Der Krieg des WM-Gastgebers, eine geforderte Abschaffung des FIFA-Friedenspreises und eine erneute Kandidatur Gianni Infantinos als Präsident - beim FIFA-Kongress in Vancouver gibt es jede Menge Gesprächsstoff.
Beim FIFA-Kongress in Vancouver in Kanada versammeln sich am Donnerstag (30.04.2026) die 211 Nationalverbände. Der DFB ist mit einer Delegation um Präsident Bernd Neuendorf und Generalsekretär Holger Blask vertreten. Wahlen stehen nicht an, Zündstoff bieten vor allem Themen abseits der Tagesordnung:
Welche Folgen haben Trumps Politik und der Krieg im Iran?
Der WM-Gastgeber USA bombardiert den WM-Teilnehmer Iran und derzeit ist kein Ende für den vom FIFA-Friedenspreisträger Donald Trump gestarteten Krieg in Sicht. Der Iran kokettierte mit einem Boykott, sicherte zuletzt aber seine Teilnahme zu. Dass der Iran zu seinen in Los Angeles und Seattle geplanten Gruppenspielen antritt, betont auch FIFA-Präsident Gianni Infantino immer wieder. Gleichzeitig sagte der US-Präsident, dass es ihm "vollkommen egal" sei, ob der Iran mitspielt und er ohnehin ein Fernbleiben empfehle, "um der Sicherheit der Spieler Willen". Ein Berater Trumps forderte einen Austausch des Iran gegen das nicht qualifizierte Italien.
US-Präsident Donald Trump mit dem WM-Pokal im Oval Office Viele weitere Themen bleiben: Dazu gehören die Eskalation bei Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE, Einreisebestimmungen und Einreiseverbote in den USA oder Sicherheitsfragen mit Blick auf die einflussreichen Drogenkartelle in Mexiko.
Fällt der Friedenspreis?
Der norwegische Fußballverband hat kurz vor dem Kongress eine Abschaffung des Friedenspreises gefordert, den FIFA-Präsident Gianni Infantino im Dezember 2025 im Rahmen der WM-Auslosung an US-Präsident Donald Trump übergeben hatte, nachdem dieser beim Friedensnobelpreis zu seiner Verärgerung leer ausgegangen war. DFB-Präsident Bernd Neuendorf befürwortete damals die Vergabe des Preises, der nun eigentlich jährlich vergeben werden sollte.
Bei der Ausrufung des Preises waren weder der FIFA-Rat noch der FIFA-Kongress beteiligt. Es gibt keine Kriterien für die Vergabe oder eine Jury. Andrea Florence von der Sport and Rights Alliance kritisierte, dass sich die FIFA mit dem Preis aktiv am Sportswashing durch Donald Trump beteilige. "Wir sind der Ansicht, dass es nicht zu den Aufgaben der FIFA gehört, einen solchen Preis zu verleihen", sagte Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness. "Wir sind vielmehr der Meinung, dass wir bereits ein Nobel-Komitee haben, das diese Aufgabe unabhängig wahrnimmt." Fußballverbände müssten eine "gebotene Distanz" zu Staatsführern wahrnehmen.
Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness Durch den Preis werde die sonst so oft betonte politische Neutralität der FIFA infrage gestellt. Die Menschenrechtsorganisation FairSquare hatte deshalb kurz nach der Preisverleihung eine offizielle Beschwerde bei der Ethikkommission der FIFA eingereicht und eine Untersuchung gefordert. Klaveness kündigte eine Unterstützung dafür durch den norwegischen Verband an.
Verkündet Infantino die nächste Kandidatur bis 2031?
Gianni Infantino ist bis 2027 als Präsident gewählt. Eine erneute Kandidatur für die Amtszeit 2027 bis 2031 wird allgemein erwartet, offiziell verkündet hat er sie noch nicht - möglicherweise passiert das in Vancouver.
FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) mit CONMEBOL-Präsident Alejandro Dominguez Der Rat der südamerikanische Konföderation CONMEBOL kündigte bereits seine einstimmige Unterstützung für Infantino an. CONMEBOL hofft aktuell auf eine Ausweitung der WM 2030 auf 64 Teams mit mehr als den bisher geplanten drei Spielen in Südamerika. Infantino kam 2016 nach dem Rücktritt Sepp Blatters in Folge des damaligen FIFA-Skandals erstmals ins Amt. 2019 und 2023 wurde er ohne Gegenkandidaturen wiedergewählt. Die Statuten sehen derzeit maximal drei Amtszeiten vor. 2022 bestätigte ihm der FIFA-Rat aber, dass die Amtszeit von 2016 bis 2019 unvollständig gewesen ist und deshalb nicht bei der Amtszeitbegrenzung zählt. Sofern dann eine Amtszeitbegrenzung noch in Kraft ist, wäre für Infantino damit 2031 nach seiner offiziell dritten Amtszeit Schluss.
Gibt es bei der WM mehr Geld für die Verbände?
Die FIFA lenkte ein, nachdem der DFB und andere europäische Verbände Bedenken geäußert hatten, ob die zugesagten Start- und Preisgelder die Reisekosten und Steuerzahlungen in den Gastgeberländern decken werden. Der FIFA-Rat entschied am Dienstag in Vancouver im Vorfeld des Kongresses, dass es mehr Geld geben wird. So wird der Beitrag der FIFA für die Kosten bei der Vorbereitung von 1,5 auf 2,5 Millionen US-Dollar pro Team erhöht, als Startgeld gibt es für jedes Team 10 statt der ursprünglich geplanten 9 Millionen US-Dollar. Geld genug ist wohl da: Die FIFA erwartet bei der WM Rekordeinnahmen von bis zu elf Milliarden US-Dollar. Das Geld wird aber auch erstmals an 48 statt wie bis zuletzt 32 Teams teil.
Blick in den Saal während Gianni Infantinos Ansprache beim FIFA-Kongress 2025 in Paraguays Hauptstadt Asunción
Kommt Bewegung in die Russlandfrage?
Infantino hatte im Februar im Gespräch mit dem Schweizer Medium "Weltwoche" gesagt: "Wir werden konkret studieren müssen, wie man Russland wieder einbeziehen kann." Der Sport müsse eine Brücke bleiben. Im britischen Sender "Sky" fügte er hinzu, dass man die Suspendierung russischer Teams "definitiv" aufheben müsse, mindestens im Hinblick auf Jugendmannschaften. "Es hat nichts gebracht. Es hat nur noch mehr Frustration und Hass zwischen Mädchen und Jungen geschürt."
Aktuell sind Russlands Teams offiziell nicht wegen des Angriffs auf die Ukraine suspendiert, sondern aus "Sicherheitsgründen" und "zur Gewährleistung eines reibungslosen Spielbetriebs". Beim Kongress ist Russlands Verband zugelassen und stimmberechtigt, nur die Teams sind suspendiert. Auch in der UEFA gibt es Befürworter für eine Rückkehr russischer Teams, zuletzt nahmen russische Sportler an den Paralympics teil und trafen Russlands Staatschef Wladimir Putin anschließend zum Sektempfang. 2018 trug die FIFA trotz der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim die WM in Russland aus, Infantino erhielt anschließend von Putin den russischen Freundschaftsorden.
Wladimir Putin verlieh Gianni Infantino 2019 den russischen Freundschaftsorden.
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