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Lockdown wird wahrscheinlicher

Lockdown wird wahrscheinlicher
Mehr als 1500 nachweislich Infizierte gibt es inzwischen unter der Tönnies-Belegschaft. Für den Landkreis Gütersloh bedeutet das bereits jetzt starke Einschränkungen. Die Politik schließt einen Lockdown nicht aus.
Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück geht die Diskussion um weitere Schutzmaßnahmen bis hin zu einem regionalen Lockdown weiter. Für heute ist eine Sitzung des Kabinetts in Düsseldorf angesetzt.
Ein Thema der Landesregierung dürfte dabei die aktuelle Situation im Kreis Gütersloh sein. Fachleute des Robert Koch-Instituts und andere Wissenschaftler sind im Kreis Gütersloh nach Angaben der Behörden im Einsatz. "Deren Empfehlungen folgen weitere Maßnahmen", hatte Ministerpräsident Armin Laschet über Twitter angekündigt.
Inzwischen hält auch der Gütersloher Landrat Sven-Georg Adenauer einen Lockdown in der Region für vorstellbar - das hatte er zuvor stets zu verhindern versucht. "Ich würde sagen ja", antwortete Adenauer auf die Frage, ob es nach einem Lockdown "rieche". Die mobilen Teams, die in den Wohnungen und den Unterkünften unterwegs seien und auch Familienangehörige ansprächen, stießen jetzt in ein gewisses Dunkelfeld. Sie hätten einige positive Fälle gefunden. Eine Zahl wollte der Landrat noch nicht nennen, da ausgeschlossen werden solle, dass es hier doppelte Zählungen gebe.

Mittlerweile 1553 bestätigte Fälle bei Tönnies

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte zuvor weitere Maßnahmen angekündigt. Dem Sender ntv sagte er, es werde noch darüber im Krisenstab beraten, es gehe aber in die Richtung eines Lockdowns. Dabei verwies er auf die Zahl der Neuinfektionen. Diese ist bei Tönnies inzwischen auf 1553 gestiegen. 6650 Proben seien genommen worden. Für den Kreis Gütersloh beträgt die Zahl 263 pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Das liegt deutlich über dem Grenzwert von 50 Corona-Neuinfektionen innerhalb einer Woche.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte einen kurzen Lockdown mit massiven Tests in der Region Gütersloh. Er warnte zudem vor einem freien Reiseverkehr aus der Region Gütersloh. "Ich bin sicher, dass deutlich mehr Menschen außerhalb der Mitarbeiterschaft inzwischen infiziert sind", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post". Das Virus könnte sich so potenziell sehr weit verteilen, so der studierte Mediziner.
Laschet verwies auf Twitter darauf, dass Schulen und Kitas im Kreis Gütersloh bereits vorsorglich geschlossen sind. Die Quarantäne werde konsequent für 7000 Menschen durchgesetzt, auch für Nicht-Infizierte, die in Kontakt waren, erklärte der Regierungschef. Im betroffenen Tönnies-Werk, der größten deutschen Fleischfabrik, ruhe außerdem der Betrieb.

Auch Kreis Warendorf stark betroffen

Der ebenfalls vom Corona-Ausbruch bei Tönnies betroffene Kreis Warendorf hält trotz des bislang höchsten Anstiegs bei den Infizierten einschränkende Maßnahmen für die übrige Bevölkerung derzeit nicht für erforderlich. Im Gesundheitsamt seien am Montagnachmittag 72 weitere positive Corona-Testergebnisse für Mitarbeiter der Firma Tönnies eingegangen, teilte der Kreis am Abend mit. Damit sei die Zahl der seit dem Corona-Ausbruch im Tönnies-Werk infizierten Mitarbeiter, die im Kreis Warendorf leben, auf 212 angestiegen.
"Das ist der mit Abstand höchste Anstieg, den wir in der Pandemie bislang hatten", erklärte Landrat Olaf Gericke. Das gesamte Infektionsgeschehen im Kreisgebiet sei auf den Ausbruch im Tönnies-Werk zurückzuführen. "Da wir derzeit keine Anzeichen für ein Überspringen der Infektionen auf die übrige Bevölkerung sehen, sind einschränkende Maßnahmen derzeit nicht erforderlich", erklärte er. Mit Quarantäne und weiteren Maßnahmen sollen Infektionsketten so früh wie möglich unterbrochen werden. Das Hauptaugenmerk gelte jetzt der Ermittlung und Testung von Kontaktpersonen der Tönnies-Mitarbeiter.

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