Iran: Die neue Machtordnung nach Ali Chamenei
Nach dem Tod Ayatollah Ali Chameneis hat sein Sohn Modschtaba ein politisches System übernommen, das sein Vater über Jahrzehnte aufgebaut und nach seinen eigenen Vorstellungen geformt hat.
Nach den staatlichen Trauerfeiern für Ayatollah Ali Chamenei, der am 28. Februar bei US-amerikanischen und israelischen Angriffen getötet wurde, beginnt im Iran eine neue politische Phase.
Denn mit der Beerdigung hat die Ära des Ayatollahs ihr Ende gefunden. Sein Nachfolger ist Modschtaba Chamenei, der zweite Sohn des langjährigen Revolutionsführers. Er wurde dazu zwar bereits am 8. März bestimmt, ist aber bislang nicht öffentlich aufgetreten und fehlte sogar bei den staatlichen Trauerfeiern für seinen Vater . Mit seiner Ernennung wurde er zum dritten Obersten Führer der Islamischen Republik seit der Revolution von 1979.
Der Machtwechsel ist das Ergebnis eines tiefgreifenden institutionellen Wandels, der sich während der fast vier Jahrzehnte dauernden Herrschaft Ali Khameneis vollzogen hat.
Nach Einschätzung des Iran-Experten und politischen Analysten Reza Talebi hat Ali Chamenei die Machtstrukturen der Islamischen Republik Schritt für Schritt grundlegend verändert.
"Im Gegensatz zu Ayatollah Ruhollah Chomeini, der nach der Revolution ein System schuf, das auf revolutionärer Legitimität und seiner persönlichen Autorität beruhte, begann Ali Chamenei, dieses System grundlegend umzubauen", sagt Talebi im Gespräch mit der DW.
In den letzten 37 Jahren sei der Einfluss religiöser Autoritäten und der von schiitischen Seminaren auf zentrale politische Entscheidungen schrittweise zurückgedrängt worden. An ihre Stelle seien die Sicherheitsinstitutionen, das Büro des Obersten Führers sowie die mit ihm verbundenen politischen und militärischen Netzwerke getreten.
Bei den sechstägigen staatlichen Trauerfeierlichkeiten für Ayatollah Ali Chamenei waren keiner der drei ehemaligen Präsidenten der Islamischen Republik – Hassan Rohani, Mahmoud Ahmadinedschad und Mohammad Chatami – neben anderen führenden Persönlichkeiten des politischen Systems zu sehen.
Stattdessen standen Vertreter des Sicherheitsapparats, insbesondere Kommandeure der Revolutionsgarde, sowie der amtierende Präsident Massud Peseschkian im Mittelpunkt. Das vermitteln die offiziellen Bilder.
Peseschkian wird ein gutes Verhältnis zu Modschtaba Chamenei nachgesagt. Er spielte im Zusammenhang mit den Verhandlungen über ein Ende des Iran-Krieges eine zentrale Rolle.
Der Krieg, der am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begann und mündete nach knapp sechs Wochen in einen fragilen Waffenstillstand. Es folgte eine Verhandlungsphase. Modschtaba Chamenei habe "im Prinzip" grundsätzlich eine andere Position vertreten, hieß es in einer ihm zugeschriebenen Erklärung, die von staatlichen iranischen Medien verbreitet wurde. Schließlich stimmte aber den Verhandlungen zu.
In der Erklärung hieß es, er habe seine Zustimmung gegeben, nachdem Präsident Peseschkian in seiner Funktion als Vorsitzender des Obersten Nationalen Sicherheitsrats zugesichert habe, "die Rechte des iranischen Volkes und die Interessen der Widerstandsachse zu wahren" und dafür die Verantwortung zu übernehmen.
Die USA und der Iran einigten sich am 14. Juni 2026 auf den Entwurf eines Rahmenabkommens (Memorandum of Understanding, MoU), das als Grundlage für weitere Verhandlungen über ein umfassenderes Abkommen dienen sollte. Nach der jüngsten Eskalation in der Straße von Hormus stellte US-Präsident Donald Trump die Verhandlungen mit Teheran infrage.
