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Was beim Arbeitszeitgesetz geplant ist

Was beim Arbeitszeitgesetz geplant ist
Die Bundesregierung will das Arbeitszeitgesetz reformieren. Statt Acht-Stunden-Tagen soll es künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit geben. Was genau geplant ist und warum es Kritik daran gibt. 

Was sind die Pläne der Regierung?

Union und SPD wollen Änderungen bei der Arbeitszeit einführen. Man wolle "im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen", heißt es dazu im Koalitionsvertrag. Statt bisher acht Stunden pro Tag soll es nun also mehr Flexibilität geben, und Arbeitszeiten sollen besser an die realen Anforderungen angepasst werden können, beispielsweise bei Saison-, Schicht-, Wochenend- oder Nachtarbeit.
Die europäische Richtlinie sieht eine durchschnittliche Arbeitszeit von maximal 48 Stunden pro Woche vor. Über welchen Zeitraum der Schnitt berechnet wird, unterscheidet sich je nach Land. Eine tägliche Obergrenze wie nach geltendem deutschen Recht gibt die EU-Richtlinie nicht direkt vor.
Laut Koalitionsvertrag soll sich die wöchentliche Höchstarbeitszeit in Deutschland an bereits bestehenden Regeln orientieren: "Als Vollzeitarbeit soll dabei für tarifliche Regelungen eine Wochenarbeitszeit von mindestens 34 Stunden, für nicht tariflich festgelegte oder vereinbarte Arbeitszeiten von 40 Stunden gelten." Gleichzeitig sollen "die geltenden Ruhezeitregelungen beibehalten" werden. Somit müssen zwischen zwei Schichten mindestens elf Stunden liegen.
Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), sagte im ARD-Morgenmagazin, dass dies durchaus seine Berechtigung habe: Der Acht-Stunden-Tag sei für die Industriegesellschaft wichtig gewesen. "Wir haben heute eine sehr viel stärker dienstleistungsorientierte Wirtschaft, wir haben ganz andere Bedingungen in den Familien, wo zwei arbeiten, und damit auch ganz andere Zeitausgleiche zwischen Arbeitszeit und Freizeit, zwischen Familie und Beruf zu organisieren sind."

Warum will die Regierung eine andere Regelung zur Arbeitszeit?

Im Koalitionsvertrag begründen die Koalitionspartner den Schritt mit einer sich verändernden Arbeitswelt: "Beschäftigte und Unternehmen wünschen sich mehr Flexibilität." Eine neue Regelung der Arbeitszeit sei dabei auch "im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf".
Der IW-Direktor Hüther betonte im Interview mit dem ARD-Morgenmagazin, dass sich die Veränderungen im Kern an Bürojobs richten. Mehr Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten bedeuteten auch höhere Sicherheit für Arbeitsplätze, da der wirtschaftliche Handlungsrahmen der Unternehmen leichter und besser organisierbar sei. "Es geht ja nicht um mehr Arbeitszeit, sondern es geht um eine andere Verteilung der Arbeitszeit, die gegebenenfalls notwendig ist."

Wie sind die Reaktionen?

Die Arbeitgeber dringen auf Deregulierung und Entlastung. Dazu gehören auch flexiblere Arbeitszeiten. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger forderte alle Seiten zu "echten Veränderungen" auf. Doch aktuell gibt es Streit über das Vorhaben, mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit als den seit mehr als 100 Jahren maßgeblichen Acht-Stunden-Tag zuzulassen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt die Pläne ab. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnte erneut eindringlich vor einer Abkehr vom Acht-Stunden-Tag: "Wir wollen nicht zurückgeworfen werden in Zeiten von vor 1918", sagte sie auf dem Bundeskongress des DGB. Ver.di-Chef Frank Werneke sieht in den Plänen der Bundesregierung einen Freibrief für Arbeitgeber, um aus ihren Mitarbeitenden "das Letzte rauszuholen - ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Beschäftigten".
Auch Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte sich zuletzt von der geplanten Abschaffung des Acht-Stunden-Tags distanziert. "Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an, aber es steht im Koalitionsvertrag", sagte Bas, die auch SPD-Chefin ist. Juso-Chef Philipp Türmer hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vorgeworfen, mit der geplanten Einführung einer Wochenarbeitszeit die Bedürfnisse von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu missachten.

Warum sind die Gewerkschaften gegen eine Wochenarbeitszeit?

Ver.di-Chef Frank Werneke hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vorgeworfen, für die Reformpläne der Bundesregierung bislang keinen Konsens mit den Gewerkschaften gesucht zu haben. Er betonte, es gebe bereits "Hunderte von Tarifverträgen mit hochflexiblen Arbeitszeitmodellen".
"Es gibt überhaupt gar keinen Handlungsbedarf", so Werneke. "Was diskutiert wird und was ja auch Teil des Koalitionsvertrages ist, ist, dass die Möglichkeit geschaffen werden soll durch Direktionsrecht der Arbeitgeber, 13 Stunden am Stück zu arbeiten. Und das ist gegen jeden Gesundheitsschutz. Und deshalb ist das aus meiner Sicht auch kein Reformschritt."
Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung warnte zuletzt vor einer Umstellung auf eine Wochenarbeitszeit - dies könne Arbeitstage von bis zu zwölf Stunden und 15 Minuten bedeuten. Die Folgen wären Gesundheitsrisiken, mehr Krankheitstage und mehr Druck auf Familien, warnt eine Analyse des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeitsrecht (HSI), das zur Stiftung gehört. Die Neuerung könnte "wirtschaftlich sogar kontraproduktiv wirken".

Wie ist die aktuelle Rechtslage?

Im Arbeitszeitgesetz heißt es aktuell: "Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten." In Ausnahmefällen kann die Arbeitszeit auf bis zu zehn Stunden verlängert werden - zum Beispiel, wenn dies später wieder ausgeglichen wird. Eine noch längere Arbeitszeit ist nur in sehr engen Grenzen möglich.

Wie viel arbeiten die Deutschen aktuell?

34,3 Stunden betrug die gewöhnliche Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland 2024 laut Statistischem Bundesamt. Damit lag Deutschland 2024 unter dem europäischen Durchschnitt (36,8 Stunden). Besonders viel arbeiteten die Erwerbstätigen in Serbien (42,2 Stunden), während die Niederlande mit 31,2 Wochenarbeitsstunden den geringsten Wert aufwies.
Auch in Deutschland wurde einmal mehr gearbeitet: Insgesamt hat die gewöhnliche Wochenarbeitszeit seit 1991 (38,4 Stunden) um 4,1 Stunden abgenommen. Allerdings wird die mittlere Arbeitszeit der Erwerbstätigen von dem steigenden Anteil Erwerbstätiger in Teilzeit beeinflusst. Dieser betrug 14,1 Prozent von allen Erwerbstätigen im Jahr 1991 und stieg bis 2024 auf 30,8 Prozent an.

Warum wurde der Acht-Stunden-Tag eingeführt?

Mit dem Slogan "Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit und Erholung und acht Stunden Schlaf" griff erstmals Robert Owen, ein walisischer Unternehmer und Sozialreformer, den Achtstundentag auf. In Deutschland wurde er im Jahr 1918 zunächst für Arbeiter und 1919 auch für Angestellte ein geführt.
Auch viele Unternehmen profitierten davon, da durch verkürzte Arbeitszeiten oftmals die Produktivität stieg. Mit den Arbeitszeitverordnungen von 1923 und 1938 wurden durch Ausnahmeregelungen auch wieder Zehnstundentage zugelassen.

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