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Lateinamerika zwischen Widerstand und Opportunismus

Lateinamerika zwischen Widerstand und Opportunismus
Angesichts der US-Intervention in Venezuela ist Lateinamerika tief gespalten: Während in Argentinien gejubelt wird, droht Präsident Trump nun offen Kolumbien und Mexiko. Und viele fragen sich: Welches Land ist das nächste? 

"Wir lehnen kategorisch die Einmischung in die Angelegenheiten eines anderen Landes ab", machte Claudia Sheinbaum wenige Tage nach dem Angriff des US-Militärs auf Venezuela in ihrer morgendlichen Pressekonferenz deutlich. Trump hatte der mexikanischen Präsidentin vorgeworfen, die Kartelle nicht im Griff zu haben - und sogar gedroht, diese könnten sein nächstes militärisches Ziel sein.
Sheinbaum betonte zwar die Zusammenarbeit im Kampf gegen die Drogen, bekräftigte aber auch: "Mexiko wird vom Volk regiert. Wir sind ein freies Land, unabhängig und souverän. Zusammenarbeit ja, Unterwerfung, Einmischung nein."

Milei bejubelt Angriff

Ganz anders die Reaktion aus Buenos Aires. Der argentinische Präsident Javier Milei gehört zu Trumps engsten Verbündeten in der Region - und bejubelte den Angriff euphorisch: "Es ist die Wiedergeburt der Freiheit auf dem ganzen Kontinent. Das wird uns Wachstum bringen und uns erlauben das Leben, das wir mal hatten wiederzuerlangen, bevor wir von der Linken überfallen wurden."
Mileis Begeisterung kommt nicht von ungefähr: Trump unterstützte ihn massiv. Er gewährte Argentinien eine Finanzspritze in Höhe von 20 Milliarden Dollar - ganz gezielt, um ihm bei den Parlamentswahlen zu helfen.

Region ist gespalten

Trump mischt sich so offen in die Politik der lateinamerikanischen Länder ein wie lange nicht mehr. Einige regionale Staats- und Regierungschefs begrüßen das, andere sind zutiefst besorgt. Die Region ist zwischen linken und rechten Regierungen tief gespalten.
Was dahinter steckt, erklärt Jesús Renzullo, venezolanischer Wissenschaftler am German Institute for Global and Area Studies in Berlin (GIGA). Er spricht von einer neuen "Donroe-Doktrin" - eine Anspielung auf die Monroe-Doktrin: "Im Grunde genommen befinden wir uns in einem Prozess, in dem die Vereinigten Staaten ganz Lateinamerika als ihr Territorium betrachten, was eine große Bedrohung für die Demokratien in Lateinamerika darstellt. Denn das letztendliche Ziel der Trump-Regierung ist nicht die Demokratisierung. Es handelt sich hierbei nicht um ein auf internationalem Recht basierendem System, sondern um ein System, das auf harter Geopolitik und der vollständigen Loyalität und Unterwerfung der Region gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika basiert."

Kolumbien im Fadenkreuz

Diese Strategie der vollständigen Kontrolle zeigt sich bereits konkret: Trump hat sich nach der US-militärischen Intervention in Venezuela und der Gefangennahme von Nicolás Maduro direkte Kontrolle über Teile der venezolanischen Ölressourcen gesichert.
Im Fadenkreuz steht nun auch Kolumbien. Präsident Gustavo Petro, bekannt für seine hitzigen Ausbrüche gegenüber Trump, war einer der Ersten, der die US-Intervention in Venezuela scharf verurteilte. Kolumbien ist das wichtigste Ursprungsland vor allem für Kokain, dem der US-Präsident nun ebenfalls Gewalt androht.
Das Land werde von einem "kranken Mann" regiert, der es liebe, "Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen", sagte Trump. Petro müsse auf seinen Arsch aufpassen. Verärgert antwortete ihm der kolumbianische Präsident prompt: "Er soll mir nicht drohen. Er soll herkommen, wenn er will, hier bin ich. Komm her, ich bin hier."
Der kolumbianische Präsident laviert zwischen provokativer Rhetorik und pragmatischem Handeln, analysiert die kolumbianische Politikwissenschaftlerin Angela Fonseca. In der Praxis versuche er die Bedrohung zu verringern, aber in seinen Reden stelle er sich gegen Trump, damit seine linke Basis gestärkt werde - gerade vor den anstehenden Wahlen in diesem Jahr.

Trump will rechte Kräfte in Kolumbien stärken

Petros Beliebtheitswerte sind im Keller. Und Trump würde mit seinen Angriffen auf mutmaßliche Drogenboote bis hin zur Bezeichnung von Petro als Drogenhändler eine klare Strategie verfolgen. Der US-Präsident wolle die rechten Kräfte in Kolumbien stärken, damit ein Kandidat gewinnt, der den USA wohlgesonnen ist.
Die Lage bleibt widersprüchlich: Nun telefonierten die beiden rund eine Stunde, Trump lud den kolumbianischen Präsidenten sogar ins Weiße Haus ein. Wohl für beide ein pragmatischer Kurswechsel. Auch eine geschlossene Front der linken Regierungen gegen Trump hält der GIGA-Experte Renzullo im Fall von Mexiko, Kolumbien und Brasilien eher für unwahrscheinlich.
Brasilien sei das unabhängigste Land und habe sich am stärksten gegen die Vereinigten Staaten gestellt. "Wir haben gesehen, dass Trump den brasilianischen Präsidenten Lula da Silva nun als starken Staatschef respektiert, nachdem dieser sich gegen die amerikanischen Zölle gewehrt und ihnen entgegengewirkt hat."

Wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA

Bei Mexiko verhalte es sich anders. Sheinbaum wisse, dass die Wirtschaft des Landes fast vollständig von den Vereinigten Staaten abhängig sei und dass eine Konfrontation mit Trump einen brutalen wirtschaftlichen Schlag für Mexiko bedeuten würde.
Die Vereinigten Staaten sind für einen Großteil der Region der wichtigste Wirtschaftspartner. Und Trump hat bereits unter Beweis gestellt, dass er nicht lange zögert - wirtschaftlich, politisch und nun auch militärisch gegen Länder vorzugehen, die sich ihm entgegenstellen. Die Frage ist nun: Wer ist der Nächste?

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