"Iran interpretiert Artikel 5 des Memorandum of Understanding (MoU) dahingehend, dass die Formulierung ‚the Islamic Republic of Iran will make arrangements‘ bedeutet, dass nur Iran die notwendigen Regelungen für die Wiedereröffnung treffen darf", schreibt Hamidreza Aziz, Politologe und Experte für iranische Außen- und Sicherheitspolitik, auf der Plattform X.
Bei der Eskalation des Konflikts mit den USA spielt die Revolutionsgarde eine entscheidende Rolle. Aus Sicht von Mojtaba Najafi, ein in Frankreich lebender Forscher zu neuen politischen und sozialen Bewegungen, hat insbesondere der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran das Selbstbewusstsein der Revolutionsgarden als politische und gesellschaftliche Kraft gestärkt.
Die Krise habe nicht dazu geführt, dass gemäßigte Kräfte – etwa die Anhänger des ehemaligen Präsidenten Hassan Rohani, der 2015 das Atomabkommen unterzeichnete – größeren Einfluss gewinnen konnten.
"Wir werden eine interne Auseinandersetzung innerhalb der Revolutionsgarden erleben, und die zukünftige Richtung wird sich um diese Achse drehen“, erklärt Najafi im Gespräch mit der DW. Seiner Einschätzung nach sieht der harte Kern der Macht derzeit keinen Anlass, gemäßigten politischen Kräften außerhalb dieses Netzwerks größere Zugeständnisse zu machen.
Ob der harte Kern der Macht innerhalb der Islamischen Republik Modschtaba Chamenei folgen und sich von ihm neu ausrichten lässt oder ob Modschtaba Chamenei, der Berichten zufolge schwer verletzt worden sein soll, selbst zum Instrument dieser Machtzentren wird, bleibt abzuwarten.
Nach den staatlichen Trauerfeiern für Ayatollah Ali Chamenei, der am 28. Februar bei US-amerikanischen und israelischen Angriffen getötet wurde, beginnt im Iran eine neue politische Phase.
Denn mit der Beerdigung hat die Ära des Ayatollahs ihr Ende gefunden. Sein Nachfolger ist Modschtaba Chamenei, der zweite Sohn des langjährigen Revolutionsführers. Er wurde dazu zwar bereits am 8. März bestimmt, ist aber bislang nicht öffentlich aufgetreten und fehlte sogar bei den staatlichen Trauerfeiern für seinen Vater . Mit seiner Ernennung wurde er zum dritten Obersten Führer der Islamischen Republik seit der Revolution von 1979.
Der Machtwechsel ist das Ergebnis eines tiefgreifenden institutionellen Wandels, der sich während der fast vier Jahrzehnte dauernden Herrschaft Ali Khameneis vollzogen hat.
Nach Einschätzung des Iran-Experten und politischen Analysten Reza Talebi hat Ali Chamenei die Machtstrukturen der Islamischen Republik Schritt für Schritt grundlegend verändert.
"Im Gegensatz zu Ayatollah Ruhollah Chomeini, der nach der Revolution ein System schuf, das auf revolutionärer Legitimität und seiner persönlichen Autorität beruhte, begann Ali Chamenei, dieses System grundlegend umzubauen", sagt Talebi im Gespräch mit der DW.
In den letzten 37 Jahren sei der Einfluss religiöser Autoritäten und der von schiitischen Seminaren auf zentrale politische Entscheidungen schrittweise zurückgedrängt worden. An ihre Stelle seien die Sicherheitsinstitutionen, das Büro des Obersten Führers sowie die mit ihm verbundenen politischen und militärischen Netzwerke getreten.
Abwesenheit von drei ehemaligen Präsidenten
Dieser Wandel veränderte auch die Rolle der gewählten Institutionen. Nach Talebis Analyse entwickelten sich insbesondere Präsidentschaftswahlen zunehmend zu Wettbewerben innerhalb eines bereits festgelegten politischen Rahmens. Präsidenten unterschiedlicher politischer Lager konnten zwar eigene Akzente setzen und bestimmte innenpolitische Prioritäten verfolgen, verfügten jedoch in strategischen Bereichen wie der Außenpolitik, dem Atomprogramm und der Regionalpolitik nur über begrenzten Handlungsspielraum.Bei den sechstägigen staatlichen Trauerfeierlichkeiten für Ayatollah Ali Chamenei waren keiner der drei ehemaligen Präsidenten der Islamischen Republik – Hassan Rohani, Mahmoud Ahmadinedschad und Mohammad Chatami – neben anderen führenden Persönlichkeiten des politischen Systems zu sehen.
