< Werden die Kurden eingreifen? » Informationsagentur. "HAMSINF"

Werden die Kurden eingreifen?

Werden die Kurden eingreifen?
US-Medien berichten, die Trump-Regierung übe Druck auf Kurden im Nordirak aus, in den Krieg in Iran einzugreifen. Das Weiße Haus bestreitet das. Wie wahrscheinlich ist also ein solches Szenario? 

Es war der US-amerikanische Sender CNN, der zuerst von einer möglichen Geheimdienstoperation berichtete: Angeblich arbeite die CIA daran, kurdische Kräfte zu bewaffnen, mit dem Ziel, einen Volksaufstand in Iran anzuzetteln.
Chefreporterin Clarissa Ward erzählte von einem Gespräch mit einem iranisch-kurdischen Vertreter: "Er hat uns gesagt, dass iranisch-kurdische Oppositionskräfte sich auf eine Bodenoffensive vorbereiten in West-Iran in den nächsten Tagen. Und er sagte uns, dass sie amerikanische und israelische Unterstützung erwarten im Zuge der Operation."
Schon kurze Zeit später kam das Dementi der US-amerikanischen Seite. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, wies die Berichte als falsch zurück. Es habe aber Gespräche gegeben: US-Präsident Donald Trump habe mit kurdischen Führern bezüglich des US-Stützpunktes in Nordirak gesprochen, sagte Leavitt.

Druck auf die Kurden im Nordirak?

Ging es vielleicht um noch mehr in diesem Gespräch mit kurdischen Führern im Irak? Denn dort, in Irans Nachbarland, haben auch die wichtigsten iranisch-kurdischen Exil-Parteien ihren Sitz. Sie agieren von der Autonomen Kurdenregion aus, betreiben auch militärische Trainingscamps.
Nahost-Experte Daniel Gerlach berichtete in den tagesthemen, es habe erheblichen amerikanischen Druck auf die kurdische Führung im Nordirak gegeben, die iranisch-kurdischen Truppen einrücken zu lassen: "Wenn man sich anschaut, dass die Amerikaner in den letzten Tagen insbesondere in dieser Westregion des Landes, in den kurdischen Gebieten, sehr stark bombardiert haben und Ziele der Revolutionsgarde und der iranischen Streitkräfte angriffen haben, dann könnte es tatsächlich sein, dass man den Weg für einen solchen Vormarsch vorbereitet."
Ein mögliches Interesse der USA könnte sein, im Inneren Irans Unruhe zu stiften. Und das könnte durch einen solchen Schritt gelingen, so Gerlach: "Das würde Iran extrem fragmentieren, dann hätten wir so eine Bürgerkriegssituation." Ein Szenario, das offenbar auch das iranische Regime umtreibt. Immer wieder meldet Iran, auch kurdische Ziele im Irak anzugreifen.

Skeptisch aus Erfahrung

Unklar aber ist, ob die iranisch-kurdischen Gruppen überhaupt bereit wären, sich an einem Volksaufstand in Iran zu beteiligen, also einzumarschieren und das Regime zu bekämpfen.
Düzen Tekkal hat Zweifel. Die Menschenrechtaktivistin hat die Organisation HAWAR gegründet und steht in engem Austausch mit Kurden im Irak und in Iran: "Die Sorge der Kurden im Iran ist, und sie ist nicht unbegründet: Was, wenn wir wieder einmal, wie in der Geschichte der Kurden oftmals der Fall, als Kanonenfutter missbraucht und benutzt werden, wenn wir das Blutgeld zahlen müssen, ohne dass wir am Ende was davon haben?"
Tekkal erinnert daran, dass die Kurden von den USA zuletzt in Syrien im Stich gelassen wurden. Und zwar erst vor wenigen Wochen, als die Truppen der syrischen Zentralregierung in das bis dahin autonome Kurdengebiet Rojava vorrückten. Hilfe von den USA: Fehlanzeige.

Kurden allein überfordert?

Die iranischen Kurden dürften also vorsichtig sein, sich auf ausländische Unterstützung einzulassen, sagt auch der türkische Wissenschaftler Cagtay Balci vom Zentrum für Iran-Studien in Ankara. Der entscheidende Faktor seien US-amerikanische Bodentruppen.
Nur mit ihrer Hilfe könnten kurdische Truppen in den Iran eindringen: "Sie brauchen logistische Unterstützung. Derzeit ist ihre Kampfkraft sehr begrenzt und ihre Waffenkapazität sehr eingeschränkt. Es braucht ernsthafte Hilfe, um einen solchen Aufstand in Iran zu starten."

Zusage an den Außenminister?

Düzen Tekkal, die mit vielen Kurden in der Region im engen Austausch steht, widerspricht. Die Kurden seien seit jeher schon bewaffnet: "Das Einzige, was helfen würde, wäre ein No-Fly-Zone und dass man sie nicht im Stich lässt."
Eine No-Fly-Zone wäre ein durch die USA abgesicherter Luftraum. Für Tekkal steht fest: Die Kurden seien ein wichtiger Teil der Demokratisierungsbewegung in Iran. Ob es aber zu einem Einsatz ihrer Bodentruppen aus dem Irak kommen werde, sei ungewiss.
Die irakisch-kurdische Regionalregierung hat kein Interesse daran, ihre bisherigen Beziehungen zum iranischen Regime aufs Spiel zu setzen. Berichten zufolge soll einer ihrer Anführer dem iranischen Außenminister Abbas Aragdschi zugesagt haben, keine Kräfte in Richtung Iran zu lassen und sich nicht an den regionalen Spannungen zu beteiligen.

Комментарии (0)

Оставить комментарий