Bahnchefin Palla beruft Sicherheitsgipfel ein
Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters lädt Bahnchefin Palla zu einem Sicherheitsgipfel. Die Verkehrsminister der Länder kündigten ebenfalls an, über mehr Schutz für Mitarbeiter im Nahverkehr zu beraten.
Nach dem tödlichen Angriff auf den Zugbegleiter Serkan C. in Rheinland-Pfalz will Bahnchefin Evelyn Palla zu einem Sicherheitsgipfel in den nächsten Tagen einladen. Es sei wichtig, jetzt alle Entscheidungsträger, die für die Sicherheit im Bahnverkehr verantwortlich seien, an einen Tisch zu holen, sagte sie in Berlin. "Einladen werden wir die Länder, die Aufgabenträger für den Regionalverkehr, Vertreter der Bundespolitik, Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, die Gewerkschaften, die Bundespolizei und natürlich auch andere Vertreter der Bahnbranche."
Wann genau das Treffen stattfinden soll, ist bisher nicht bekannt. Besprochen werden sollen konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit. "Wir sprechen hier von einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen", sagte Palla mit Blick auf den Angriff. "Denn das Aggressivitätslevel und auch die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft insbesondere im öffentlichen Raum, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht." Dieses Thema müsse gesamtgesellschaftlich angegangen werden. "Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft jetzt zusammenstehen."
Geplant seien die Beratungen am 25. und 26. März in Lindau am Bodensee, sagte eine Sprecherin des bayerischen Verkehrsministeriums. Die Infrastrukturministerin von Sachsen-Anhalt, Lydia Hüskens (FDP), sagte laut Mitteilung, es müssten alle Mittel ergriffen werden, um der Gewalt in Zügen Einhalt zu gebieten: "Mehr Sicherheitspersonal in den Zügen, Schulungen, technische Vorkehrungen wie Bodycams, zügige Rechtsprechung sind nur einige davon."
Angriffe gegen Bahnbeschäftigte
Die Deutsche Bahn zählte im vergangenen Jahr mehr als 3.000 Angriffe auf ihr Personal. Das seien etwa acht pro Tag, teilte ein Sprecher des Konzerns mit. Demnach komme es bei Fahrkartenkontrollen, bei der Durchsetzung des Hausrechts sowie am Rande von Volksfesten, Großveranstaltungen und Fußballspielen immer wieder zu verbalen und tätlichen Übergriffen.
Angaben des Bundesinnenministeriums ermöglichen eine genauere Zuordnung: Im Jahr 2025 registrierte die Bundespolizei unter anderem 2.689 Gewaltdelikte gegen Beschäftigte der Bahn. Im Jahr 2024 lag die Zahl noch bei 2.412 Gewaltdelikten.
Für Januar bis Oktober 2025 finden sich zudem Angaben, die nach den drei häufigsten Straftaten aufgeschlüsselt wurden: In diesem Zeitraum erfasste die Bundespolizei 1.555 Körperverletzungen, darunter 324 gefährliche Körperverletzungen. Zudem wurden 1.148 Fälle registriert, in denen Beschäftigte bedroht wurden. In der Erfassung erfolgte keine weitere Klassifizierung der Tatzeit, daher können auch Fälle außerhalb des Dienstes sowie auf dem Weg zum oder vom Dienst enthalten sein.
Die Hälfte der Angriffe betrifft laut dem Bahnsprecher das Zugpersonal im Regionalverkehr. Auf Sicherheitskräfte entfällt gut ein Drittel. Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof werden Opfer von Angriffen.
Ähnlich äußerte sich Andreas Roßkopf von der Gewerkschaft der Polizei (GdP): Das Verbrechen sei "wieder Mal ein Weckruf und es ist Zeit, dass die Verantwortlichen aus Politik aber auch aus den Behörden endlich nicht nur Lippenbekenntnisse zeigen, sondern handeln." Konkret fordert er: 3.500 weitere Bundespolizisten, mehr präventive Streifen an Bahnhöfen und die automatisierte Auswertung von Videobildern.
Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, fordert, die geplante Reform des Bundespolizeigesetz zu beschleunigen. Der Gesetzentwurf dazu wird bereits im Bundestag beraten und sieht unter anderem weitreichendere Befugnisse für Polizeikontrollen in Bahnhöfen vor.
