Wo weitere Engpässe drohen
Die Blockade der Straße von Hormus wirkt sich nicht nur auf die Spritpreise aus. Der Krieg hat auch Folgen für die Lieferketten weiterer Produkte: Droht nun auch bei Computerchips und Medikamenten ein Engpass?
Der Iran-Krieg hat massive Folgen für die Weltwirtschaft und die Verbraucher. Ein Liter Diesel kostet so viel wie nie zuvor - trotz der gerade erst in Kraft getretenen Spritpreisbremse.
Die gestiegenen Kosten für Öl und Gas wirken sich auf die Lieferketten vieler Produkte aus, was wiederum die Befürchtung von Kettenreaktionen befeuert. Welche Bereiche besonders betroffen sind:
Die Herstellung des Edelgases wurde nach Angriffen auf Anlagen in Katar gedrosselt, teilweise sogar eingestellt. Aus dem Emirat kommt etwa ein Drittel des weltweiten Heliums.
Von den Lieferengpässen sind auch Taiwan und Südkorea betroffen, wo die weltweit wichtigsten Chipproduzenten sitzen. Wenn Helium ausfallen würde, hätten die beiden Länder Vorräte für nur drei Monate, so Jochen Stanzl von der Consorsbank. "Danach müssen sie die Produktion einstellen, weil Helium bei der Kühlung der Maschinen nicht ersetzt werden kann."
Das Gas findet auch in anderen Bereichen Verwendung, etwa in der Medizintechnik. So wird Helium beispielsweise für Qualitätskontrollen eingesetzt, die Voraussetzung dafür sind, dass Arzneimittel auf den Markt gebracht werden dürfen. Auch MRT-Scanner brauchen Helium, um den Magneten zu kühlen.
Nach Branchenangaben ist Deutschland fast vollständig auf Importe angewiesen. Der Iran-Krieg sei noch nicht in den Regalen der Apotheken angekommen. "Doch in den Laboren und Werken der deutschen Arzneimittelhersteller steigt die Sorge, je länger die Blockade der Straße von Hormus dauert", sagte Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. Helium kommt darüber hinaus in der Rüstungsindustrie und der Weltraumforschung zum Einsatz.
Zwischen acht und neun Prozent der weltweiten Aluminiumherstellung entfallen auf den Persischen Golf. Schon zuvor war die Versorgungslage angespannt, weil auch Aluminium durch die Straße von Hormus verschifft wird.
Die Beeinträchtigungen bei der Produktion beunruhigen die Auto-, Luft- und Raumfahrtindustrie. Das Leichtmetall ist seit Kriegsbeginn bereits über neun Prozent teurer geworden. Und die weltweiten Lagerbestände gelten als gering, wodurch der Markt kaum Puffer für weitere Ausfälle hat.
Dadurch könnten Produkte wie Einwegbesteck, Getränkeflaschen oder Müllsäcke in den kommenden Wochen deutlich teurer werden, sagte Patrick Penfield, Professor für Supply-Chain-Praxis an der Syracuse University.
Etwa 99 Prozent der weltweiten Kunststoffe werden aus fossilen Brennstoffen hergestellt. Steigende Energiepreise sorgen somit nicht nur für höhere Herstellungskosten, sondern auch für steigende Preise bei den Materialien selbst, vor allem Polyethylen und Polypropylen.
Die Preise sind dadurch teilweise um 40 Prozent angestiegen. Für Landwirte heißt das: Entweder teurer düngen, oder weniger düngen. Und das wiederum bedeutet am Ende weniger Ernte - und teureres Essen. Die Welthungerhilfe warnt vor verschärften Ernährungskrisen.
Schwefel wird jedoch nicht nur für Düngemittel gebraucht. 70 Prozent des Schwefels, der hauptsächlich als Abfallprodukt der Erdölraffination gewonnen wird, dient zur Herstellung von Schwefelsäure, hieß es von der französischen Beobachtungsstelle für mineralische Ressourcen in der Industrie (Ofremi). Und diese wiederum sei unentbehrlich für die Produktion von Batterien und E-Autos."Ersatzmöglichkeiten? Quasi keine", erklärte Ofremi.
Der Iran-Krieg hat massive Folgen für die Weltwirtschaft und die Verbraucher. Ein Liter Diesel kostet so viel wie nie zuvor - trotz der gerade erst in Kraft getretenen Spritpreisbremse.
