Sieben große europäische Staaten haben sich im von US-Präsident Trump befeuerten Streit hinter Grönland gestellt: Die Insel gehöre seinem Volk, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Ministerpräsident Nielsen rief seine Landsleute zur Ruhe auf.
Nachdem die USA Ansprüche auf die Kontrolle über Grönland geltend gemacht haben, haben sich sieben europäische Länder solidarisiert. "Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark. "Grönland gehört seinem Volk", heißt es darin weiter. Die Unterzeichner betonen die große Bedeutung der in der UN-Charta festgehaltenen Prinzipien der Souveränität, territorialen Integrität und Unverletzlichkeit der Grenzen. Grönland sei "Teil der NATO". Die Sicherheit in der Arktis müsse daher gemeinsam erreicht werden. Die USA seien dabei "ein wesentlicher Partner".
NATO-Artikel 5 sieht kein Szenario vor
Doch was passiert, wenn ein NATO-Staat einen anderen angreift? Grönland ist ein autonom verwaltetes Gebiet in der Arktis, das zu Dänemark gehört. Dänemark ist - ebenso wie die USA - NATO-Mitglied. Im Nordatlantikvertrag heißt es in Artikel 5, dass ein Angriff auf ein Mitgliedsland ein Angriff auf alle NATO-Staaten ist. Es gibt aber kein Szenario für einen Angriff von einem Bündnispartner auf einen anderen. Bei Streitigkeiten zwischen NATO-Partnern - etwa zwischen Griechenland und der Türkei - nahm das Bündnis bislang eine vermittelnde Rolle ein. Im März vergangenen Jahres sagte Generalsekretär Mark Rutte mit Blick auf die US-Ansprüche auf Grönland, er wolle das Bündnis "da nicht mit hineinziehen".
Grönlands Regierungschef: Nicht mit Venezuela vergleichbar
Und die Grönländer? Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen rief seine Landsleute dazu auf, Ruhe zu bewahren. Er verstehe, dass manche Grönländer mit Blick auf die Situation in Venezuela beunruhigt über die jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump seien. "Aber Venezuela und Grönland sind nicht vergleichbar", sagte er. Trump hatte zuletzt erneut betont: "Wir brauchen Grönland, unbedingt. Wir brauchen es zur Verteidigung." Auch sein Stabschef Stephen Miller sagte: "Grönland sollte Teil der USA sein." Er sprach Dänemark das Recht ab, über sein autonomes Gebiet zu entscheiden. Auf die Frage, ob die USA wie in Venezuela auch Gewalt gegen Verbündete einsetzen würden, sagte Miller: "Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands mit den USA militärisch kämpfen." Die strategische Lage der arktischen Insel mit ihren 57.000 Einwohnern macht sie zu einem wichtigen Standort für das US-Raketenabwehrsystem. Allerdings haben die USA bereits Militärbasen auf Grönland und könnten diese auch ohne Annexion ausbauen. Es wird deshalb vermutet, dass es Trump vor allem um die Ausbeutung der Rohstoffe geht. Grönland verfügt über viele Bodenschätze.
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