< Ärzte-Netzwerk hilft - Tausende Kilometer entfernt » Informationsagentur. "HAMSINF"

Ärzte-Netzwerk hilft - Tausende Kilometer entfernt

Ärzte-Netzwerk hilft - Tausende Kilometer entfernt
Das Regime im Iran geht gezielt gegen Demonstrierende vor. Viele Verletzte meiden aus Angst vor Festnahmen die Krankenhäuser. Ein Netzwerk iranischstämmiger Mediziner hilft aus der Ferne - etwa per Videosprechstunde aus Essen. 

HNO-Ärztin Shabnam Fahimi-Weber fährt durch Essen und blickt immer wieder auf ihr Handy. Jederzeit könnte eine Nachricht aus dem Iran eingehen. Gedanklich ist sie oft in dem Land, in dem sie aufgewachsen ist.
"Das ist eine sehr unruhige Phase, gerade für uns“, sagt sie. Man verfolge permanent die Nachrichten und versuche gleichzeitig, die medizinische Versorgung zu organisieren. "Jeden Abend ein Meeting derzeit, jeden Abend." Fahimi-Weber ist eine der Initiatorinnen des Netzwerks ParsiMed. Seit den Protesten von 2022 organisiert das Netzwerk von Deutschland aus medizinische Unterstützung für Verletzte im Iran.
Fahimi-Weber kümmert sich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen um Verletzte im Iran. Denn die Regierung weiß genau, wo sie Protestierende findet. Fahimi-Weber beschreibt, dass angeschossene oder schwer verletzte Menschen nicht in Kliniken gehen könnten. Dort würden sie von Regimekräften abgeholt und verschwänden in Gefängnissen.

Hilfe per Satellit

Die aktuellen Proteste begannen Ende Dezember. Als immer mehr Menschen auf die Straßen gingen, kappte das Regime den Zugang zum Internet. Seit dem vergangenen Donnerstagabend ist praktisch das gesamte Land vom Netz abgeschnitten.
Ein massives Problem für die Medizinerinnen und Mediziner, die aus Deutschland helfen und auf funktionierende Kommunikationswege angewiesen sind. "Unsere Arbeit ist maximal erschwert und noch einmal komplizierter geworden als zuvor", sagt Fahimi-Weber.
In den ersten beiden Tagen der Internetsperre sei so gut wie keine Kommunikation möglich gewesen. Inzwischen stehe das Netzwerk jedoch wieder mit einigen Unterstützern im Iran in Kontakt, die über Satellitenverbindungen kommunizieren können. Über sie erhalten die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland nun Hilfsanfragen von Verwundeten.


HNO-Ärztin Shabnam Fahimi-Weber gehört zu den Initiatorinnen des Netzwerks ParsiMed, das seit 2022 Verletzten aus dem Iran hilft.

Behandlung per Videoanruf

Ein junger Protestierender meldet sich bei ParsiMed per Videoanruf. Fahimi-Weber berichtet, er habe eine Schussverletzung am Oberschenkel. "Er ist von den Eltern direkt nach Hause gebracht worden", erzählt sie. Nach zwei Tagen ohne Behandlung hatte sich die Wunde stark entzündet.
Und genau in solchen Fällen helfen die Ärzte aus Deutschland. Per Videocall haben sie sich die Wunde angesehen und Anweisungen gegeben: Jetzt öffnen, säubern, desinfizieren und fachgerecht verbinden. Die Ärzte sind allerdings Tausende Kilometer entfernt, und die eigentliche Behandlung übernimmt die Schwester des Verletzten, selbst eine Laiin.

Mindestens 500 Tote

Solche Fernbehandlungen gehören zum Alltag des Netzwerks. Die Mediziner bieten Online-Sprechstunden an, geben fachärztliche Einschätzungen und helfen bei der Organisation von Medikamenten. Vor wenigen Tagen erhielt Fahimi-Weber auch ein Röntgenbild eines 17-Jährigen mit gebrochener Nase. Seine Familie wagt ebenfalls nicht den Gang ins Krankenhaus.
Offizielle Zahlen zu den Opfern der seit mehr als zwei Wochen andauernden Protestwelle liegen nicht vor. Die Menschenrechtsorganisation HRANA geht jedoch von mindestens 500 Toten aus. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher sein, da die Aktivisten bislang nur identifizierte und gemeldete Fälle erfassen.
Augenzeugen berichten gegenüber der ARD von einem extrem brutalen Vorgehen regimetreuer Kräfte, die demnach mit scharfer Munition und in tödlicher Absicht in die Menge schießen - vor allem auf die Köpfe. Das zeigen auch Videos, die trotz der Internetsperre an die Öffentlichkeit gelangen.

Ärzte im Iran haben Angst

ParsiMed hält außerdem Kontakt zu Ärztinnen und Ärzten im Iran, von denen bekannt ist, dass sie trotz großer persönlicher Gefahr bereit sind, Verletzte zu behandeln. Apothekerin Malahat Daneshvaran aus Essen-Haarzopf schaut sich gemeinsam mit Ärztin Fahimi-Weber das Röntgenbild des 17-jährigen an.
Daneshvaran schildert, wie groß die Angst auch unter medizinischem Personal im Iran ist. "Die Ärzte haben Angst, sie trauen sich nicht", sagt sie. In den Krankenhäusern würden gezielt Verletzte gesucht und mitgenommen. Wer helfe, bringe sich selbst in Gefahr.
Zum Abschied sagt Fahimi-Weber, sie hoffe in den kommenden Tagen auf möglichst wenige Verletzte, rechne aber mit dem Gegenteil. Dem Iran gingen im Moment die Blutreserven aus, berichtet die Essener Ärztin, Menschen seien deswegen schon gestorben. Das Regime ignoriere das, deshalb sei es jetzt wichtig, dass möglichst viele im Iran Blut spenden.

Комментарии (0)

Оставить комментарий