Bei der Tischtennis-Team-WM in London ist ab dem 28. April Spannung garantiert, auch weil der Wettbewerb nun ohne klassische Gruppenphase auskommt. Welchen Einfluss das auf das Turnier hat und was Deutschland erreichen kann - ein Überblick.
Wann wird gespielt?
Die WM erstreckt sich vom 28. April bis 10. Mai auf insgesamt 13 Tage. Los geht es in den ersten vier Wettkampftagen mit den 56 Teams, die ungesetzt sind. Die deutschen Frauen und Männer gehören zu den gesetzten Teams und steigen ab dem 2. Mai ein. Dann treffen um 11 Uhr Deutschlands Frauen auf Frankreich als ersten Gegner. Danach geht es um 18 Uhr noch gegen England und einen Tag später um 13 .30 Uhr gegen Japan zur Sache.
Deutschlands Herren starten ebenfalls am 2. Mai um 13.30 Uhr mit einer schweren Partie gegen Japan. Um 20.30 Uhr kommt es zum Duell mit Frankreich, ehe am 3. Mai um 18 Uhr dann Taiwan der letzte Gegner in der ersten Turnierphase ist.
Welches Format wird gespielt?
Der Weltverband hat den Spielmodus komplett überarbeitet. Anders als in den vergangenen Jahren gibt es keine klassische Gruppenphase, wo die besten Teams der Weltrangliste als Gruppenkopf gesetzt sind.
Es nehmen insgesamt 64 Mannschaften teil, das Teilnehmerfeld wird jedoch schon vor Turnierbeginn geteilt. 56 Mannschaften spielen in der sogenannten "Stage 1B" um das Achtelfinale. Die besten sieben Teams der Weltrangliste sowie Gastgeber England sind automatisch für das Achtelfinale qualifiziert. Sie spielen in zwei Gruppen in der "Stage 1A" nur noch die Setzposition für das Achtelfinale aus.
Was sagt der Deutsche Tischtennis-Bund zum neuen Format?
Beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) rief der neue Modus wenig Begeisterung hervor. Der DTTB hat deshalb einen offenen Brief an den Weltverband ITTF geschrieben, in dem er seine Sicht und vermeintliche Nachteile darlegte. "Früher wurde nach Weltrangliste vor dem Turnier gesetzt, jetzt wird das beim Turnier ausgespielt. Damit wird eventuell in ein, zwei Tagen ad absudurm geführt, was wir uns in zwölf oder 24 Monaten vorher als Nation erarbeitet haben", erklärte Sportdirektor Richard Prause im Sportschau-Interview.
Auch Männer-Bundestrainer Jörg Roßkopf ist skeptisch: "Man kann mit drei Niederlagen trotzdem Weltmeister werden, das ist schon ein sehr spezielles System." Möglich ist das, weil die besten acht Teams selbst mit drei Pleiten in der "Stage 1A" sicher im Achtelfinale stehen. Sportdirektor Prause sieht sogar die Möglichkeit, taktisch zu agieren, um bestimmten Gegnern aus dem Weg zu gehen.
Das neue Format ändert nichts daran: Der Favorit heißt China. Das Reich der Mitte ist vor allem im Team-Bereich das absolut dominante Team im Tischtennis. Der bislang letzte nicht-chinesische Sieg im Männer-Bereich bei einer Team-WM liegt 26 Jahre zurück, als Schweden um den damaligen Superstar Jan-Ove Waldner bei den Männern den großen Coup schaffte. Auch jetzt muss man Schwedens Topspieler Truls Moregard auf dem Zettel haben. Frankreich und Japan gelten ebenfalls als Mitfavoriten.
Bei den Frauen schaffte es Singapur im Jahr 2010 einmal, der chinesischen Dominanz etwas entgegenzustellen. Sonst hieß in den vergangenen sage und schreibe 35 Jahren der Weltmeister im Frauen-Tischtennis immer China. Dahinter dürfte Japan wohl als stärkstes Team einzuschätzen sein.
Wie sind die deutschen Chancen?
