Nach Jahrzehnten der Kriege im Nahen Osten und Afghanistan hat sich der Fokus der US-Armee in Richtung Indopazifik verlagert. Die hierzu nötigen Fähigkeiten trainieren die Soldaten zum Beispiel im Dschungel von Hawaii.
Das Feuer von Maschinengewehren peitscht durch den Dschungel. "Attack!" brüllen die Soldaten an der Spitze und werfen sich in die Büsche. "Wie viele Angreifer?", will Janette Sanchez Flores wissen. Sie fällt die Entscheidungen, ist verantwortlich für ihr Team während der Übung. Ihre Einheit sollte eine Brücke einnehmen und ist dabei in einen Hinterhalt geraten. Das Feuergefecht dauert nur wenige Sekunden. Dann haben sich Freund und Feind in die dichten Sträucher zurückgezogen. Ein Problem im Dschungel: Der Feind ist gut getarnt. Aber auch der Urwald selbst sei eine Bedrohung, sagt die 24-Jährige. Dichte Vegetation, das feuchte Klima, steile, schlammige Abhänge - selbst moderne Militärtechnik komme hier an ihre Grenzen. Zum Teil ist das Blätterdach so dicht, das Gelände so unwegsam, dass eine Rettung per Hubschrauber ausgeschlossen ist, erklärt Ausbilder Staff Sergeant Michael Rankin. Selbst im Training sind die Soldatinnen und Soldaten unter Umständen vollkommen auf sich allein gestellt.
In unwegsamen Gelände wie im Urwald wäre eine Rettung per Hubschrauber häufig ausgeschlossen. Die Soldaten lernen daher, vollkommen auf sich alleine gestellt zu sein.
Dschungeltraining zur Machtsicherung
Die Spannungen im Indopazifik nehmen zu, das haben sie hier auf Hawaii immer im Hinterkopf. Es ist die 25. US-Infanteriedivision, die verschiedene Trainings für Soldatinnen und Soldaten durchführt. Gebildet wurde sie kurz vor dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor. Ihr Einsatz im Zweiten Weltkrieg brachte ihr laut US-Militär den Spitznamen "Tropic Lightning", "tropischer Blitz" ein. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem auf Taiwan. Die Sorge vor einem Angriff Chinas auf den US-Partner wächst. Ein Großteil der Insel ist dicht bewaldet. Im Südchinesischen Meer kommt es im Dauerkonflikt zwischen China und den Philippinen immer wieder zu Konfrontationen.
Verteidigung von Taiwan
Zur Verteidigung des Inselstaats im Falle eines Angriffs haben sich die USA per Vertrag verpflichtet. Auf Hawaii trainieren sie für solche Szenarien. Teilnehmen können Soldatinnen und Soldaten aus dem ganzen Land. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten trainiert das US-Militär jetzt aber auch wieder in Panama Soldaten für den Einsatz im Dschungel, die keiner Spezialeinheit angehören. Auch wenn das neue Programm laut offiziellen Regierungsangaben nicht gegen Staaten wie Venezuela gerichtet ist, sondern die Beziehung zu Panama stärken soll, so passt es doch zur Neuausrichtung der US-Sicherheitspolitik, Macht und Einfluss in der eigenen Nachbarschaft und nicht nur in einzelnen Ländern auszubauen.
Kampf gegen Drogenkartelle und Migration
In der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie beanspruchen die USA die so genannte "Westliche Hemisphäre" für sich - also Nord- und Lateinamerika. "Enlist" und "Expand" - neue Partner anwerben und an sich binden, so lautet die Strategie. Länder in Lateinamerika sollen Drogenkartelle zerschlagen und Migration einschränken. Gleichzeitig will die US-Regierung durch wirtschaftliche Anreize neue und alte Partner enger an sich binden, um so Länder wie China und Russland zu verdrängen. Dazu gehört aber auch: die US-Truppenpräsenz anzupassen. Im Kampf gegen Migration und Drogenschmuggeln sollen Seewege stärker kontrolliert und wenn nötig "tödliche Gewalt" gegen Drogenkartelle eingesetzt werden, so heißt es. Mit dem Vorwurf des "Drogenterrorismus" und "Verschwörung zum Kokainimport" begründet die US-Regierung auch den Angriff auf Venezuela und die Festnahme des Staatschefs Nicolás Maduro.
Im Dschungel gelten andere Regeln
Was US-Soldaten über Jahrzehnte im Einsatz in Wüsten oder Gebirgsregionen gelernt haben, helfe ihnen im Dschungel nur bedingt weiter, erklärt Ausbilder Michael Rankin. Der Dschungel gilt als schwierigstes Einsatzgebiet für Soldatinnen und Soldaten. "Man lernt den Guerilla-Krieg, unkonventionelle Kriegsführung, die man in anderen Kriegssituationen nicht so wirklich einsetzt." Der Dschungel von Hawaii eigne sich dafür perfekt, denn er hat einen Vorteil gegenüber den meisten anderen Regenwäldern: Auf Hawaii gebe es weder Raubtiere, noch gefährliche Spinnen oder Schlangen. Die einzige Sorge, die sich die Teilnehmer machen müssten: der Biss eines Hundertfüßers. Ansonsten könnten sie sich ganz auf ihr Training konzentrieren. Und das ist anstrengend genug.
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