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Verschwörungsmythen zum Hantavirus im Umlauf

Verschwörungsmythen zum Hantavirus im Umlauf
Nach dem Virusausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff kursieren zahlreiche Falschbehauptungen online. So wird etwa behauptet, das Virus käme aus der Ukraine oder sei eine Folge der Corona-Impfung. 

Der Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" hat weltweit für Aufsehen gesorgt - und offensichtlich Erinnerungen an den Beginn der Covid-19-Pandemie ausgelöst.
Seit der Ausbruch bekannt geworden ist, verbreiten sich verschiedene Verschwörungserzählungen über das Virus, seine Herkunft und seine Gefährlichkeit online.

Todesfälle auf Kreuzfahrt

Was ist bis jetzt passiert? Auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" war es auf einer Kreuzfahrt von Argentinien zu den Kapverden zu einem Hantavirus-Ausbruch gekommen, drei Passagiere starben an einer Infektion.
Bei insgesamt sechs weiteren Passagieren wurde das Virus laut WHO bestätigt, zwei weitere Verdachtsmeldungen werden noch geprüft. Inzwischen sind alle Passagiere auf der kanarischen Insel Teneriffa von Bord gegangen und wurden unter strengen Hygienevorschriften zurück in ihre Heimatländer geflogen.
Die WHO geht nicht davon aus, dass es viele weitere unerkannte Übertragungen gibt. "Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass wir den Beginn eines größeren Ausbruchs erleben", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Infektionszahlen hätten sich dank des Einsatzes verschiedener Regierungen und Partner im Verlauf der vergangenen Woche nicht bedeutend verändert.

Alex Jones spricht von "Plandemie"

Viele kursierende Mythen ziehen Parallelen zwischen dem Hantavirus und Covid-19. Der US-Verschwörungsideologe und Podcaster Alex Jones etwa sieht im Hantavirus "Covid 2.0". Der Hantavirus-Ausbruch zeige "all die Zeichen, all die gespielte Hysterie, all die Leute in Schutzanzügen", sagt er in einem Video auf der Plattform X, auf der Jones 4,5 Millionen Follower hat.
Videoaufnahmen der Evakuierungen zeigten aber etwa Polizeibeamte, die keinerlei Schutzkleidung trügen. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie eine neue 'Plandemie' ausrollen", sagt Jones und verweist damit darauf, dass er den Ausbruch für einen Fake hält. An dieser Stelle zeigt er einen Video-Ausschnitt von einem Boot, dass an der Hondius anlegt. Zu sehen sind Personen in Vollschutz und zwei Uniformierte mit der Aufschrift "POLICE NATIONALE".
Dieser Video-Ausschnitt wird auch von anderen Accounts als Beweis geteilt, dass der Hantavirus-Ausbruch als Ganzes ein Fake ist. So schreibt ein X-Nutzer: "Es ist wirklich nett vom Virus, Polizisten aus dem Weg zu gehen, damit sie diese lästigen Schutzanzüge nicht tragen müssen!" Doch diese Schlussfolgerung ist falsch.

Verschiedene Schutzlevel für verschiedene Aufgaben

Allerdings ist die Tatsache, dass die Beamten keine Vollschutzanzüge tragen, kein Beweis dafür, dass das Virus nicht echt ist. Die Behauptung setze voraus, "dass alle Personen auf dem Boot demselben Risiko ausgesetzt waren", schreibt die österreichische Faktencheck-Webseite Mimikama. 
Dafür gebe es aber keine Belege. Sichtbar seien vielmehr zwei verschiedene Funktionen: "Medizinische Kräfte mit Schutzkleidung und Polizeikräfte in regulärer Uniform." Der nötige Schutz richte sich nach Risiko und Nähe, nicht nach der Anzahl der Beteiligten. "Die Uniformierten hatten keinen direkten Patientenkontakt und erfüllten eine andere Aufgabe."
Fotos der Evakuierung aus Teneriffa zeigen dieses Muster ebenfalls. Sanitäter mit direktem Kontakt zu den Passagieren trugen Vollschutz mit Maske, Handschuhen und Augenschutz. Hafen‑ und Küstenbeamte arbeiteten dagegen in normaler Uniform oder mit einfacher Maske, weil sie nur für Organisation und Absicherung zuständig waren. Diese Bilder sind kein Beweis dafür, dass das Virus ein Fake ist.


Polizeibeamte in normaler Uniform sichern die Evakuierung von Passagieren auf Teneriffa ab.

Erster Fall von Mensch-zu-Mensch-Übertragung?

In einem anderen X-Post mit zwei Millionen Aufrufe wird behauptet, der Ausbruch auf der "Hondius" stelle den ersten Fall einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Hantavirus dar. Bisher habe man noch nie erlebt, "dass sich bei einem Ausbruch eine Übertragung von Mensch zu Mensch entwickelt hat", heißt es in dem Post. "Es handelte sich immer um einen Kontakt von Nagetieren auf Menschen."
Tatsächlich wird das Hantavirus meist durch Nagetiere übertragen, etwa wenn Kot und Urin von Mäusen aufgewirbelt und eingeatmet werden. Forschern ist aber seit mindestens 30 Jahren bekannt, dass sich eine Variante des Hantavirus von Mensch zu Mensch übertragen kann, auch wenn eine solche Übertragung selten ist.
Der erste dokumentierte Ausbruch eines Hantavirus mit Übertragung von Mensch zu Mensch ereignete sich 1996 in Argentinien. Forscher dokumentierten 2018 einen weiteren Ausbruch, bei dem sich das Virus zwischen Menschen verbreitete. Bei beiden Ausbrüchen handelte es sich um die Andes-Variante des Hantavirus, der auch beim Ausbruch auf der "Hondius" nachgewiesen wurde.

