Was für ein Spektakel! Bayern München ist im torreichsten Halbfinale der Champions-League-Geschichte schon halbtot, kommt gegen PSG aber spektakulär zurück.
Paris Saint-Germain und Bayern München sind zwei der weltbesten Fußballteams, entsprechend hoch waren die Erwartungen an ihr Hinspielduell im Halbfinale der Champions League. Was die beiden Teams aber am Dienstagabend im Pariser Prinzenpark ablieferten, übertraf auch die kühnsten Erwartungen. Nach einem wilden Hin und Her siegte Paris mit 5:4 (3:2) und hat nun im Rückspiel am kommenden Mittwoch (21 Uhr, Live-Audioreportage auf sportschau.de) gute Karten auf den Finaleinzug. Aber auch die Bayern dürften nicht unzufrieden sein, immerhin hielten sie die Niederlage nach einem zwischenzeitlichen 2:5-Rückstand in Grenzen.
Vier Münchner Torschützen
Harry Kane (17. Minute, Foulelfmeter) hatte Bayern in Führung gebracht, Michael Olise (41.), Dayot Upamecano (64.) und Luis Diaz (68.) hielten Bayerns Endspielträume lebendig. Für PSG trafen Khvicha Kvaratskhelia (24., 56.), Joao Neves (33.) und Ousmane Dembélé (45.+5, Handelfmeter, 58.). "Für mich war es ein grandioses Fußballspiel, wo zwei fantastische Mannschaften, die nach vorne spielen wollen, alles in die Waagschale geworfen haben", sagte Bayerns Sportdirektor Max Eberl. "Ich habe noch nicht so viele Fußballspiele auf dem Niveau, mit der Qualität gesehen."
Olise verpasst 2:0-Führung
Die Teams hatten sich eine Viertelstunde des Abtastens gegönnt, dann schalteten sie auf Vollgas. Startschuss war eine Grätsche von Willian Pacho im eigenen Strafraum, er traf erst Bayerns Luis Diaz am Fuß, dann den Ball. Schiedsrichter Sandro Schärer aus der Schweiz entschied sofort auf Elfmeter, Kane verwandelte eiskalt. Nur kurz darauf hatte Olise den zweiten Treffer auf dem Fuß, scheiterte bei seiner Riesenchance aber an Torwart Matwei Safonow. In dieser Phase wirkten die Bayern kurz wie der Herr im fremden Haus.
Kvaratskhelia lässt Stanisic stehen
Allerdings boten sie hinten große Lücken, sodass Dembélé völlig frei auf Manuel Neuer zulaufen konnte. Der Weltfußballer verzog überraschend kläglich, aber nur eine Minute später machte es Kvaratskhelia deutlich besser. Er ließ Josip Stanisic stehen und traf präzise ins lange Eck.
Paris Ousmane Dembele und Khvicha Kvaratskhelia bejubeln ihren Treffer In irrwitzigem Tempo ging es weiter mit Gefahr auf beiden Seiten. Superdribbler Olise ließ die Weltklasseverteidiger Nuno Mendes und Marquinhos stehen, passte von der Torauslinie in die Mitte. Dort fälschte Neves den Ball so ab, dass er an den Pfosten prallte - Glück für PSG.
Neves entwischt Musiala
Im direkten Gegenzug kam Désiré Doué in Bayerns Strafraum zum Abschluss, schoss knapp links vorbei. Den nachfolgenden Eckball von Dembélé köpfte der 1,74 Meter große Neves zur PSG-Führung ein. Jamal Musiala, in Abwesenheit der verletzten Serge Gnabry und Lennart Karl von Beginn an aufgeboten, hatte den Kontakt zu seinem Gegenspieler verloren. Weiter gab es Chance auf Chance, unter anderem schoss Doué erneut knapp links vorbei. Der nächste Treffer gehörte aber den Gästen: Olise erhielt den Ball 20 Meter zentral vor dem Tor. Vier Gegenspieler umringten ihn, aber keiner griff energisch an. Das sollte man nicht tun, wenn einer wie Olise am Ball ist: Er stieß vor in den Strafraum und traf zum Ausgleich.