Das ist ganz schwierig zu sagen. Die deutschen Teams gehören eben zu jener Gruppe an Mannschaften, die hinter China um die weiteren Plätze kämpfen. "Zunächst ist eine gute Setzung wichtig, um sich dann Richtung Viertelfinale zu orientieren. Im besten Fall spielen wir um die Medaillen mit", erklärte Sportdirektor Prause. Zuletzt ist das in Busan in Südkorea im Jahr 2024 knapp nicht gelungen.
Dort war jeweils im Viertelfinale Schluss, die Herren verloren gegen Taiwan, die Frauen unterlagen Frankreich knapp. Männer-Bundestrainer Roßkopf sagte: "Wir haben eine äußerst ausgeglichene Mannschaft." Damen-Bundestrainerin Tamara Boros erklärte: "Alle sind fit und wir haben ein breites Team" Vor allem die Damen dürfen nach dem EM-Titel im vergangenen Jahr auf eine Medaille hoffen. Dennoch: Die erweiterte Weltspitze hinter China erscheint derzeit breit wie nie.
Wie ist das deutsche Männer-Team aufgestellt?
Fakt ist: Bei den Männern agieren die besten vier Spieler Dang Qiu, Patrick Franziska, Dimitrij Ovtcharov und Benedikt Duda auf einem Niveau und an guten Tagen kann jeder von ihnen auch die besten Spieler der Welt schlagen. Der Fünfte im Bunde ist Nachwuchsspieler André Bertelsmeier, der Erfahrung und Atmosphäre bei einer WM sammeln soll.
Schon in der ersten "Stage" habe man mit Frankreich, Japan, und Taiwan eine sehr starke Gruppe erwischt. "Da ist von 1-4 alles möglich", so der Bundestrainer Ropkopf. Bertelsmeier sei einer von den Jüngeren, die die Arrivierten unter Druck setzen sollen. Bei der WM wird es mit Spielpraxis aber noch etwas schwieriger: "Wir müssen durch das neue Format direkt Vollgas spielen. Er kennt aber seine Rolle und man muss sehen, dass die ersten vier noch ein Stück voraus sind."
Wie ist das deutsche Frauen-Team aufgestellt?
Bei den Damen sticht vor allem die Entwicklung von Sabine Winter heraus, die sich nach einer Umstellung ihres Spielsystems bis in die Top Ten der Weltrangliste vorarbeitete und zuletzt mehrfach den Chinesinnen Paroli bieten konnte. "Sabine ist für mich fast ein Wunder", sagte Boros zur Entwicklung der nominellen Nummer eins des DTTB-Teams.
Die Rückkehr der in den vergangenen Jahren verletzungsgeplagten Nina Mittelham stärkt das Team mindestens in der Breite. Dazu kommen U19-Weltmeisterin Annett Kaufmann, die rechtzeitig nach einer Sprunggelenksverletzung fit geworden ist und sich bei Olympia 2024 in den Fokus spielte, sowie die frühere Weltranglisten-Sechste Han Ying. Nummer fünf im Team ist Yuan Wan vom TTC Weinheim.
Gut in Form: Tischtennisspielerin Sabine Winter
Was kommt nach der WM in London?
Das nächste große internationale Ziel nach der WM ist die Einzel-EM im slowenischen Ljubljana im Oktober. Außerdem stehen noch drei Grand-Smash-Turniere an: in den USA Ende Juni, in Schweden im August und in China Anfang Oktober. Die Turniere sind vergleichbar mit den Grand-Slam-Turnieren im Tennis-Zirkus. Das große Fernziel sind die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028, deren Qualifikation in den kommenden Jahren über Einzel-Ergebnisse und Großturniere ausgespielt wird.
Außerdem nimmt der DTTB demnächst einen neuen Anlauf, selbst Ausrichter einer WM zu werden. Die Austragungen bis 2029 sind vergeben, die DTTB-Bewerbung für 2029 zog gegen Brasilien den Kürzeren. "Wir werden uns wieder bewerben", erklärte Prause. Auch eine Olympia-Bewerbung für die Jahre 2036, 2040 oder 20244 in Deutschland bejaht der DTTB-Sportdirektor: "Gefühlt würde ich sagen, Deutschland wäre mal wieder dran mit Olympia. Das würde mich sehr freuen und es würde ein Ausrufezeichen für den ganzen Sport bedeuten. Eine Bewerbung um die WM könnte das auch beflügeln."
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