Bodycams sind kleine Videokameras, die an der Uniform getragen werden und die nur eingeschaltet werden, wenn eine Situation das verlangt. Seit acht Jahren nutzt die DB-Sicherheit die Kameras. Seit zwei Jahren können auch Zugbegleiter in Regionalzügen sie freiwillig nutzen. Allerdings gibt es hier datenschutzrechtliche Bedenken.
Serkan C. habe nur seine Arbeit gemacht. "Er war ein Freund, er war ein Nachbar, er war ein Kollege, er war ein Ludwigshafener", so Schweitzer. Er sei auch Vater von Kindern gewesen. "Ich stehe vor Ihnen als Landesvater, aber ich bin auch Vater von Kindern. Und niemand kann sich wirklich vorstellen, was uns jetzt in der Familie begegnet an Trauer, an Verständnislosigkeit, auch an Wut."
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach der Familie des Opfers sein Mitgefühl aus. "Ich kann nur erahnen, welchen Schmerz dieser furchtbare Verlust in Ihrem Leben ausgelöst hat. Ich fühle mit Ihnen", heißt es in dem Brief. Der Bundespräsident schrieb weiter: "Es vermag Ihre Trauer nicht zu mindern, und dennoch ist es mir wichtig, Ihnen zu versichern, dass Sie in dieser Situation nicht allein sind, sondern zahllose Menschen in Ludwigshafen und ganz Deutschland mit Ihnen trauern."
Mit Informationen von Philipp Eckstein, ARD Hauptstadtstudio.
Nach dem tödlichen Angriff auf den Zugbegleiter Serkan C. in Rheinland-Pfalz will Bahnchefin Evelyn Palla zu einem Sicherheitsgipfel in den nächsten Tagen einladen. Es sei wichtig, jetzt alle Entscheidungsträger, die für die Sicherheit im Bahnverkehr verantwortlich seien, an einen Tisch zu holen, sagte sie in Berlin. "Einladen werden wir die Länder, die Aufgabenträger für den Regionalverkehr, Vertreter der Bundespolitik, Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, die Gewerkschaften, die Bundespolizei und natürlich auch andere Vertreter der Bahnbranche."
Wann genau das Treffen stattfinden soll, ist bisher nicht bekannt. Besprochen werden sollen konkrete Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit. "Wir sprechen hier von einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen", sagte Palla mit Blick auf den Angriff. "Denn das Aggressivitätslevel und auch die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft insbesondere im öffentlichen Raum, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht." Dieses Thema müsse gesamtgesellschaftlich angegangen werden. "Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft jetzt zusammenstehen."
Verkehrsminister berufen ebenfalls Gipfel ein
Die Verkehrsminister der Länder kündigten ebenfalls an, über mehr Schutz für Mitarbeiter im Nahverkehr beraten. Das kündigte der Vorsitzende der Ministerkonferenz, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), in einer Mitteilung an: "Als Gesellschaft können wir das nicht hinnehmen und müssen ein starkes Zeichen der Solidarität senden."Geplant seien die Beratungen am 25. und 26. März in Lindau am Bodensee, sagte eine Sprecherin des bayerischen Verkehrsministeriums. Die Infrastrukturministerin von Sachsen-Anhalt, Lydia Hüskens (FDP), sagte laut Mitteilung, es müssten alle Mittel ergriffen werden, um der Gewalt in Zügen Einhalt zu gebieten: "Mehr Sicherheitspersonal in den Zügen, Schulungen, technische Vorkehrungen wie Bodycams, zügige Rechtsprechung sind nur einige davon."
Angriffe gegen Bahnbeschäftigte
Die Deutsche Bahn zählte im vergangenen Jahr mehr als 3.000 Angriffe auf ihr Personal. Das seien etwa acht pro Tag, teilte ein Sprecher des Konzerns mit. Demnach komme es bei Fahrkartenkontrollen, bei der Durchsetzung des Hausrechts sowie am Rande von Volksfesten, Großveranstaltungen und Fußballspielen immer wieder zu verbalen und tätlichen Übergriffen.
Angaben des Bundesinnenministeriums ermöglichen eine genauere Zuordnung: Im Jahr 2025 registrierte die Bundespolizei unter anderem 2.689 Gewaltdelikte gegen Beschäftigte der Bahn. Im Jahr 2024 lag die Zahl noch bei 2.412 Gewaltdelikten.