Stattdessen standen Vertreter des Sicherheitsapparats, insbesondere Kommandeure der Revolutionsgarde, sowie der amtierende Präsident Massud Peseschkian im Mittelpunkt. Das vermitteln die offiziellen Bilder.
Peseschkian wird ein gutes Verhältnis zu Modschtaba Chamenei nachgesagt. Er spielte im Zusammenhang mit den Verhandlungen über ein Ende des Iran-Krieges eine zentrale Rolle.
Der Krieg, der am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begann und mündete nach knapp sechs Wochen in einen fragilen Waffenstillstand. Es folgte eine Verhandlungsphase. Modschtaba Chamenei habe "im Prinzip" grundsätzlich eine andere Position vertreten, hieß es in einer ihm zugeschriebenen Erklärung, die von staatlichen iranischen Medien verbreitet wurde. Schließlich stimmte aber den Verhandlungen zu.
In der Erklärung hieß es, er habe seine Zustimmung gegeben, nachdem Präsident Peseschkian in seiner Funktion als Vorsitzender des Obersten Nationalen Sicherheitsrats zugesichert habe, "die Rechte des iranischen Volkes und die Interessen der Widerstandsachse zu wahren" und dafür die Verantwortung zu übernehmen.
"Selbstbewusste Revolutionsgarde"
Neben Peseschkian spielte auch Mohammad-Bagher Ghalibaf als ehemaliger Kommandeur der Revolutionsgarde und heutiger Parlamentspräsident, eine wichtige Rolle in den Verhandlungen mit den USA.Die USA und der Iran einigten sich am 14. Juni 2026 auf den Entwurf eines Rahmenabkommens (Memorandum of Understanding, MoU), das als Grundlage für weitere Verhandlungen über ein umfassenderes Abkommen dienen sollte. Nach der jüngsten Eskalation in der Straße von Hormus stellte US-Präsident Donald Trump die Verhandlungen mit Teheran infrage.
"Iran interpretiert Artikel 5 des Memorandum of Understanding (MoU) dahingehend, dass die Formulierung ‚the Islamic Republic of Iran will make arrangements‘ bedeutet, dass nur Iran die notwendigen Regelungen für die Wiedereröffnung treffen darf", schreibt Hamidreza Aziz, Politologe und Experte für iranische Außen- und Sicherheitspolitik, auf der Plattform X.
Der Iran betrachtet die Kontrolle über die Straße von Hormus als eine der wichtigsten strategischen Verhandlungspositionen und versucht daher zu verhindern, dass alternative Schifffahrtsrouten – etwa durch omanische Gewässer und unter Beteiligung der USA oder internationaler Organisationen – ohne iranische Zustimmung eingerichtet werden.
Bei der Eskalation des Konflikts mit den USA spielt die Revolutionsgarde eine entscheidende Rolle. Aus Sicht von Mojtaba Najafi, ein in Frankreich lebender Forscher zu neuen politischen und sozialen Bewegungen, hat insbesondere der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran das Selbstbewusstsein der Revolutionsgarden als politische und gesellschaftliche Kraft gestärkt.
Die Krise habe nicht dazu geführt, dass gemäßigte Kräfte – etwa die Anhänger des ehemaligen Präsidenten Hassan Rohani, der 2015 das Atomabkommen unterzeichnete – größeren Einfluss gewinnen konnten.
"Wir werden eine interne Auseinandersetzung innerhalb der Revolutionsgarden erleben, und die zukünftige Richtung wird sich um diese Achse drehen“, erklärt Najafi im Gespräch mit der DW. Seiner Einschätzung nach sieht der harte Kern der Macht derzeit keinen Anlass, gemäßigten politischen Kräften außerhalb dieses Netzwerks größere Zugeständnisse zu machen.
Ob der harte Kern der Macht innerhalb der Islamischen Republik Modschtaba Chamenei folgen und sich von ihm neu ausrichten lässt oder ob Modschtaba Chamenei, der Berichten zufolge schwer verletzt worden sein soll, selbst zum Instrument dieser Machtzentren wird, bleibt abzuwarten.
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