In einem Bundesligaspiel von überschaubarer Qualität sah es zwischen dem 1. FSV Mainz 05 und Union Berlin bis in die Schlussphase nach einem Remis aus. Doch dann trafen Oliver Burke und Josip Juranovic und bescherten Marie-Louise Eta einen historischen Erfolg: Als erste Trainerin feierte sie einen Sieg in der Fußball-Bundesliga der Männer.
Andrej Ilic brachte die Gäste am Sonntagabend in Führung (38. Minute), dem ehemaligen Berliner Sheraldo Becker gelang der Ausgleich (48.) für die Mainzer, ehe Burke und Juranovic in der Schlussphase die Partie zu Gunsten der Gäste entschieden (88. und 90.+1). Mainz bleibt durch die Niederlage Zehnter, die "Eisernen" klettern auf Rang zwölf. "Es war heute eine sehr gute Leistung. Wir haben gesagt wir wollen jetzt Stück für Stück, Woche für Woche Dinge einfach besser machen und uns weiterentwickeln und ich finde die Jungs haben das heute schon sehr gut umgesetzt", analysierte Eta sachlich, nachdem sie zumindest im Hintergrund ihrer Mannschaft auch mit den Auswärtsfans den Sieg gefeiert hatte.
Zentner zurück - und direkt im Mittelpunkt
Seit dem 11. Spieltag hatte Robin Zentner verletzungsbedingt nicht mehr zwischen den Mainzer Pfosten gestanden, den Aufschwung unter Urs Fischer hatte der Keeper bisher nur von der Seitenlinie, beziehungsweise von der Tribüne erlebt. Gegen Union Berlin feierte er sein Comeback, Daniel Batz saß nur auf der Bank. Und Zentner zeigte früh, dass er nichts von seinem Können verlernt hat: In der 9. Minute parierte er einen Kopfball von Andrej Ilic mit einem starken Reflex und wurde von seinen Teamkollegen gefeiert. Auch in den folgenden Minuten stand Zentner bei den vielen Flanken der Unioner immer wieder im Mittelpunkt, seine Vorderleute selbst fanden offensiv erst einmal nicht wirklich statt.
Die Fans von Union Berlin protestieren gegen die Terminierung der Bundesliga-Spiele
Union-Fans sorgen mit Tennisbällen für Unterbrechung - Protest gegen Anstoßzeiten
Nach 16 Minuten pausierte das Spiel erst einmal, denn es flogen Tennisbälle aus dem Union-Fanblock auf den Rasen. Laut der Fan-Banner ein Protest gegen die vielen späten Sonntags-Ansetzungen und die dadurch entstehenden schwierigen Reisen der Union-Anhänger. Später landete ein Volleyball auf dem Feld, der mit "pro 15.30 Uhr" beschriftet war. Die Anhänger der Mainzer schlossen sich der Aktion nicht aktiv an, alle Blicke waren also auf den Gästeblock gerichtet. In der 23. Minute pfiff Schiedsrichter Florian Exner die Partie dann wieder an, offenbar war den Fans das Wurfmaterial ausgegangen.
Union flankt viel und belohnt sich dafür
An der Anzahl der sehenswerten Aktionen änderte die Spielfortsetzung erst einmal aber nichts, denn es war Sonntagsfußball zum Abgewöhnen, den beide Teams in dieser Phase boten. Viele hohe Bälle ohne Ertrag, viele Zweikämpfe, die ein oder andere Standardsituation - mehr kam nicht. Union war dabei insgesamt die aktivere Mannschaft und belohnte sich in der 38. Minute für die zahlreichen Hereingaben in den Mainzer Strafraum: Nach einer kurz ausgeführten Ecke flankte Aljoscha Kemlein aus dem Halbfeld und fand den einlaufenden Ilic, der unbewacht aus kurzer Distanz am vorbei segelnden Zentner einköpfte.
Beste Chancen erst in der Nachspielzeit
Es dauerte bis zur Nachspielzeit der ersten Hälfte, ehe Unions Vertretungs-Keeper Carl Klaus erstmals einen Abschluss auf sein Tor parieren musste, einen Nadiem-Amiri-Freistoß, der womöglich aber auch eher als Flanke gedacht war, faustete er ohne Probleme aus der Gefahrenzone (45.+1). In der neunten Minute der Nachspielzeit war es dann der beste Mainzer, Kaishu Sano, der sich mit einem energischen Antritt bis in den Strafraum durchsetzte und aus am Ende schwierigem Winkel an Klaus scheiterte. Das gleiche Schicksal erlitt auf der anderen Seite Livan Burcu, der in der zehnten Minute der Tennisball-Nachspielzeit ebenfalls aus spitzem Winkel abschloss, aber die schnell herauszuckende Hand von Zentner war Endstation.
Mainz kommt stark aus der Pause, Becker trifft gegen den Ex-Club
Was auch immer Mainz-Coach Urs Fischer seiner Mannschaft gegen seinen Ex-Klub in der Pause mitgegeben hatte: Es zeigte Wirkung. Keine 120 Sekunden nach Wiederanpfiff fand Paul Nebel den am langen Pfosten durchlaufenden Becker mit einer Flanke von rechts. Becker, ebenfalls Ex-Unioner, verzichtete auf einen Jubel - das Tor machte er vorher aber trotzdem (48.). Auch sonst waren die Mainzer aber kaum wiederzuerkennen: Präsent in den Zweikämpfen und spielfreudig bescherten die Rheinhessen den Gästen nun doch Probleme. Klaus entschärfte einen gefährlichen Kopfball von Kacper Potulski (51.), kurz darauf gelang Phillip Tietz ein artistischer Treffer zum vermeintlichen 2:1 - wegen einer Abeitsstellung wurde dieser Kandidat zum Tor des Monats dann aber doch einkassiert.
Eta wechselt dreifach - und Union kriegt die zweite Luft
Berlins Trainerin Eta sah die Felle ihrer Mannschaft davonschwimmen und wechselte gleich drei Mal: Derrick Köhn, Andras Schäfer und Woo-Yeong Jeong kamen für Burcu, Tom Rothe und Ilyas Ansah. Das zeigte Wirkung und hatte zur Folge, dass die Mainzer Drangphase erst einmal ein Ende hatte und das Spiel wieder offener wurde. Bis zur Schlussphase gab es keine weiteren Torchancen, doch in der 83. Minute hatte Ilic plötzlich bei einem Konter gegen aufgerückte Gastgeber viel Platz: Stefan Posch kam mit dem Fuß aber noch leicht dazwischen, sodass Ilics Schuss nicht ins Tor ging, sondern ans Lattenkreuz klatschte.
Unions Spieler um Oliver Burke (Nummer 7) bejubeln einen Treffer in Mainz Kurz darauf drehte sich Burke im Strafraum um seinen Gegenspieler und erzielte mit einem wunderbaren Drehschuss das 1:2 (88.). Mainz warf nun alles nach vorn, doch Burkes Schnelligkeit brachte die Entscheidung: Der Schotte enteilte allen Gegenspielern, legte klug quer für den mitgelaufenen Juranovic und der beseitigte alle Zweifel an einem Dreier in einem sportlich eher bedeutungslosen Mittelfeld-Duell, das aber eben durch den Sieg für Eta trotzdem in die Geschichtsbücher eingeht.
Mainz in Heidenheim, Union gegen Augsburg
Mainz kann am letzten Spieltag im spannenden Abstiegskampf beim 1. FC Heidenheim das Zünglein an der Waage spielen. Union empfängt den FC Augsburg, der sich noch Hoffnungen auf die Conference League macht (beide Samstagnachmittag, 15.30 Uhr).
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