Eine der zentralen Fragen für Wagenknecht ist: Wer trägt die riesigen Kosten und wer profitiert von den Corona-Rettungspaketen? Vom dem riesigen Rettungsschirm von etwa 1200 Milliarden Euro einschließlich aller Garantien komme nur ein winziger Teil denen zugute, die es wirklich dringend brauchen würden. Besonders die Situation bei den Autokonzernen, die „auf liquiden Cashreserven in zweistelliger Milliardenhöhe sitzen“, findet die Politikerin interessant.„Ich finde es unglaublich, dass in Deutschland schon jetzt die Debatte über die sozialen Kürzungen geführt wird“, bemängelte Wagenknecht im Gespräch, das eben vom linken Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi mitgestaltet wurde - und dies, nachdem der Sozialstaat in den letzten Jahren ohnehin so massiv geschrumpft worden sei mit Rentenkürzungen und Einschnitten beim Arbeitslosengeld.
Die Autokonzerne hätten unglaublich viel Cash, würden Dividenden ausschütten - bei BMW etwa die Hälfte an nur zwei Personen - und würden in der Corona-Krise trotzdem Staatshilfe bekommen. Auch die Lufthansa habe noch im letzten Jahr beschlossen, 40 Prozent des Gewinns als Dividenden auszuschütteln. „Indirekt zahlt der Staat die Dividenden mit“, resümiert die Politikerin.
Die reichsten Eigentümer wie die Quandt-Familie, also die BMW-Hauptaktionäre, die über 700 Millionen pro Jahr an Dividenden verdienen, regelmäßig mit einer Vermögenssteuer zu besteuern, wäre laut Wagenknecht also „eine sinnvolle Sache“.
Ihr Gesprächspartner Piketty meinte seinerseits, es sei nicht die Preisstabilität, um die man sich große Sorgen machen müsse, also nicht die, die seit Jahren sehr gering sei. In Frankreich habe man seit den 1990er Jahren eine Verfünffachung der Vermögenssteuereinnahmen gehabt, und trotzdem habe es keine Kapitalflucht gegeben. In diesem Zusammenhang sieht es der renommierte Ökonom und Buchautor als durchaus möglich, eine Besteuerung von Reichen auch auf nationaler Ebene zu erreichen. Eine internationale Kooperation wäre allerdings viel besser. „Zwei Länder können den Anfang machen.“ Auch wies der Experte darauf hin, dass die Vermögenssteuern in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle gespielt hätten. „Man war sehr stark verschuldet und wollte dieses Problem anders lösen als in den zwanziger Jahren. <...> Die damals eingeführte Vermögensabgabe <...> die Staatsschulden konnten aufgrund dieser Abgabe sehr schnell abgebaut werden“, argumentierte Piketty.„Bei diesen großen Vermögen, die sie haben, ist die jährliche Rendite zwischen acht und zehn Prozent. Die Vermögenssteuer von fünf Prozent, die die Linke fordert, wäre rund die Hälfte dessen, was sie als Erträge von ihren Vermögen haben. Das würde nur ihre Erträge schmälern“, argumentiert Wagenknecht. Die 50 Personen hätten dann ein Vermögen von 220 Milliarden Euro wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung zusammen. Das sei eine Frage des politischen Willens nach dem Prinzip: Wenn man es wollte, könnte man es. Mit der Staatsverschuldung verteile man das Steuergeld von unten nach oben um, und es wäre besser, eine Steuerabgabe zu beschließen mit höheren Beträgen nicht für die Mittelschicht, sondern für die Reichsten.
Комментарии (0)