Politiker und Verbände fordern Konsequenzen
Im Sommer ist es die Hitze, im Winter der Schnee: Bei Extremwetter ist die Bahn ein extrem unzuverlässiges Verkehrsmittel. Dass sie nun wegen Wintersturm "Elli" tagelang den Fernverkehr einstellte, sorgt für Debatten.
Der Winter hat am vergangenen Wochenende vor allem in Norddeutschland gezeigt, was in ihm steckt. Sturm "Elli" brachte viel Schnee - und sorgte damit in weiten Teilen des Landes für Verkehrsprobleme. Doch dass die Bahn den gesamten Fernverkehr im Norden eingestellt hat, auch als der Sturm schon abgezogen war, ruft jetzt Politiker und Verbände auf den Plan.
Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder von der CDU hat registriert, dass der Wintereinbruch zu Ausfällen und langen Fahrtzeiten geführt hat. Die Bahn werde analysieren, wo es künftig etwas zu verbessern gibt und Abläufe optimieren, sagte ein Sprecher seines Ministeriums.
Doch für Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbands Die Güterbahnen, reicht das nicht. Politik dürfe Aufarbeitung nicht nur fordern, sondern müsse sicherstellen und die Argumente der Bahn hinterfragen. Er verweist darauf, dass die Eisenbahn in anderen Ländern auch bei schlechtem Wetter ihre Funktion erfüllen kann.
Die Bahn selbst behauptet, für solche Situationen technisch gerüstet zu sein. Mehr als drei Viertel aller Weichen seien beheizt, auch die Räumtechnik habe funktioniert und reiche aus. Allerdings seien Niedersachsen und Schleswig-Holstein per se stärker von solchen Extremwetterlagen betroffen, weil das Land flach sei, hieß es weiter. Und auch beheizte Weichen funktionierten nicht, wenn zu viel Schnee und von Zügen herabgefallene Eisbrocken sie blockierten. In diesen Fällen hätten jeden Tag Hunderte Kollegen die Schienen manuell freigeräumt, betont der Konzern.
Im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten habe sie etwa deutlich weniger Räumfahrzeuge und auch nicht genügend Personal für die Räumung von festgefrorenen Weichen, kritisierte der Fahrgastverband Pro Bahn im Spiegel. Vor allem vor Ort habe es früher mehr Beschäftigte für solche Aufgaben gegeben, teilte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann mit.
Aus Fleges Sicht ist das der falsche Anreiz. Zugausfälle gehen nämlich nicht in die betriebliche Pünktlichkeitsstatistik der Bahn ein, auf die sich die Regierungsziele beziehen. Die Bahn lasse die Züge deshalb lieber ausfallen, als dass sie mit erheblicher Verspätung unterwegs seien. An der Bahnstrategie des Ministers stört ihn außerdem die Vorgabe, dass der Konzern Gewinne machen soll. Mit diesem Spardruck halte kein Unternehmen einen ausreichend großen Fuhrpark bereit, um für seltene Extremereignisse umfassend gewappnet zu sein.
Die Bahn selbst lässt dieses Argument nicht gelten. Die Situation in Deutschland sei mit diesen Ländern nicht vergleichbar. In Norddeutschland seien in diesen Tagen 3.000 Kilometer Schienennetz betroffen gewesen. Das entspreche nahezu dem Gesamtnetz in Österreich.
Der Winter hat am vergangenen Wochenende vor allem in Norddeutschland gezeigt, was in ihm steckt. Sturm "Elli" brachte viel Schnee - und sorgte damit in weiten Teilen des Landes für Verkehrsprobleme. Doch dass die Bahn den gesamten Fernverkehr im Norden eingestellt hat, auch als der Sturm schon abgezogen war, ruft jetzt Politiker und Verbände auf den Plan.
Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder von der CDU hat registriert, dass der Wintereinbruch zu Ausfällen und langen Fahrtzeiten geführt hat. Die Bahn werde analysieren, wo es künftig etwas zu verbessern gibt und Abläufe optimieren, sagte ein Sprecher seines Ministeriums.
