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Landwirte sehen sich als "Bauernopfer" von Mercosur

Landwirte sehen sich als "Bauernopfer" von Mercosur
Mit ohrenbetäubendem Hupen verschafften sich die Bauern Gehör: Vor dem EU-Parlament in Straßburg haben Tausende gegen das Mercosur-Abkommen der EU protestiert. Die Ablehnung ist groß: "Es reicht", hieß es auf der Demo. 

Hunderte von Traktoren ziehen vor dem Europäischen Parlament in Straßburg vorbei. Mehrere Tausend europäische Landwirte jubeln den zumeist ostfranzösischen Bauern auf den Traktoren zu. David aus dem Département Meuse in Nordostfrankreich ist hier, weil er gegen das Mercosur-Abkommen ist und seine Unzufriedenheit ausdrücken möchte. "Wir opfern die französische Landwirtschaft, um die deutsche Industrie zu retten." Er lacht noch, aber mit Europa sei es nicht mehr weit her, meint David.
Neben ihm stehen Hunderte von Italienern mit gelben Jacken und Mützen von der Agrar-Gewerkschaft Coldiretti. Auch Mauro Biancho aus der Region Piemont sagt: "Wir sind mit so vielen Leuten hier, weil wir den Mercosur-Vertrag ablehnen." Auf einem Plakat der Italiener sind Ursula von der Leyen und Friedrich Merz zusammen zu sehen. Unter den Konterfeis des Bundeskanzlers und der EU-Kommissionspräsidentin steht auf Deutsch: "Ursula über alles". Direkt daneben lassen die Italiener ein Banner mit Gas gefüllten Ballons aufsteigen. "Von der Leyen - go home" ist darauf zu lesen.
Das EU-Mercosur-Abkommen
Zum Staatenbund Mercosur - "Mercado Común del Sur", "gemeinsamer Markt des Südens" - gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Venezuela und Bolivien. Die Mitgliedschaft von Venezuela ist seit 2017 suspendiert. Bolivien ist zunächst nicht Teil des Mercosur-Abkommens mit der EU.

Das vereinbarte Mercosur-Abkommen zwischen Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und den europäischen Mitgliedstaaten soll laut Europäischer Union einen gemeinsamen Markt für mehr als 700 Millionen Menschen schaffen und dafür sorgen, dass Zölle entfallen.

Die Mercosur-Staaten erhoffen sich davon unter anderem einen stärkeren Export etwa von Rindfleisch und Landwirtschaftsprodukten, für europäische Staaten könnte das Abkommen den Export von Autos und Maschinen, aber auch von Käse und Wein ankurbeln.

Nur wenige deutsche Bauern

Die deutschen Bauern sind auf der Demonstration vor dem Europaparlament in Straßburg eher kleinlaut und nur mit kleinen Gruppen vertreten. Einige Bayern und Franken sind angereist. Thomas Huschler aus Achern vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) klingt im Vergleich zu den italienischen und französischen Bauern zurückhaltend: "Ich habe generell kein Problem mit Freihandel. Das tragen wir als Landwirte mit. Mercosur hat aber die Handschrift, dass wir Landwirte das sprichwörtliche Bauernopfer sind."
Die Redner auf der Bühne bemühen sich, etwas Schwung in die Bauern-Demo zu bringen. Sie wechseln sich auf verschiedenen Sprachen ab, auf Englisch und sehr oft auf Französisch. Sie fordern die Europaabgeordneten im Gebäude gegenüber auf, das Mercosur-Abkommen an den Europäischen Gerichtshof zu verweisen. Aber vor allem haben sie die Nase voll von allem: "Stop, basta, es reicht!"

Mercosur für manche eher Nebensache

Den meisten Landwirten vor dem EU-Parlament ist kalt. Es gibt Bier, einige trinken Schnaps, um sich aufzuwärmen. Auch ein Mann au Polen ist dabei, 1.300 Kilometer habe er hinter sich.
Sylvia aus Belgien ist in Straßburg für ihre Söhne, damit sie eines Tages den gut laufenden Betrieb übernehmen können. Mercosur ist auch bei ihr eher Nebensache. Es geht vor allem darum, mal wieder für die Sache der Bauern zu demonstrieren: "Wir sind Europäer, wir leben die europäische Grenze jeden Tag mit Deutschland, Luxemburg und auch Belgien." Dennoch passiere zu wenig für die jungen Landwirte. "Es passiert einfach nichts mehr für uns."

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