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Rom geht gegen Raser vor

Rom geht gegen Raser vor
In Rom sind vergangenes Jahr mehr als drei Mal so viele Menschen im Straßenverkehr gestorben wie in Berlin. Nun soll Tempo 30 im historischen Zentrum Menschenleben schützen. Reicht das aus? 

Infernetto heißt der Stadtteil im Süden Roms, in dem Antonella Lascala mit ihrer Familie lebt. Übersetzt: kleine Hölle. Der Verkehr in dem Wohnviertel macht dem Namen alle Ehre. Auf den breiten Durchgangsstraßen wird viel zu schnell gefahren. Im Juni 2020 wurde Antonella Lascalas Sohn Mattia von einem Wagen auf einem Zebrastreifen erfasst und einige Meter mitgeschleift. Er starb noch am Unfallort. Der Grund des Unfalls war überhöhte Geschwindigkeit.
"Ich bin mir ganz sicher, weil ich es gesehen habe, dass das Auto nicht einmal im Ansatz gebremst hat", sagt Antonella Lascala. "Das ist jemand, der offenbar nicht weiß - und eigentlich auch keinen Führerschein haben sollte - dass man sich einem Zebrastreifen nur langsam nähern darf."
Dort, wo Mattia ums Leben kam, erinnert heute eine Parkbank an ihn. Wenn Antonella Lascala den Erinnerungsort besucht, hat sie Angst. Denn immer noch wird hier gerast. Und immer noch sterben Menschen in Rom wegen Raserei. 124 Menschen verloren im vergangenen Jahr im römischen Straßenverkehr ihr Leben. Zum Vergleich: In Berlin waren es laut der jüngsten Statistik 37 Todesopfer. In Rom besonders auffällig ist die hohe Zahl der getöteten Fußgänger. Im vergangenen Jahr waren es 60.

Mehr Symbolik als Problemlösung

"Auf der Straße unterwegs sein und sterben, nur weil man eine Pizza essen will, einen Freund begrüßen oder zur Schule gehen, nur weil jemand seine Macht rücksichtslos ausgenutzt hat. Darum geht es hier: um Mord", sagt Lascala.
Angesichts der hohen Unfallzahlen erscheint das neue Tempolimit eher wie ein symbolischer Akt. Tempo 30 gilt nur im historischen Zentrum. Das ist der Bereich, der ohnehin zufahrtsbeschränkt ist. Es gibt viel Kopfsteinpflaster und viel Verkehr. Aber gerast wird selbst dort, vor allem nachts, vor allem auf den breiteren Straßen, sagt der Verkehrsdezernent der Stadt, Eugenio Patanè. Und im Zentrum seien besonders viele Fußgänger unterwegs, vor allem Touristen.
"Bei 50 Kilometern pro Stunden sterben bei einem Unfall mit einem schwächeren Verkehrsteilnehmer vier von zehn Menschen. Kommt es jedoch bei 30 Kilometern pro Stunden zu einem Zusammenstoß, sterben nur fünf Prozent, also eine von zwanzig Personen", sagt Patanè. "Das bedeutet ganz konkret: Wenn es zu einem Unfall mit geringer Geschwindigkeit kommt, retten wir Menschenleben."

Gefährliches Pflaster für Fußgänger

Das Leben als Fußgänger in Rom ist eher ein Überleben. Zebrastreifen werden von Autofahrern oft nicht respektiert, an kritischen Kreuzungen fehlen Fußgängerampeln und an den Autos schießen immer wieder Motorroller vorbei - deutlich schneller als mit Tempo 30.
"Motorroller, E-Roller, Transporter, fahren einen Zentimeter an dir vorbei. Rom ist lebensfeindlich", findet eine Frau auf der Straße. Eine andere fügt hinzu: "Hier rasen sie wirklich, als wäre nichts dabei. Und es ist mir mehrmals passiert, dass ich beinahe umgefahren worden wäre."
"Ein Tempolimit hilft sicherlich", meint ein Mann auf der Straße, gibt aber zu bedenken: "Natürlich müsste dieses anschließend auch konsequent kontrolliert werden. Sonst bleibt alles so wie früher."
Die römische Polizei will die Einhaltung des neuen Tempolimits verstärkt kontrollieren, zum Beispiel mit mobilen Blitzern. Fest installierte Geschwindigkeitskontrollen sind laut Gesetz in Tempo 30 Zonen verboten. Auf den großen Ausfallstraßen werden immer mehr davon aufgebaut, weil hier besonders oft gerast wird. Mittelfristig will die Stadt ohnehin, dass auf 70 Prozent der Straßen nicht schneller als 30 Stundenkilometer gefahren werden darf.

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