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"Zeitzeugen zuhören, solange es noch möglich ist"

"Zeitzeugen zuhören, solange es noch möglich ist"
In einer bewegenden Rede hat die Holocaust-Überlebende Tova Friedman im Bundestag von ihrem Leben und Überleben im Konzentrationslager Auschwitz berichtet. Und warnte vor dem weltweit wieder aufflammenden Antisemitismus. 

In seiner traditionellen Gedenkstunde hat der Bundestag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Als Gedenkrednerin sprach die Holocaust-Überlebende Tova Friedman zu den Abgeordneten. Die 1938 in Gdingen bei Danzig geborene Jüdin überlebte als Kind das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
In ihrer sehr bewegenden Rede forderte Friedman auf, den Zeitzeugen des Nationalsozialismus zuzuhören, solange dies noch möglich sei. Sie sei das Kind, "vor dem Hitler Angst hatte", sagte sie. Dessen Devise sei es gewesen, keine Zeugen der Verbrechen zu haben. "Ich bin Ihre Zeugin", sagte Friedman vor den Spitzen der Verfassungsorgane, Abgeordneten und vielen Besuchern auf der Tribüne des Parlaments. Sie wolle eine Wahrheit teilen, "die schmerzlich, aber wesentlich ist".

Ihre Mutter flüsterte ihr zu: "Erinnere dich!"

Friedman erinnerte eindrücklich an ihr Leben als Kind im Konzentrationslager Auschwitz, in das sie als Fünfjährige deportiert wurde. Ihre Mutter und sie überlebten Auschwitz, das größte Konzentrationslager der Nazis mit mehr als einer Million ermordeten Menschen. "Als wir Auschwitz verließen, Hand in Hand gehend, flüsterte sie mir zu: 'Erinnere dich.' Seither habe ich mich jeden Tag erinnert."
Mit ihrem Enkel Aron Goodman betreibt Friedman einen TikTok-Kanal, auf dem sie in kurzen Videos die Erinnerung an die Shoah bei Jugendlichen wachhält.

"Antisemitismus ist nicht verschwunden, er hat sich angepasst"

Friedman betonte die Dringlichkeit, sich gegen den weltweit wieder aufflammenden Antisemitismus zu stellen. Die Juden müssten erneut als Sündenböcke für das herhalten, woran die Gesellschaft krankt. "Der Antisemitismus ist nicht verschwunden, er hat sich angepasst", sagte die 87-Jährige.
Antisemitismus verberge sich jetzt häufig hinter einer antizionistischen Sprache und verbreite sich schnell über soziale Medien. So finde er auch in Kreisen Zustimmung, die eigentlich für kritisches Denken und moralische Klarheit stehen sollten. Friedman zitierte den britischen Rabbiner und Philosophen Jonathan Sacks: "Um ein Land zu verteidigen, braucht man eine Armee. Um die Zivilisation zu verteidigen, braucht man Bildung".

Klöckner: Antisemitismus "nie gleichgültig gegenüberstehen"

Die Gedenkstunde war zuvor von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner eröffnet worden. In ihrer Begrüßung warnte sie davor, gegenüber antisemitischen Taten und Worten gleichgültig zu werden. "Für Jüdinnen und Juden ist es auch in unserem Land gefährlicher geworden", sagte sie. "Sie werden angegriffen, weil sie Juden sind."
Deutsche dürften dem Antisemitismus "nie gleichgültig gegenüberstehen", mahnte die Bundestagspräsidentin. Wenn Häuser oder Geschäfte von Jüdinnen und Juden gekennzeichnet und jüdische Menschen "ausgeschlossen, angegangen und angegriffen" würden, dürfe man nicht "mit den Schultern zucken". Die Ausgrenzung jüdischen Lebens widerspreche "dem Wesen unseres Landes", fügte Klöckner hinzu.
Zwischen den Redebeiträgen wurden Musikstücke von Komponisten aufgeführt, die selbst Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Die Gedenkstunde findet jährlich rund um den 27. Januar statt, den Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1945.

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