Buchbranche empört über Weimer-Vorgehen
Der Eklat um den Buchhandlungspreis zieht weitere Kreise. Erst wurden drei Buchhandlungen ausgeschlossen, dann wurde die Verleihung abgesagt. Nun werfen die Absagemails Fragen auf. Es formiert sich immer breiterer Protest.
Eigentlich sollte es beim Deutschen Buchhandlungspreis um die Ehrung von inhabergeführten Buchläden gehen. 118 Buchhandlungen hat eine unabhängige Jury dafür als Preisträger ausgewählt. Offiziell vergeben wird der Preis vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos).
Doch wie Anfang März herauskam, hat Weimer drei linke Buchhandlungen in Berlin, Göttingen und Bremen von der Nominierten-Liste gestrichen, wegen "verfassungsschutz-relevanter Informationen". Die aber Weimer zufolge geheim sind, weil seine Behörde den Verfassungsschutz mit einbezogen hat. Die Buchhandlungen wissen also gar nicht, was ihnen überhaupt vorgeworfen wird.
Außerdem hat seine Kanzlei am Mittwoch eine Pressemitteilung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass Weimers Behörde in der Absage-Mail die Jury vorgeschoben habe. In dem Schreiben heißt es demnach: "Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie von der Unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt wurden."
Tatsächlich hat die Jury die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen aber nominiert. Eine Sprecherin des Kulturstaatsministers schreibt dazu auf ARD-Anfrage, es habe sich um eine standardisierte Absage gehandelt. Aus Gründen des Geheimschutzes habe es in den betreffenden drei Sonderfällen keine andere Handhabe gegeben.
"Es ist sehr schade, dass die Maßnahme von Herrn Weimer dem Buchhandlungspreis selbst schadet", sagt Jörg Robbert von der "Brencher Buchhandlung" in Kassel, die zu den Preisträgern gehört. Das Engagement aller Buchhandlungen werde dadurch entwertet, "dass jetzt der Verfassungsschutz mit am Tisch sitzt, wenn es darum geht, das Urteil einer unabhängigen Jury zu hinterfragen. Das ist eine Form von Gesinnungsschnüffelei, die an McCarthy erinnert".
Die Solidarität in der Branche ebbt derweil nicht ab. Viele Preisträger haben beschlossen, den ausgeschlossenen Buchhandlungen einen Teil ihres Preisgeldes zu spenden. Das liegt zwischen 7.000 Euro und 25.000 Euro.
Außerdem organisiert der Börsenverein alternativ zur abgesagten Verleihung auf der Leipziger Buchmesse einen Empfang an seinem Stand. Und der Hanser Verlag hat alle 118 ursprünglich nominierten Buchhandlungen zu einer Party eingeladen.
Eigentlich sollte es beim Deutschen Buchhandlungspreis um die Ehrung von inhabergeführten Buchläden gehen. 118 Buchhandlungen hat eine unabhängige Jury dafür als Preisträger ausgewählt. Offiziell vergeben wird der Preis vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos).
Doch wie Anfang März herauskam, hat Weimer drei linke Buchhandlungen in Berlin, Göttingen und Bremen von der Nominierten-Liste gestrichen, wegen "verfassungsschutz-relevanter Informationen". Die aber Weimer zufolge geheim sind, weil seine Behörde den Verfassungsschutz mit einbezogen hat. Die Buchhandlungen wissen also gar nicht, was ihnen überhaupt vorgeworfen wird.
Klage eingereicht
Sie haben am Dienstag Klage eingereicht, erklärt Jasper Prigge, der den Berliner "Buchladen zur schwankenden Weltkugel" vertritt. "Damit wollen wir feststellen, dass die Datenübermittlung zwischen dem Beauftragten für Kultur und Medien (also Weimer) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz rechtswidrig ist", sagt Prigge.Außerdem hat seine Kanzlei am Mittwoch eine Pressemitteilung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass Weimers Behörde in der Absage-Mail die Jury vorgeschoben habe. In dem Schreiben heißt es demnach: "Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie von der Unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt wurden."
Tatsächlich hat die Jury die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen aber nominiert. Eine Sprecherin des Kulturstaatsministers schreibt dazu auf ARD-Anfrage, es habe sich um eine standardisierte Absage gehandelt. Aus Gründen des Geheimschutzes habe es in den betreffenden drei Sonderfällen keine andere Handhabe gegeben.
"Gesinnungsschnüffelei, die an McCarthy erinnert"
Gegen das Vorgehen des Kulturstaatsministers formiert sich immer breiterer Protest. Buchhändler, Schriftsteller-Vereinigungen und Verbände sind schockiert. "Das Vorgehen ist eine Erschütterung der demokratischen Übereinkünfte, die wir bisher hatten. Plötzlich spricht der Verfassungsschutz bei der Vergabe von kulturellen Preisen und Stipendien mit", sagt Sebastian Guggolz vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels."Es ist sehr schade, dass die Maßnahme von Herrn Weimer dem Buchhandlungspreis selbst schadet", sagt Jörg Robbert von der "Brencher Buchhandlung" in Kassel, die zu den Preisträgern gehört. Das Engagement aller Buchhandlungen werde dadurch entwertet, "dass jetzt der Verfassungsschutz mit am Tisch sitzt, wenn es darum geht, das Urteil einer unabhängigen Jury zu hinterfragen. Das ist eine Form von Gesinnungsschnüffelei, die an McCarthy erinnert".
Reaktionen auch auf internationaler Ebene
Inzwischen fordert auch der Internationale Verlegerverband (IPA), die Entscheidung zu überprüfen. Drei Buchhandlungen ohne eine detaillierte Begründung auszuschließen, sei eine Enttäuschung für ein Land, das sich so stark für Meinungsfreiheit einsetze, so IPA-Präsidentin Gvantsa Jobava.Die Solidarität in der Branche ebbt derweil nicht ab. Viele Preisträger haben beschlossen, den ausgeschlossenen Buchhandlungen einen Teil ihres Preisgeldes zu spenden. Das liegt zwischen 7.000 Euro und 25.000 Euro.
Außerdem organisiert der Börsenverein alternativ zur abgesagten Verleihung auf der Leipziger Buchmesse einen Empfang an seinem Stand. Und der Hanser Verlag hat alle 118 ursprünglich nominierten Buchhandlungen zu einer Party eingeladen.
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