Die gestiegenen Kosten für Öl und Gas wirken sich auf die Lieferketten vieler Produkte aus, was wiederum die Befürchtung von Kettenreaktionen befeuert. Welche Bereiche besonders betroffen sind:
Helium für Computerchips und Medikamente
Der Iran-Krieg könnte die weltweite Chip-Versorgung gefährden, weil Lieferengpässe bei Erdgas und Helium drohen. Helium wird bei der Produktion von Computerchips unter anderem zur Kühlung eingesetzt.Die Herstellung des Edelgases wurde nach Angriffen auf Anlagen in Katar gedrosselt, teilweise sogar eingestellt. Aus dem Emirat kommt etwa ein Drittel des weltweiten Heliums.
Von den Lieferengpässen sind auch Taiwan und Südkorea betroffen, wo die weltweit wichtigsten Chipproduzenten sitzen. Wenn Helium ausfallen würde, hätten die beiden Länder Vorräte für nur drei Monate, so Jochen Stanzl von der Consorsbank. "Danach müssen sie die Produktion einstellen, weil Helium bei der Kühlung der Maschinen nicht ersetzt werden kann."
Das Gas findet auch in anderen Bereichen Verwendung, etwa in der Medizintechnik. So wird Helium beispielsweise für Qualitätskontrollen eingesetzt, die Voraussetzung dafür sind, dass Arzneimittel auf den Markt gebracht werden dürfen. Auch MRT-Scanner brauchen Helium, um den Magneten zu kühlen.
Nach Branchenangaben ist Deutschland fast vollständig auf Importe angewiesen. Der Iran-Krieg sei noch nicht in den Regalen der Apotheken angekommen. "Doch in den Laboren und Werken der deutschen Arzneimittelhersteller steigt die Sorge, je länger die Blockade der Straße von Hormus dauert", sagte Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. Helium kommt darüber hinaus in der Rüstungsindustrie und der Weltraumforschung zum Einsatz.
Aluminium für Autos und Flugzeuge
Bei iranischen Angriffen wurden die Anlagen zweier wichtiger Aluminiumproduzenten in Bahrain und den Arabischen Emiraten beschädigt. Das könnte zu Lieferausfällen führen, die laut Experten selbst bei einer Entspannung der weltpolitischen Lage fortbestehen könnten.Zwischen acht und neun Prozent der weltweiten Aluminiumherstellung entfallen auf den Persischen Golf. Schon zuvor war die Versorgungslage angespannt, weil auch Aluminium durch die Straße von Hormus verschifft wird.
Die Beeinträchtigungen bei der Produktion beunruhigen die Auto-, Luft- und Raumfahrtindustrie. Das Leichtmetall ist seit Kriegsbeginn bereits über neun Prozent teurer geworden. Und die weltweiten Lagerbestände gelten als gering, wodurch der Markt kaum Puffer für weitere Ausfälle hat.
Zutaten für Kunststoffe
Die Hersteller von Kunststoffverpackungen und Folien klagen über historische Engpässe bei erdölbasierten Rohstoffen. Die Unternehmen seien mit massiven Problemen bei der Beschaffung konfrontiert, teilte der Branchenverband Industrievereinigung Kunststoffverpackungen mit.Dadurch könnten Produkte wie Einwegbesteck, Getränkeflaschen oder Müllsäcke in den kommenden Wochen deutlich teurer werden, sagte Patrick Penfield, Professor für Supply-Chain-Praxis an der Syracuse University.
Etwa 99 Prozent der weltweiten Kunststoffe werden aus fossilen Brennstoffen hergestellt. Steigende Energiepreise sorgen somit nicht nur für höhere Herstellungskosten, sondern auch für steigende Preise bei den Materialien selbst, vor allem Polyethylen und Polypropylen.
Schwefel für Düngemittel
Der Krieg trifft auch den Markt für Düngemittel. Fast ein Viertel des weltweiten Ammoniaks und Schwefels wird in der Golfregion produziert. Viele Anlagen stehen still.Die Preise sind dadurch teilweise um 40 Prozent angestiegen. Für Landwirte heißt das: Entweder teurer düngen, oder weniger düngen. Und das wiederum bedeutet am Ende weniger Ernte - und teureres Essen. Die Welthungerhilfe warnt vor verschärften Ernährungskrisen.
Schwefel wird jedoch nicht nur für Düngemittel gebraucht. 70 Prozent des Schwefels, der hauptsächlich als Abfallprodukt der Erdölraffination gewonnen wird, dient zur Herstellung von Schwefelsäure, hieß es von der französischen Beobachtungsstelle für mineralische Ressourcen in der Industrie (Ofremi). Und diese wiederum sei unentbehrlich für die Produktion von Batterien und E-Autos."Ersatzmöglichkeiten? Quasi keine", erklärte Ofremi.
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