Bayerns Michael Olise bejubelt seinen Treffer
Davies mit unglücklichem Handspiel
Es wäre ein gerechtes Halbzeitergebnis gewesen, aber Alphonso Davies leistete sich in der Nachspielzeit eine unglückliche Abwehraktion. Beim Verteidigen einer Dembélé-Flanke hielt er zunächst die Hände hinter dem Rücken, um ein Handspiel zu vermeiden. Im letzten Moment aber öffnete er die Haltung leicht - und bekam die Flanke aus kurzer Distanz an den Oberschenkel und dann an den leicht abgespreizten Unterarm. Schiedsrichter Schärer ließ weiterlaufen, wurde aber vom VAR an den Bildschirm gerufen. Dort entschied er auf Elfmeter - eine harte, aber erklärbare Entscheidung. Dembélé übernahm, Manuel Neuer war mit den Fingerspitzen dran, aber der Schuss war zu platziert.
Danks vertritt Kompany
Danach war Halbzeit, Zeit zum Durchschnaufen, auch für die reizüberfluteten Zuschauer. Und Zeit, abzuliefern für Aaron Danks. Der 42-jährige Brite ist als Co-Trainer der Bayern normalerweise für die Standards zuständig, vertrat aber in Paris Chefcoach Vincent Kompany, der gelbgesperrt auf der Tribüne saß.
Bayerns Assistenztrainer Aaron Danks am Seitenrand So musste Danks die Halbzeitansprache in diesem so fordernden Spiel übernehmen und er entschied sich auch für einen Wechsel: Konrad Laimer ersetzte Davies, der zum ersten Mal in dieser Saison in einem Champions-League-Spiel in der Startelf gestanden hatte.
Doppelschlag von PSG
Der Wechsel sollte wohl mehr Stabilität in der Abwehr bringen, aber das Gegenteil trat ein. Hakimi hatte auf rechts viel zu viel Platz, spielte den Ball flach in den Strafraum. Mit etwas Glück landete er am zweiten Pfosten bei Kvaratskhelia, der ins linke Eck traf. Nur zwei Minuten später erhöhte Dembélé auf 5:2, indem er nach einem Haken Dayot Upamecano tunnelte und zentimetergenau an den linken Innenpfosten schoss.
Bayerns Trainer Vincent Kompany auf der Tribüne
Doppelschlag von Bayern München
Jetzt sah es nach einem Debakel aus, aber die Bayern hatten eine Antwort parat. Upamecano streichelte am zweiten Pfosten eine scharfe Freistoßflanke von Joshua Kimmich mit dem Kopf ins Tor. Wieder nur wenige Minuten später brillierte Diaz, er nahm einen weiten Pass von Kane perfekt volley mit der Außenseite an, wackelte Marquinhos aus und vollendete stark - ein Traumtor.
Mayulu trifft Lattenkreuz
Anschließend verlor die Partie ein wenig von ihrem irren Tempo. In der 87. Minute hatten die Bayern noch einmal Glück, dass der eingewechselte Senny Mayulu aus spitzem Winkel nur das Lattenkreuz traf. Die Münchner gingen in der Schlussphase nicht mehr volles Risiko, um ihre Chancen im Rückspiel zu wahren. "Wir wissen, dass wir zu Hause spielen und da alles in der Hand haben", sagte Neuer. "Es ist noch alles drin, wir haben wirklich Moral bewiesen, sind gut zurückgekommen." Weiterhin haben die Bayern das Triple vor Augen. Die deutsche Meisterschaft ist schon sicher, im DFB-Pokalfinale wartet der VfB Stuttgart und das Champions-League-Endspiel am 30. Mai in Budapest ist in Reichweite.
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