Hantavirus als Nebenwirkung der Corona-Impfung?

Zahlreiche Posts on Social-Media verbreiten die Behauptung, das Hantavirus sei eine Nebenwirkung des Covid-19-Impfstoffs des Pharmaunternehmens Pfizer. Als Beweis für diese Behauptung beziehen sie sich auf eine von Pfizer erstellte und veröffentlichte Analyse über alle nach der Zulassung gemeldeten Nebenwirkungen bis Februar 2021.



Im Appendix des Dokuments mit dem Titel "Liste der Nebenwirkungen von besonderem Interesse" taucht der Begriff "Hantavirus-Lungeninfektion" tatsächlich auf. Das sei aber kein Beweis dafür, dass der Impfstoff eine Hantavirus-Lungeninfektion verursache, erklärte ein Sprecher von Pfizer auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters.

Liste der Nebenwirkungen von besonderem Interesse

Der Anhang, in dem die Hantavirus-Lungeninfektion aufgeführt ist, enthält vielmehr alle potenziellen medizinischen Ereignisse, die Pfizer als besonders interessant erachten würde, wenn sie während des Studienzeitraums aufträten.
In der Analyse selbst wird beleuchtet, welche dieser Ereignisse tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung auftraten. Eine Hantavirus-Infektion ist nicht dabei.

Keine steigenden Fallzahlen nach Impfkampagne

Die Zahl der in Deutschland gemeldeten Hantavirus-Erkrankungen variiert laut Robert-Koch-Institut (RKI) von Jahr zu Jahr stark. Sie bewegte sich demnach zwischen einem Tiefstwert von 72 gemeldeten Fällen im Jahre 2006 und 2.825 gemeldeten Fällen 2012.
Im Jahr der ersten flächendeckenden Impfkampagne gegen das Coronavirus 2021 gab es laut RKI-Datenbank 1.931 gemeldete Hantavirus-Fälle in Deutschland. In den folgenden Jahren waren die Fallzahlen deutlich geringer bei 158 (2022), 372 (2023), 463 (2024) und 315 (2025). Könnte die Corona-Impfung tatsächlich eine Hantavirus-Infektion auslösen, hätten die Hantavirus-Fälle nach der Impfkampagne deutlich stärker steigen müssen.

Spekulationen über Virus-Herkunft

Wie auch bei Covid-19 ranken sich auch beim aktuellen Hantavirus-Ausbruch Mythen um die Herkunft des Virus. In X-Posts wird behauptet, dass Virus sei "aus der Ukraine gekommen". Dort seien Fälle nachgewiesen worden und Ukrainer seien Teil der Crew des Kreuzfahrtschiffs "Hondius."
Als Beweis für die Behauptung dient ein Video einer Ärztin, die in einer Klinik für Infektionskrankheiten im ukrainischen Khmelnytsia arbeitet. In dem Video berichtet sie, dass es in ihrem Krankenhaus in diesem Jahr zwei Hantavirus-Infektionen gab.



Hantavirus-Fälle in der Ukraine bekannt

Auch auf der Facebook-Seite der Klinik in Khmelnytsia findet sich das Video der Ärztin. Hier allerdings mit dem Verweis daraus, dass beide Patienten erfolgreich behandelt wurden. Im Video selbst wird kein Zusammenhang mit dem Ausbruch auf der "Hondius" hergestellt.
Grundsätzlich würden in der Ukraine jedes Jahr dutzende Hantavirus-Infektionen registriert, sagte Mykola Hanich, Sprecher des ukrainischen Gesundheitsamts der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform zufolge. Dabei handele es sich aber um Typen des Hantavirus, die ausschließlich von Nagetieren auf Menschen übertragen wird - anders als das Andes-Virus, das auf der "Hondius" nachgewiesen wurde.
Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums befanden sich tatsächlich fünf ukrainische Staatsbürger als Besatzungsmitglieder an Bord des Schiffes. Bei ihnen sind demnach aber keine Anzeichen einer Erkrankung festgestellt worden.

Keine Belege für Ausbruch unter Soldaten

Die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS wiederum berichtet nach Bekanntwerden der Fälle auf der "Hondius", dass es einen "Massenausbruch des Hantavirus unter ukrainischem Militärpersonal in den Regionen Charkiw, Sumy und Lwiw" gegeben habe. Dafür gibt es keine Belege.
Die Berichte russischer Medien über einen "Massenausbruch" des Hantavirus unter Soldaten wurden nicht offiziell bestätigt. Die TASS gibt als Quelle nur eine nicht namentlich genannte Person an.
Der Bericht enthält keine Dokumente, medizinischen Daten, Zeugenaussagen oder sonstigen Belege, die die Behauptungen über einen Hantavirus-Ausbruch unter ukrainischen Soldaten stützen würden.
Das staatliche ukrainische Zentrum für strategische Kommunikation und Informationssicherheit bestätigte zudem, dass russische Medienberichte über eine sogenannte tödliche Hantavirus-"Epidemie" unter ukrainischen Soldaten nicht der Realität entsprechen.

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