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Wie die Hamas an der Not in Gaza verdient

Wie die Hamas an der Not in Gaza verdient
Die Preise für Fleisch sind explodiert, eine Jeans ist fast unbezahlbar. Das Leben im Gazastreifen wird immer teurer. Dahinter stehen Strukturen, von denen vor allem die Hamas profitiert. 

Ein Markt in Gaza-Stadt: Vor dem islamischen Opferfest Eid al-Adha sind die Straßen voll. Straßenhändler bieten Kleider an und Zuckerwatte für die Kinder. Doch das wichtige Fest fällt in diesem Jahr kleiner aus, sagt Yazeed Kloub. "Es gibt kein Fleisch, keine Kälber, keine Kühe. Nichts kommt rein. Es gibt nur Schikane durch die israelischen Besatzer."
Vieh gibt es kaum noch im Gazastreifen seit dem Überfall der Terrormiliz Hamas auf Israel und dem anschließenden Krieg. Die Preise für Fleisch sind explodiert. Ein Kilo kostet bis zu 120 Dollar.

Zahlungen an die "Koordination"

Der Viehhändler Hossam versucht, einige seiner wenigen Schafe und Ziegen zu verkaufen. Doch Kunden gibt es keine, die Tiere sind viel zu teuer. Was Hossam über die Hintergründe der Preisentwicklung berichtet, ist brisant.
"Bei der Einfuhr von Waren nach Gaza muss man einen sogenannten 'Koordinator' bezahlen für die 'Koordination'." Das koste den Transporteur oder Lkw-Betreiber etwa 400.000 Dollar pro Ladung, so Hossam. Unabhängig überprüfen lässt sich die Zahl nicht und wer hinter der sogenannten Koordination steht, wissen die Händler nach eigener Aussage nicht.
Fachleute beschreiben dem ARD-Studio Tel Aviv ein Netz aus Händlern, Zwischenhändlern - und der Hamas. Harel Chorev forscht an der Universität Tel Aviv zur palästinensischen Geschichte. Ihn überraschen die hohen Summen nicht. "Die Hamas hatte schon immer ein sehr hartes, rigides Steuersystem." Typischerweise seien daran Händlerfamilien beteiligt - "einflussreiche Familien, die den gesamten Handel überwachen und wir sprechen hier von etwa 30 Prozent auf alles, was reinkommt", so Chorev.

Korruption, Schmuggler, Funktionsträger

Doch nicht nur Hamas und Händlerfamilien in Gaza scheinen zu profitieren, sondern auch Menschen in Israel. Medien berichten über ein Schmugglernetz mit Verbindungen zur israelischen Armee und der Polizei.
Alles, was nach Gaza reingeht, kontrollieren die Behörden in Israel. Die zuständige Militärbehörde COGAT lässt unsere Fragen zu den Vorwürfen unbeantwortet. Der Historiker Chorev spricht von Korruption. "Ich würde nicht von Verbindungen zu den Behörden sprechen, aber wir haben verschiedene Beweise für Korruption und ein Netzwerk von Schmugglern, Soldaten und anderen Funktionsträgern, die von dieser Situation profitiert haben."

Hamas lockt mit Zahlungen

Zurück auf dem Markt in Gaza-Stadt steht Nabhan Hamada vor Regalen mit Jeans und T-Shirts. Er verkauft im Geschäft seiner Familie importierte Kleidung. Auch er spricht von der "Koordination", die die Preise treibt. "Pro Palette sind umgerechnet etwa 5.000 Dollar fällig für die 'Koordination'." Und die Ware selbst sei auch teuer. "Wir bekommen sie aktuell aus dem Westjordanland."
Hamada und seine Mitarbeiter packen Jeans in Einkaufstüten. Die Geschäfte laufen. Einige Menschen in Gaza haben Zugang zu Überweisungen aus dem Ausland. Andere bekommen Geld von der Hamas. Einschätzungen von Experten zufolge sind es einige zehntausend.
Laut dem israelischen Forscher Harel Chorev, kann die Hamas so weitere Kämpfer rekrutieren. Sie bekommen nach seinen Worten ungefähr 25 Dollar am Tag. Das sei viel Geld in Gaza.
Es ist eine Minderheit, die auf Märkten wie dem Gaza-Stadt einkaufen kann. Die allermeisten Menschen in Gaza haben kein Geld - und sind weiter abhängig von Hilfslieferungen.

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