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Brigitte Macron sorgt für Eklat mit Feministinnen

Brigitte Macron sorgt für Eklat mit Feministinnen
Die Ehefrau des französischen Staatspräsidenten, Brigitte Macron, hat eine Gruppe Feministinnen als "dreckige Schlampen" verunglimpft. Die Aufregung in Frankreich ist groß. Wollte sie sich bei rechten Stimmen anbiedern? 

Das hat viele schockiert in Frankreich: Die Première Dame Brigitte Macron hat protestierende Feministinnen als "sales connes" - auf Deutsch: "dreckige Schlampen" oder auch "dreckige Idiotinnen" beleidigt.
Geäußert hat sie diesen Satz - so legt es laut Medienberichten ein Video nahe - hinter den Kulissen eines Pariser Theaters, wo der bekannte Schauspieler Ary Abittan gerade mit einer neuen One-Man-Show auf der Bühne ist. Abittan ist bekannt als einer der Schwiegersöhne im Film "Monsieur Claude und seine Töchter". Gegen ihn hatte die Justiz dreieinhalb Jahre lang wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung ermittelt - das Verfahren dann aber eingestellt.

"Wenn da dreckige Schlampen sind ..."

Die Szene spielt sich hinter den Kulissen in dem engen Flur eines typischen Pariser Theaters ab. Roter Teppich, golden gestrichene Türklinken, niedrige Decken. Man sieht, wie Brigitte Macron mit dem Schauspieler und Komiker Ary Abittan schäkert, ihm Mut macht vor dem Auftritt. Ob er nicht - so wörtlich - "Schiss habe"? "Ja doch", antwortet Abittan und dann versichert Macron: "Wenn da dreckige Schlampen sind, werden wir sie rauswerfen." Und sie setzt hinzu: "Vor allem maskierte Banditen."
Macron spielt damit auf die Feministinnen an, die am Vorabend die Aufführung gestört hatten. Alle trugen Masken mit dem Antlitz des Schauspielers, darauf der Schriftzug: "violeur" - Vergewaltiger.

Parlamentspräsidentin: Dieses Vokabular ist unwürdig

Unter Frauenrechtlerinnen ist die Empörung über die drastischen Worte der Première Dame groß. Viele politische Vertreter forderten, dass sich Brigitte Macron entschuldigt. Parlamentspräsidentin Yaël Braun-Pivet sagte im Radiosender France Info: Alles an dieser Geschichte sei ärgerlich, misslich. Sie nahm zunächst Ari Abittan in Schutz: "Die Tatsache, dass man jemanden attackiert, dessen Verfahren eingestellt wurde, bedeutet einen Angriff auf die Unschuldsvermutung. Frauen, die behaupten, die Einstellung eines Verfahrens bedeute nicht, dass jemand unschuldig sei, schockiert mich." Das untergrabe die Unschuldsvermutung und sei gefährlich, so Braun-Pivet.
Gleichzeitig aber unterstrich sie auch, wie wichtig die Agenda der Feministinnen in Frankreich generell sei: "Der Kampf der Feministinnen ist absolut entscheidend; das war er in der Vergangenheit und wird er auch in Zukunft sein", sagte die Parlamentspräsidentin. "Um Taten anzuprangern und die Gesellschaft wachzurütteln." Man solle diesen Kampf nicht schlechtreden, er sei wichtig. "Ich bewundere, was diese Frauen tun und sie müssen es weiter tun."
Zu den Worten der Première Dame hielt Braun-Pivet unmissverständlich fest: "Dieses Vokabular ist unwürdig. Man beschimpft Menschen nicht, vor allem keine Aktivistinnen, die sich für eine gerechte Sache einsetzen."

"Manchmal geht es halt nach hinten los"

Nun wird gerätselt, wie das Video mit Macrons hässlichen Worten überhaupt in die Öffentlichkeit geraten konnte. Die Weitergabe scheint zwar eine Panne gewesen zu sein, aber filmen ließ sich Macron freiwillig im kleinen Kreis ohne Publikum und zwar von einem bekannten Fotografen, erklärt Renaud Déli, einer der führenden Politikjournalisten Frankreichs im Radio Sender France Info: "Der Fehler lag bei der People-Agentur Bestimage, die die Première Dame regelmäßig begleitet - so auch diesmal. Die Kollegen von der Pariser Tageszeitung Le Parisien berichten, dass diese Agentur die Filmausschnitte aus dem Theater verschiedenen Plattformen angeboten hat."
Die Chefin der Agentur sei so etwas wie eine Freundin von Brigitte Macron, sagte Déli. Letztere habe also gewusst, dass und von wem sie da in den Kulissen gefilmt wurde, sagte der Journalist. "Manchmal geht es halt nach hinten los, wenn man einen Auftritt in Szene setzen und für sich selber Werbung machen will."

Wollte sich Macron bei den Rechten beliebt machen?

Der Schaden ist groß, aber vielleicht auch nicht so groß, wenn man bedenkt, dass in Frankreich gerade ein "anti-woker" Rechtsruck stattfindet: politisch, in der öffentlichen Meinung, und ganz klar in den von extrem Rechten beherrschten Medienhäusern. Wollte sich Macron mit ihrer demonstrativen Solidarität für Schauspieler Ary Abittan bei den Kritikern der "woken", feministischen, linken Kultur beliebt machen? Vielleicht.
Diese Lesart macht umso nachdenklicher, wenn man sich daran erinnert, wie ihr Mann, Präsident Emmanuel Macron, bereits Ende 2023 für Schauspieler Gérard Depardieu Partei ergriffen hatte. Der mannigfach der sexuellen Übergriffe beschuldigte Schauspieler sei eine Ikone und mache Frankreich "stolz", hatte Macron gesagt.
Was auch immer hinter Brigitte Macrons verbaler Entgleisung steckt: Viele Frauenrechtlerinnen zeigen sich verstört und enttäuscht. Die Vereinigung "Les tricoteuses hystériques", die sich bereits für Gisèle Pelicot eingesetzt hatte, kündigte an, Klage gegen Brigitte Macron einreichen zu wollen.

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