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Wie grün wird das Superwahljahr?

Wie grün wird das Superwahljahr?
Vom Haustürwahlkampf in Berlin bis zum Machtpoker im Südwesten: Die Grünen suchen im Wahljahr 2026 dringend nach mehr Sichtbarkeit - und nach einer Strategie, die wieder Wähler überzeugt. 

Die grünen Beutel und Flyer verschwinden fast im Nebel, als sich die Ortsgruppe Friedenau aufmacht zu ihrer ersten Haustüraktion 2026. Es ist Wahljahr für die Berliner Grünen. Und ihr Ziel, längst nicht nur in der Hauptstadt, ist klar: nicht mehr so unsichtbar sein als Oppositionskraft und in den Umfragen wieder Höchstwerte erreichen.
"Ich bin von den Grünen hier aus Friedenau", sagt Christoph Störmer an einer Wohnungstür im ersten Stock eines Altbaus. "Ich wollte mich vorstellen und Ihnen ein frohes neues Jahr wünschen." Die meisten reagieren freundlich an der Tür, wollen über Fahrradwege oder U-Bahn-Probleme reden. Doch längst nicht überall fühlt es sich so sehr nach Heimspiel an für die Grünen.

Rausgehen und persönliche Gespräche führen

Aus der Partei hört man derzeit oft, dass alle mehr rausgehen und persönliche Gespräche führen sollen. Das gilt als wichtigstes Mittel gegen harte Kritik bis hin zu Wut, die den Grünen oft im Netz oder auf Dörfern im Osten entgegenschlägt. "Mit weniger Hass gehen, als man gekommen ist", das sei das Minimalziel solcher Aktionen, heißt es aus Parteikreisen.
Doch welche Themen und Forderungen sollen die Grünen bei solchen Gesprächen in den Mittelpunkt stellen? Seit Monaten setzt die Partei stärker auf bezahlbares Leben als wichtigsten Schwerpunkt - und will damit das Image abschütteln von der Besserverdiener-Partei für alle, die sich Öko-Lebensmittel und E-Autos leisten können.

Miete, Deutschlandticket, Außenpolitik

In den heutigen Beschlüssen der Bundestags-Fraktionsspitze findet sich genau das wieder. Gegen steigende Mieten und zu wenig Wohnraum soll die Umnutzung von leeren oder "nur teilweise genutzten Gebäuden wie Büroflächen, Einzelhandelsimmobilien, ehemaligen Kaufhäusern" helfen. Ebenso fordert die Fraktion, dass der Preis fürs Deutschlandticket sinkt. Damit wollen die Grünen auch jene Wähler zurückholen, die zuletzt zu den Linken gewandert waren.
Doch spürbar ist auch: Die Grünen müssen sich außenpolitisch sichtbarer aufstellen. Sie tun dies mit einem klaren Anti-Trump-Kurs, der von Kanzler Friedrich Merz mehr Härte fordert. Der Beschluss der Fraktion spricht gar von einer "europäischen Strategie der Gegenmacht".

Deutschland müsse sich unabhängiger machen von den USA - und Europa müsse neue Verbündete suchen, mahnt das Papier. "Wir erleben einen Bundeskanzler, der abtaucht und irgendwie hofft, dass alles wieder gut wird, wenn er nur beschwichtigt", sagt Fraktionschefin Katharina Dröge. "Menschlich kann ich das verstehen, aber außenpolitisch ist das die falsche Haltung." Ein klarer Anti-Trump-Kurs, der sich ständige Drohungen nicht bieten lässt - können die Grünen so wieder stärker bei den Wählern punkten?

Andere Strategie in Baden-Württemberg

Mit einem etwas zurückhaltenderen Wahlkampf, der eher auf Wirtschaft als Thema setzt, probiert es derzeit Cem Özdemir in Baden-Württemberg. Der grüne Spitzenkandidat will Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Amt nachfolgen, liegt aber in den Umfragen deutlich hinter der CDU. Auf Özdemirs Plakaten, die Mitte Januar vorgestellt wurden, muss man das grüne Logo mit der Lupe suchen. Das Motiv: Özdemir und immer wieder Özdemir vor einem fast schwarzen Hintergrund. Vertrauen, Vernunft, Erfahrung - das sind die Schlagworte.
Die grüne Strategie bis zu den Wahlen im Südwesten: bloß nicht zu sehr mit linken Vorschlägen auf den Putz hauen. Vor allem in den Debatten um die Erbschaftsteuer oder andere Maßnahmen für mehr Umverteilung halten sich Partei und Fraktionsspitze noch zurück. Ab dem Frühjahr soll es dann auffälligere, gewagtere Aktionen und Forderungen geben.

Bangen um Wiedereinzug

Im September geht es bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern darum, überhaupt wieder in die Landtage einzuziehen. Wenn die Grünen auch dort, wie schon in Thüringen und Brandenburg, keine Mandate erringen, ist die Partei im Osten nahe an der Bedeutungslosigkeit.
Auch deshalb schicken andere Landesverbände, die mehr Mitglieder haben, ihre Wahlkämpfer im Herbst in den Osten. Möglichst viele Menschen persönlich treffen - das geht eben nur, wenn überhaupt genug Grüne vor Ort sind. "Wir haben schon Teams zusammen, die nach Sachsen-Anhalt fahren und dann in den Orten Haustürwahlkampf, Stände und Plakatieren mitmachen", sagt Claudia Löber, Kreisvorsitzende in Tempelhof-Schöneberg.

"Das hat auch einen Sicherheitsaspekt, damit dort niemand allein Haustürwahlkampf machen muss", fügt Nils Richter hinzu, der an diesem Abend ebenfalls in der grünen Ortsgruppe unterwegs ist. Aktionen wie diese hier in dunklen, nebligen Seitenstraßen - sie dürften für Mitglieder in anderen Landesverbänden derzeit undenkbar sein.

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