dass er ohne Gewalteinsatz etwas bekomme, aber: "Ich muss, will und werde keine Gewalt anwenden." Umso mehr bleibt allerdings ein Rätsel, wie Trump auf anderem Wege zum Ziel kommen will.
Erneute Kritik an EU und NATO
Wie im vergangenen Jahr, als Trump sich per Video in den großen Kongresssaal schalten ließ, nutzte der Präsident seine Rede auch diesmal für eine Abrechnung mit der Europäischen Union. Europa sei an manchen Orten nicht wiedererkennbar, gehe nicht in die richtige Richtung. Als Beispiele nannte Trump eine angeblich unkontrollierte Masseneinwanderung, hohe Staatsausgaben und den Fokus auf Erneuerbare Energien.Erneut zweifelte Trump auch den Sinn der NATO an. Sein Problem: Die USA seien zu 100 Prozent da für das Verteidigungsbündnis. Er sei aber unsicher, ob die anderen Mitgliedstaaten im Ernstfall auch für die USA einstehen würden.
Die teils harsche Kritik an EU und NATO konnte man vor der Rede erwarten. Seine Ausführungen zu Europa ähnelten sehr der virtuellen Rede, die Trump im vergangenen Jahr auf dem Weltwirtschaftsforum gehalten hatte. Und die NATO hielt Trump bereits vor seiner ersten Amtszeit ab dem Jahr 2017 für "obsolet".
Wesentlich überraschender war deshalb, dass Trump in diesem Jahr gelegentlich auch positivere Einschätzungen einstreute. NATO-Generalsekretär Rutte, der im Publikum saß und von Trump persönlich begrüßt wurde, sei exzellent. Rutte hatte den US-Präsidenten wenige Stunden zuvor bei seinem eigenen Auftritt gelobt. Ihm sei es zu verdanken, dass viele Mitgliedstaaten der NATO nun deutlich mehr Geld für Verteidigung ausgeben. Darauf bezog sich auch Trump: "Jetzt zahlen sie und tun etwas, was niemand für möglich gehalten hat."
Auch für Europa fand er neben den kritischen auch einige freundliche Worte. Er glaube tief an die Verbindung, die Amerika mit Europas Zivilisation teile. Über Bundeskanzler Merz sprach er wertschätzend. Die zuvor von Trump kritisierte Energiepolitik sei nicht die Schuld des Kanzlers. Merz löse die Probleme und mache einen großartigen Job.
Präsident der fossilen Energien
Donald Trump leugnet den Klimawandel. Trotz anderslautender wissenschaftlicher Erkenntnisse hält er die menschengemachte Erderwärmung für einen Schwindel. Aus dieser Überzeugung leitet er seine Energiepolitik ab. Besonders die Windkraft auf See bekämpft Trump im eigenen Land und gegen die Windkraft wetterte er auch in Davos. Windräder brächten nichts als wirtschaftliche Verluste - eine Falschaussage, wie zahlreiche Kommunen in Deutschland bestätigen können, die damit hohe Einnahmen erzielen.Trump behauptete weiter, China baue zwar Windräder, habe im eigenen Land aber nur ein paar wenige aufgestellt, die gar nicht genutzt würden. Tatsächlich steht mehr als die Hälfte der weltweit installierten Anlagen auf See in China und die Volksrepublik investiert massiv in den Ausbau der Windkraft.
Trump setzt dagegen klar auf fossile Energieträger wie Öl und Gas. Der EU empfahl er in seiner Rede, die Nordsee zu nutzen, um nach Erdöl zu bohren, so wie US-Konzerne es nach seiner Vorstellung bald in Venezuela tun werden.
In sechs Monaten werde Venezuela mehr Geld verdienen als in den vergangenen zwanzig Jahren, behauptet Trump. Dabei hatten zumindest einzelne Ölkonzerne ihm noch Anfang Januar bei einem Treffen erklärt, dass bei noch mehr Ölförderung ein Preisverfall drohe, der die heimische Öl-Fracking-Industrie in den Ruin treiben könne. Vielleicht auch deshalb berichteten ARD-Korrespondenten vor Ort in Davos, dass einige Zuschauer die Aussagen von Trump zur Energiepolitik mit Lachen und Kopfschütteln quittierten.
Nicht nett, aber netter als erwartet
Die Rede im großen Kongresssaal war für Trump nur der Auftakt. Auf dem Programm stehen für ihn noch Gespräche mit Top-Managern und Staatschefs. Außerdem stellt er seinen sogenannten Friedensrat vor, mit dem er unter anderem den Wiederaufbau in Gaza vorantreiben und die dortige Übergangsverwaltung kontrollieren will.Mit all dem dominiert Trump die Agenda des diesjährigen Forums. Trump bestimmt, was geschieht. Seine eigentlich vorgesehene Redezeit überschritt er bei weitem, sprach am Ende fast anderthalb Stunden. Dabei verwechselte er Grönland und Island, sprang in den Themen mehrfach vor und zurück, ein roter Faden war kaum zu erkennen. Aber ihn zu unterbrechen, hätte wohl niemand gewagt.
Immerhin hat Trump nicht weiter eskaliert. Schon damit hat er die Erwartungen übertroffen. Das zeigte sich unter anderem an den Finanzmärkten. Viele Anleger schienen erleichtert, die Kurse stiegen. Dazu beigetragen haben womöglich auch einige freundliche Zwischentöne.
Zwar drohte Trump Kanadas Premier Carney, der in seiner Rede auf dem Forum nicht dankbar gewesen sei, zwar scherzte Trump über Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der wegen einer Augenkrankheit eine Sonnenbrille trug, gleichzeitig erklärte er aber auch, wie sehr er viele Politiker möge. Und am Ende schmeichelte er sogar den anwesenden Gästen: "Viele hier im Raum sind wahre Pioniere" - und einige seien die größten Anführer der Welt.
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