Doch für Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbands Die Güterbahnen, reicht das nicht. Politik dürfe Aufarbeitung nicht nur fordern, sondern müsse sicherstellen und die Argumente der Bahn hinterfragen. Er verweist darauf, dass die Eisenbahn in anderen Ländern auch bei schlechtem Wetter ihre Funktion erfüllen kann.
Politisches Versagen oder höhere Gewalt?
Ähnliche Kritik kommt von Verkehrspolitikern im Bundestag. Christoph Ploß von der CDU sagte, es könne nicht sein, dass bei Winterwetter in Deutschland tagelang kaum Züge fahren. Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel sieht den Bund in der Pflicht, mit der Bahn über ihr Krisenmanagement zu sprechen. Janis Ehling, Bundesgeschäftsführer der Linken, spricht in einem Zeitungsinterview von politischem Versagen.Die Bahn selbst behauptet, für solche Situationen technisch gerüstet zu sein. Mehr als drei Viertel aller Weichen seien beheizt, auch die Räumtechnik habe funktioniert und reiche aus. Allerdings seien Niedersachsen und Schleswig-Holstein per se stärker von solchen Extremwetterlagen betroffen, weil das Land flach sei, hieß es weiter. Und auch beheizte Weichen funktionierten nicht, wenn zu viel Schnee und von Zügen herabgefallene Eisbrocken sie blockierten. In diesen Fällen hätten jeden Tag Hunderte Kollegen die Schienen manuell freigeräumt, betont der Konzern.
Fachleute haben Zweifel
Doch all das reichte in den vergangenen Tagen offensichtlich nicht aus, um den Fernverkehr aufrechtzuerhalten. Fachleute haben deshalb erhebliche Zweifel daran, dass die Bahn ausreichend gerüstet ist.Im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten habe sie etwa deutlich weniger Räumfahrzeuge und auch nicht genügend Personal für die Räumung von festgefrorenen Weichen, kritisierte der Fahrgastverband Pro Bahn im Spiegel. Vor allem vor Ort habe es früher mehr Beschäftigte für solche Aufgaben gegeben, teilte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann mit.
"Ministerium setzt falschen Anreiz"
Dass die Bahn in solchen Wetterlagen den gesamten Fernverkehr einstellt, anstatt regional kurzfristig zu entscheiden, habe auch politische Gründe, sagt Dirk Flege, Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene. In der aktuellen Bahnstrategie des Verkehrsministeriums finde sich kein einziger Verweis auf Unwetter. Stattdessen sei allgemein die Pünktlichkeit das zentrale Qualitätskriterium, an dem die Bahn in den nächsten Jahren gemessen werden soll.Aus Fleges Sicht ist das der falsche Anreiz. Zugausfälle gehen nämlich nicht in die betriebliche Pünktlichkeitsstatistik der Bahn ein, auf die sich die Regierungsziele beziehen. Die Bahn lasse die Züge deshalb lieber ausfallen, als dass sie mit erheblicher Verspätung unterwegs seien. An der Bahnstrategie des Ministers stört ihn außerdem die Vorgabe, dass der Konzern Gewinne machen soll. Mit diesem Spardruck halte kein Unternehmen einen ausreichend großen Fuhrpark bereit, um für seltene Extremereignisse umfassend gewappnet zu sein.
In anderen Ländern klappt es besser
Dass in Extremlagen ein planbarer Normalbetrieb möglich ist, zeige ein Blick in die skandinavischen Länder sowie nach Österreich oder die Schweiz, sagte Flege. Ein Verkehrschaos auf der Schiene gebe es dort nur selten. Diese Länder hätten einen deutlich besser ausgestatteten Maschinenpark und genügend Reservezüge, um den Verkehr aufrechtzuerhalten.Die Bahn selbst lässt dieses Argument nicht gelten. Die Situation in Deutschland sei mit diesen Ländern nicht vergleichbar. In Norddeutschland seien in diesen Tagen 3.000 Kilometer Schienennetz betroffen gewesen. Das entspreche nahezu dem Gesamtnetz in Österreich.
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