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Beschäftigte profitieren nicht vom Aufschwung

Beschäftigte profitieren nicht vom Aufschwung
Die Konjunkturaussichten sind so gut wie lange nicht. Trotzdem werden Mitarbeiter im großen Stil entlassen. Und das hat nicht nur mit KI zu tun. 

Es mehren sich die Anzeichen, dass es mit der Konjunktur wieder aufwärts geht. In vielen Industriebetrieben wird wieder mehr produziert. Die Auftragsbücher sind voll. "Und wir werden in den kommenden Monaten noch mehr sehen, dass die Milliarden aus dem Sondervermögen für Rüstung und für Infrastruktur die Wirtschaft erreichen werden", sagt Carsten Brzeski von der ING. Für den Ökonomen sind das Gründe, wieder optimistischer zu werden.

Mitarbeiter werden entlassen - obwohl die Konjunktur besser läuft

Für Beschäftigte sieht die Lage jedoch anders aus. Viele Unternehmen sind dabei, Mitarbeiter im großen Stil zu entlassen. Die Wissenschaftler beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben herausgefunden, dass allein im verarbeitenden Gewerbe monatlich etwa 15.000 sozialversicherungspflichtige Jobs wegfallen. "Die Perspektive auf einen Abbau der Arbeitslosigkeit ist derzeit verlorengegangen", so Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen am IAB.
Auch das Münchener ifo-Institut meldet, dass Firmen wieder häufiger planen, Stellen zu streichen. "Die Zurückhaltung am Arbeitsmarkt nimmt wieder zu", berichtet Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. "Viele Unternehmen planen mehr Personal zu entlassen, statt neue Stellen zu schaffen." Besonders dramatisch sei die Lage in der Automobilbranche und im Maschinenbau.

Erneuerungskrise in Deutschland

Die Gründe sind vielfältig. Von einer Erneuerungskrise ist die Rede. "Technologisch und Know-how mäßig hängen wir in Deutschland nicht hinterher", sagt Constantin Gall von der Beratungsgesellschaft EY im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. "Wir sind einfach nicht wettbewerbsfähig, was die Kosten angeht."
Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich die äußeren Rahmenbedingungen verändern. Neue Konkurrenten drängen auf den Markt. Neue Techniken und Technologien eröffnen Möglichkeiten, die vor ein paar Jahren noch undenkbar schienen.

Drastische Folgen für die Beschäftigten

Die Firmen reagieren, stellen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand, schließen Standorte oder verkaufen Tochtergesellschaften. Das kann zur Folge haben, dass Mitarbeiter, die jahrelang gute Arbeit geleistet haben, auf einmal nicht mehr gebraucht werden.
Andreas Scheuerle von der DekaBank spricht davon, dass Bildungs- und Erwerbsbiografien im großen Stil entwertet werden. "Qualifikationen, die früher wichtig waren, sind heute nicht mehr so viel wert. Und dann trennt man sich eben von denen, die nicht umgeschult werden können." Die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) beschleunigen solche Prozesse.

KI besonders bei Routinetätigkeiten eingesetzt

Das Besondere an der jetzigen Situation ist, dass die Veränderungen quer durch alle Branchen gehen. Inzwischen sind von der Automatisierungswelle auch Bereiche betroffen, die bislang verschont geblieben waren. Bürotätigkeiten gehören dazu, auch Arbeiten im Finanzwesen, in der Verwaltung und in der Wissenschaft.
Arbeitsmarktforscherin Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability bringt das gegenüber der ARD Finanzredaktion so auf den Punkt: "Immer dann, wenn sie Routinetätigkeiten haben, wenn es ganz bestimmte gleichförmige Abläufe gibt, kann man Künstliche Intelligenz einsetzen. Auch wenn große Datenmengen verarbeitet werden sollen und man versucht, Muster zu erkennen, ist die Zukunft und auch schon die Gegenwart von Künstlicher Intelligenz."

Wie KI die Arbeitswelt verändert

Die neuen Techniken bringen gleichzeitig Vorteile: Es werden Freiräume geschaffen. Wenn beispielsweise Dokumentationspflichten automatisiert im Hintergrund ablaufen, bleibt mehr Zeit für das Wesentliche im Job - etwa für Kundengespräche. Für Pero Micic von der FutureManagementGroup bedeutet das mehr Effizienz und größere Produktivität.
Er und sein Team arbeiten gemeinsam mit Unternehmen an Strategien, wie die betroffenen Firmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein und bleiben können. Micic glaubt auch, dass durch diese Veränderungen neue Jobs enstehen. "Aber in der Menge sind es zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit nicht mehr so viele wie wegfallen durch Digitalisierung und KI."
Das Rad zurückdrehen wird nicht mehr möglich sein, glaubt Arbeitsmarktforscherin Rump. Denn Digitalisierung und KI haben schon weltweit Raum ergriffen. "Aber wir können versuchen zu schauen, was sind die Dinge, die uns nach vorne bringen. Und an welcher Stelle sagen wir Nein, weil wir Risiken und Gefahren sehen oder weil wir denken, das passt jetzt nicht." Solche Entscheidungen müssen nicht nur Unternehmer treffen, sondern jeder Einzelne.

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