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Taliban verschärfen für Machterhalt Kontrolle über Frauen

Taliban verschärfen für Machterhalt Kontrolle über Frauen
In Herat wurden jüngst 30 Frauen verhaftet, die gegen Kleiderordnung verstoßen haben sollen. Es folgten Proteste. Fünf Jahre nach Machtübernahme agieren die Taliban nervös.

Anfang Juni nahmen die Taliban-Behörden nach Angaben der UN-Unterstützungsmission in Afghanistan (UNAMA) in der westafghanischen Stadt Herat mindestens 30 Frauen fest. Angeblich hätten sie gegen die Kleiderordnung verstoßen. Das Tragen vom Ganzkörperschleier, Burka genannt, ist in der Öffentlichkeit Pflicht. Die Festnahmen lösten seltene Proteste im Bezirk Injil aus, einem überwiegend schiitischen Gebiet von Herat. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung in Afghanistan sind Sunniten.

Die Taliban reagierten laut UNAMA und Menschenrechtsgruppen mit Gewalt und schossen auf Demonstranten. Mindestens zwei Menschen wurden getötet, darunter ein Kind, mehr als zwanzig weitere wurden verletzt. Die Taliban selbst haben Berichte über die Festnahmen zurückgewiesen.

Proteste in Herat zeugen von Widerstand gegen die Taliban

Der Fall hat bei afghanischen Frauenrechtsaktivistinnen Empörung ausgelöst. Zwei Unterstützerinnen des "Afghan Women's Movement Network", die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollen, bezeichnen die Festnahmen als "umfassende und systematische Unterdrückung".

"Jede Frau, die in Herat festgenommen wird, ist ein Symbol für das Leid von Millionen Afghaninnen, die im Schatten der Geschlechterapartheid leben", sagt eine Aktivistin der DW.

Die Taliban hätten das Selbstbestimmungsrecht von Frauen kriminalisiert, so eine weitere Aktivistin des Netzwerks. "Die Taliban verhaften Frauen wegen des 'Verbrechens', sich selbst zu entscheiden, wie sie sich kleiden", sagt sie der DW. "Dieses Verhalten ist weder religiös noch menschlich. Es ist Unterdrückung von Frauen und eine klare Verletzung der Menschenwürde."

"Diese Proteste zeigen den Umfang des Widerstands im Lande", erklärt Nigara Mirdad, eine ehemalige afghanische Diplomatin und Frauenrechtsaktivistin, im Gespräch mit der DW.

Wie lange hält sich die Taliban-Regierung an der Macht? 

Vor fünf Jahren (am 15. August 2021) übernahmen die islamistischen Taliban nach mehr als zwanzig Jahren wieder die Macht in Afghanistan. Die US-Truppen hatten sich weitgehend zurückgezogen. Zwischen 1996 und 2001 bis zum Einmarsch der internationalen Truppen nach dem Terroranschlag am 11. September 2001 haben die Taliban Afghanistan schon einmal regiert. Damals konnte das Regime das fünfte Jahr nicht überstehen.

Ob die Taliban diesmal länger als fünf Jahre regieren? Nur die wenigsten Beobachter rechnen aktuell mit einem Zusammenbruch. Die Taliban kontrollieren die staatlichen Institutionen, den Sicherheitsapparat und den Großteil des öffentlichen Lebens. Die politische Opposition wurde zerschlagen. Unabhängige Medien wurden stark eingeschränkt.

Mädchen dürfen keine weiterführenden Schulen und Universitäten besuchen. Frauen sind von den meisten Berufen, vielen öffentlichen Räumen und dem freien Reisen ohne männlichen Begleiter ausgeschlossen.

Die Taliban bezeichnen diese Maßnahmen als islamisch und kulturell angemessen. Afghanische Frauenrechtsaktivistinnen argumentieren jedoch, dass die Einschränkungen politische Instrumente sind, die darauf abzielen, Frauen aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen und die Gesellschaft durch Angst zu disziplinieren.

Der afghanische Religionswissenschaftler Mohammad Osman Tariq sagt, die jüngsten Maßnahmen deuteten nicht nur auf ideologische Rigidität hin, sondern verdeutlichen auch auf Ängste innerhalb des Taliban-Systems.

"Ein Grund, warum die derzeitige Taliban-Regierung die Kontrolle verschärft und niemandem erlaubt, auf die Straße zu gehen und zu protestieren, ist, dass sie all dies als Bedrohung für ihre Herrschaft und Existenz betrachten", sagte Tariq im DW-Interview.

"Unterdrückungsregime nicht von Dauer"

Es sei nur natürlich, dass die Taliban um den Fortbestand ihrer Herrschaft fürchteten, sagt er. "Sie wissen, dass es sich um ein Unterdrückungsregime handelt, das irgendwann zusammenbrechen wird. Selbst einige ihrer eigenen Mitglieder glauben, dass die Herrschaft nicht von Dauer sein kann."

Shinkai Karokhail, eine ehemalige afghanische Abgeordnete, Diplomatin und Menschenrechtsaktivistin, ist der Meinung, dass die Unterdrückung durch die Taliban auch auf ihr Versagen bei der Regierungsführung zurückzuführen ist.

"Leider ist es dem Taliban-Regime nicht gelungen, die Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen, öffentliche Dienstleistungen bereitzustellen oder Jobs zu schaffen", sagt Karokhail der DW. "Folglich fürchten sie nun einen öffentlichen Aufstand gegen sich. Deswegen muss die Bevölkerung auf verschiedene Weise eingeschüchtert und unterdrückt werden, um sie daran zu hindern, ihre Stimme zu erheben."

Trotz miserabler Regierungsführung ist den Taliban gelungen, außenpolitische Erfolge zu vermelden. Die Staaten der Region haben ihre Kontakte zu ihnen ausgebaut. Russland hat die Taliban-Behörden offiziell anerkannt. Die Ex-Diplomatin Mirdad sagt, die zunehmende geopolitische Spannung habe dazu beigetragen, dass die Taliban länger an der Macht bleiben konnten, als viele erwartet hatten. "Die weltweite Aufmerksamkeit hat sich auf andere Kriege und Krisen konzentriert. Das verschafft den Taliban mehr Spielraum zur Festigung ihrer Kontrolle." Die verstärkten internationalen Kontakte hätten dazu beigetragen, ihre Herrschaft zu konsolidieren.

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