Nach der Angriffsserie vom Wochenende scheint sich die Lage in Mali vorerst stabilisiert zu haben. Doch die Attacken zeigen, dass sich der Kampf in Mali verändert. Das hat offenbar nicht nur die Militärjunta überrascht.
Mali wird seit Jahren von Gewalt erschüttert. Doch die jüngsten Angriffe vom Wochenende haben eine neue Qualität - es war der größte koordinierte Angriff, den Mali seit 2012 erlebt hat. Darauf weist auch Ulf Laessing hin, Leiter des Sahel-Programms der Konrad-Adenauer-Stiftung: "Zum ersten Mal haben Dschihadisten und Tuareg-Rebellen zusammengearbeitet, mit dem Versuch, das Regime zu Fall zu bringen." Die Angriffe seien in verschiedenen Städten des Landes koordiniert worden. Es seien auch andere Waffen als sonst üblich eingesetzt worden, wie etwa Drohnen.
Eine neue Allianz
Zwei Organisationen haben sich mittlerweile zu gemeinsamen Angriffen bekannt: die Dschihadistenmiliz Jama'at Nusrat al-Islam wa-l-Muslimin, kurz JNIM, und die Rebellenallianz FLA, die von dem Volk der Tuareg dominiert wird. Dabei bekämpfen sich die beiden Gruppen eigentlich gegenseitig. Nun scheint sie das Ziel zu vereinen, die Regierung in Mali zu stürzen. JNIM hat zuletzt in Westafrika an Macht gewonnen. Sie besteht seit 2017, ist der westafrikanische Zweig der Terrororganisation Al Kaida und will ein Kalifat einrichten. Ihr sollen bis zu 7.000 Kämpfer angehören, die vor allem in Mali, aber auch in den Nachbarländern Burkina Faso und Niger aktiv sind. Der Al-Kaida-Ableger hat aber auch in Benin, Togo, der Elfenbeinküste und Nigeria Fuß fassen können.
Malis Verteidigungsminister getötet
In einer Mitteilung bekannte sich JNIM zu den Angriffen auf einen Militärstützpunkt in der Stadt Kati, in Kidal im Norden, auf den Flughafen der Hauptstadt Bamako sowie in weiteren nördlich gelegenen Orten. Darunter waren auch Angriffe auf die Wohnhäuser des malischen Militärjunta-Chefs Assimi Goita und des Verteidigungsministers Sadio Camara. Camara wurde dabei getötet, das hat die malische Regierung mittlerweile bestätigt. Demnach wurde Camaras Wohnsitz von einem Selbstmordattentäter sowie weiteren Kämpfern angegriffen. Dabei sei auch eine Autobombe detoniert. Die Stadt Kidal, behaupten die Rebellen inzwischen, sei ganz in ihre Hand gefallen.
Malis Regime geschwächt
Auf der anderen Seite steht die malische Armee. Sie untersteht der Militärregierung, die sich 2020 und noch einmal 2021 an die Macht geputscht hatte. Die Militärs hatten damals versprochen, die Sicherheitslage in Mali verbessern. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Lage in Mali hat sich noch weiter verschlechtert. Dschihadisten und Tuareg-Rebellen spüren offenbar, dass das Regime schwach ist. Ende 2025 hatte JNIM bereits das Land mit einer Treibstoffblockade lahmgelegt. Die jüngsten Angriffe sind nun ein weiterer Versuch, die Regierung zu schwächen. Beobachter bezweifeln allerdings, dass das gelingen wird. Denn die Gotteskrieger haben nicht genug Kämpfer, um eine Großstadt wie Bamako zu kontrollieren.
Auch russische Söldner überrumpelt
Im Kampf gegen Terrormilizen wird die malische Armee unterstützt von der russischen paramilitärischen Einheit "Afrika Corps", der Nachfolgerin der ehemaligen Wagner-Gruppe. Es sei interessant zu sehen, dass sie am Wochenende kaum etwas ausrichten konnten, sagt Laessing: "Die Russen hatten überhaupt keine Vorinformationen, waren auch nicht richtig sichtbar. Derzeit haben sie sich auch aus dem Norden zurückgezogen. Für Russland ist das eine ganz klare Niederlage."
Die Militärregierung in Mali hatte sich Russland zugewandt, nachdem sie die Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und anderen westlichen Ländern abgebrochen hatte. Nach den schweren Angriffen am Wochenende ist es nun wieder etwas ruhiger in der Hauptstadt Bamako und anderen Teilen des Landes. Doch die Attacken vom Wochenende haben die Junta geschwächt - und die Ruhe könnte sich als trügerisch herausstellen.
Комментарии (0)