Für Januar bis Oktober 2025 finden sich zudem Angaben, die nach den drei häufigsten Straftaten aufgeschlüsselt wurden: In diesem Zeitraum erfasste die Bundespolizei 1.555 Körperverletzungen, darunter 324 gefährliche Körperverletzungen. Zudem wurden 1.148 Fälle registriert, in denen Beschäftigte bedroht wurden. In der Erfassung erfolgte keine weitere Klassifizierung der Tatzeit, daher können auch Fälle außerhalb des Dienstes sowie auf dem Weg zum oder vom Dienst enthalten sein.
Die Hälfte der Angriffe betrifft laut dem Bahnsprecher das Zugpersonal im Regionalverkehr. Auf Sicherheitskräfte entfällt gut ein Drittel. Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof werden Opfer von Angriffen.
Diskussion über technische Ausrüstung und Personalstärke
Der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert, hatte nach dem tödlichen Angriff von den Ländern vor allem Geld für eine Doppelbesetzung in Regionalzügen gefordert - damit nicht ein Mitarbeiter allein im Zug unterwegs sein muss. "Dafür sind die Länder verantwortlich", sagte Burkert. "Die müssen einfach eine Doppelbesetzung bezahlen."Ähnlich äußerte sich Andreas Roßkopf von der Gewerkschaft der Polizei (GdP): Das Verbrechen sei "wieder Mal ein Weckruf und es ist Zeit, dass die Verantwortlichen aus Politik aber auch aus den Behörden endlich nicht nur Lippenbekenntnisse zeigen, sondern handeln." Konkret fordert er: 3.500 weitere Bundespolizisten, mehr präventive Streifen an Bahnhöfen und die automatisierte Auswertung von Videobildern.
Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, fordert, die geplante Reform des Bundespolizeigesetz zu beschleunigen. Der Gesetzentwurf dazu wird bereits im Bundestag beraten und sieht unter anderem weitreichendere Befugnisse für Polizeikontrollen in Bahnhöfen vor.
Schnieder sieht offene Fragen
Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sah bei einem Besuch der Einsatzstelle des getöteten Bahnmitarbeiters in Mannheim viele offene Fragen: "Muss ein Mitarbeiter alleine im Zug unterwegs sein oder können das mehrere sein? Wie sieht das mit Sicherheitspersonal aus? Wie sieht das mit technischen Ausrüstungen aus? Bodycams, auch Tonaufnahmen."Bodycams sind kleine Videokameras, die an der Uniform getragen werden und die nur eingeschaltet werden, wenn eine Situation das verlangt. Seit acht Jahren nutzt die DB-Sicherheit die Kameras. Seit zwei Jahren können auch Zugbegleiter in Regionalzügen sie freiwillig nutzen. Allerdings gibt es hier datenschutzrechtliche Bedenken.
Gedenkveranstaltung für getöteten Zugbegleiter
Bei einer Gedenkveranstaltung für den getöteten Zugbegleiter hat der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) einen respektvolleren Umgang in der Gesellschaft und mehr Zivilcourage gefordert. "Es ist nicht diese Tat, mit der es angefangen hat", sagte er beim Totengebet für Serkan C. vor mehr als 1.000 Menschen in Ludwigshafen. "Es fängt an mit der Beleidigung."Serkan C. habe nur seine Arbeit gemacht. "Er war ein Freund, er war ein Nachbar, er war ein Kollege, er war ein Ludwigshafener", so Schweitzer. Er sei auch Vater von Kindern gewesen. "Ich stehe vor Ihnen als Landesvater, aber ich bin auch Vater von Kindern. Und niemand kann sich wirklich vorstellen, was uns jetzt in der Familie begegnet an Trauer, an Verständnislosigkeit, auch an Wut."
Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach der Familie des Opfers sein Mitgefühl aus. "Ich kann nur erahnen, welchen Schmerz dieser furchtbare Verlust in Ihrem Leben ausgelöst hat. Ich fühle mit Ihnen", heißt es in dem Brief. Der Bundespräsident schrieb weiter: "Es vermag Ihre Trauer nicht zu mindern, und dennoch ist es mir wichtig, Ihnen zu versichern, dass Sie in dieser Situation nicht allein sind, sondern zahllose Menschen in Ludwigshafen und ganz Deutschland mit Ihnen trauern."
Mit Informationen von Philipp Eckstein, ARD Hauptstadtstudio.
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