Der SC Paderborn hat sich in der Relegation nach einem aufopferungsvollen Kampf über 120 Minuten gegen Bundesligist VfL Wolfsburg mit 2:1 durchgesetzt und spielt in der kommenden Saison in der Bundesliga. Das Tor des Tages erzielte Laurin Curda in der Verlängerung. Der VfL ist nach 29 Jahren in der Bundesliga erstmals abgestiegen.
Als Sven Michel nach dem Spiel mit zwei Biergläsern durch die Mixed Zone lief, hatte er den Aufstieg seiner Paderborner noch gar nicht richtig realisiert: "Es prasselt einfach so viel auf mich ein", sagte der Routinier und: "Ich bin einfach so stolz auf die Jungs, was wir heute und die ganze Saison geleistet haben." Auch sein Trainer Ralf Kettemann rang nach Worten: "Ich freue mich auf den Moment, wenn ich wieder Zugang zu meinen Gefühlen habe, denn das wird grandios." Wolfburgs Trainer Dieter Hecking gab sich gefasst und gratulierte den Paderbornern. "Das ist natürlich emotional alles, wie immer nach einem Abstieg."
Früher Schock für Paderborn
Die Vorfreude auf das wichtigste Spiel seit vielen Jahren war in Paderborn groß, schließlich war das Hinspiel 0:0 ausgegangen. Aber sie erlebte bereits nach drei Minuten einen herben Dämpfer. Mit einem langen Ball überspielte Joakim Mæhle die gesamte Paderborner Hintermannschaft und fand Stürmer Adam Daghim. Der 20-jährige Däne spielte den Ball in den Rückraum, wo Sturmpartner Dzenan Pejcinovic überlegt zum 1:0 einschob. Der Zweitligist brauchte einige Minuten, um den frühen Rückschlag zu verkraften. Nach zehn Minuten wurde es dann zum ersten Mal hitzig. Paderborns Filip Bilbija geriet mit Mæhle aneinander - beide sahen die Gelbe Karte. Nur drei Minuten später stand wieder Mæhle im Mittelpunkt. Der Däne kam in einem Zweikampf mit gestrecktem Bein viel zu spät und sah bereits nach 14 Minuten die Gelb-Rote Karte. "Das war der Game-Changer", fand Kettemann. Hecking sah das ähnlich, aber haderte mit der Verwarnung gegen sein Außenverteidiger, der geschubst worden war, bevor er den Ball wegschlug: "Das ist natürlich die Szene, die uns am Ende den Abstieg gebracht hat."
Die Spieldynamik änderte sich postwendend. Die Gäste, die bis dato alles unter Kontrolle hatten, ließen sich mit einem Mann weniger tief in die eigene Hälfte drängen. Viel mehr als eine Ecke nach der anderen sprang in den ersten 30 Minuten für Paderborn aber nicht heraus. Dann prüfte Santiago Castaneda Wolfsburgs Keeper Kamil Grabara mit einem strammen Schuss aus 14 Metern (35.). Der polnische Nationalspieler machte sich ganz lang und parierte glänzend.
Bilbija belohnt sich und ganz Paderborn
Paderborn ließ nicht nach und drängte auf den Ausgleich. Ein Einwurf tief in der Wolfsburger Hälfte landete auf dem Kopf von Calvin Brackelmann, der punktgenau auf den Kopf von Bilbija verlängerte. Der auffälligste Paderborner köpfte zum verdienten 1:1-Ausgleich ein (38.). Wolfsburg kam überhaupt nicht mit dieser Drangphase zurecht und schleppte das 1:1 mit in die Pause.
Auch nach dem Seitenwechsel spielte nur der SCP. Nach der neunten Ecke und Kopfball von Stefano Marino rettete Jeanuel Belocian für den VfL auf der Linie. Der Nachschuss von Sebastian Klaas wurde kurz vor der Linie geblockt (50.). Wenig später ließ Marino nach punktgenauer Flanke von Brackelmann den Führungstreffer per Kopf liegen (56.), der nächste Schuss von Klaas landete aus 16 Metern am linken Pfosten (61.). Sehr zur Freude von Kettemann: "Wir haben an uns geglaubt."
Michels Kopfball nur an den Pfosten
Mit dem Pfostenschuss fand die Paderborner Drangphase ihr zwischenzeitliches Ende, Wolfsburg konnte sich etwas Luft verschaffen und sorgte selbst für den ein oder anderen Ausflug nach vorne. In der Nachspielzeit hatte Paderborns Joker und Vereinslegende Sven Michel den Last-Minute-Treffer auf dem Kopf - der Ball prallte nur an den Pfosten. Wolfsburg rette sich nach 2:31 Torschüssen nach 90 Minuten gerade noch in die Verlängerung.
Curda wird Paderborns Aufstiegsheld
Dort machten die Gastgeber da weiter wo sie in der regulären Spielzeit aufgehört hatten. Nachdem erst Grabara herausragend parierte (92.), schlug wenig später die große Stunde von Laurin Curda. Der Einwerfer vor dem 1:1 vollendete eine Flanke von Michel sehenswert per Direktabnahme zum 2:1 und machte sich mit dem Siegtreffer zum Paderborner Aufstiegsheld.
In den letzten Minuten musste Paderborn dann doch noch zittern. Erst hielt Dennis Seimen mit seiner ersten Parade den SCP vorne, dann schoss Wolfsburgs Jesper Lindstrøm mit der letzten Aktion des Spiels den Ball knapp über das Tor. Wolfsburg verabschiedet sich nach 29 Jahren erstmals aus dem Oberhaus. Für die Ostwestfalen ist es nach 2014 und 2019 der dritte Aufstieg in die Bundesliga. Nach André Breitenreiter und Steffen Baumann ist Ralf Kettemann der dritte Paderborner Aufsteigs-Trainer. "Wir freuen uns darauf im nächsten Jahr gegen die ganz Großen ein bisschen Sport zu machen", sagte er betont bescheiden.
Комментарии (0)