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Welche Maßnahmen Adipositas bekämpfen könnten

Welche Maßnahmen Adipositas bekämpfen könnten
Ein Viertel aller Erwachsenen und jedes sechste Kind in Deutschland leiden an starkem Übergewicht. Die Akademie der Wissenschaften fordert die Politik zum Handeln auf - mit bekannten, aber auch neuen Maßnahmen. 

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat ein umfassendes Positionspapier zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie in Deutschland veröffentlicht. Unter dem Titel "Prävention stärken & neue Therapieansätze nutzen: Wie lässt sich die Adipositas-Epidemie eindämmen?“ fordert die Akademie entschiedenes politisches Handeln.

Bisherige Strategien gescheitert

Der Hintergrund: Fast jedes sechste Kind und ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland leiden an Adipositas. Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen sind übergewichtig. "In Deutschland gibt es eine Adipositas-Epidemie", heißt es in dem Papier.
Trotz zahlreicher Präventionsbemühungen gehe die Erkrankungshäufigkeit nicht zurück. "Die Wirksamkeit der bisherigen politischen Anstrengungen und Strategien ist daher fraglich", so das Positionspapier weiter.
Die mit Adipositas verbundenen Erkrankungen verursachen zudem erhebliche Kosten. Die volkswirtschaftlichen Kosten von Adipositas und Übergewicht belaufen sich laut der Akademie auf 113 Milliarden Euro jährlich, etwa 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Ursachen und Folgen

Adipositas entsteht meist durch ein Ungleichgewicht zwischen Energiezufuhr und -verbrauch. Auch zahlreiche andere Faktoren spielen eine Rolle, etwa Gene, Medikamente, Stoffwechsel oder die finanzielle Situation.
Zu den möglichen gesundheitlichen Folgen zählen laut der deutschen Adipositas-Gesellschaft Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Krebserkrankungen. Betroffene leiden zudem häufig unter Diskriminierung im Alltag, was ihre Bildungs- und Berufschancen mindert.

Zuckersteuer und Werbeverbote gefordert

Die Leopoldina schlägt ein umfassendes Maßnahmenpaket vor, das Prävention und Therapie kombiniert.
Besondere Bedeutung wird der frühen Prävention beigemessen. Diese sollte bereits vorbeugend in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren ansetzen. Auch Programme in Kindergärten und Schulen, die Gesundheits- und Bewegungskompetenzen fördern, werden empfohlen.
Die Akademie fordert aber auch staatliche Maßnahmen wie eine Zuckersteuer, die Senkung der Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel und Werbeverbote für ungesunde Produkte, insbesondere wenn sie sich an Kinder und Jugendliche richten.

Gesetzliche Hürden für moderne Medikamente abbauen

Neben Prävention sieht die Leopoldina Potenzial in neuen therapeutischen Ansätzen. Medikamente wie Inkretin-Mimetika - die sogenannte Abnehmspritze - ermöglichen effektiven Gewichtsverlust und können Begleiterkrankungen positiv beeinflussen. Allerdings erschweren hohe Kosten und gesetzliche Regelungen aktuell den Zugang.
Ein zentrales Problem sieht die Akademie in Paragraf 34, Absatz 1 des Sozialgesetzbuches, der eine Kostenübernahme für Arzneimittel ausschließt, deren primäres Ziel die Steigerung der Lebensqualität ist. Dazu zähle auch die Regulierung des Körpergewichts. Die Leopoldina sieht daher eine Anpassung der Gesetzgebung als dringend erforderlich.

Lifestyle-Interventionen und operative Eingriffe

Außerdem bleibe die Förderung von Lifestyle-Interventionen ein zentraler Bestandteil der Therapie. Digitale und telemedizinische Angebote könnten diese Maßnahmen niedrigschwellig und alltagsnah gestalten.
Für schwer Betroffene oder bei fehlendem Erfolg konservativer Maßnahmen bieten, so die Akademie, chirurgische Therapien wie Operationen zur Gewichtsreduktion eine effektive, wenn auch invasive Behandlungsoption.

Nationale Kraftanstrengung nötig

Die Leopoldina fordert eine nationale Adipositas-Präventionsinitiative, die ressortübergreifend arbeitet und Bund, Länder sowie alle relevanten Akteure einbindet.
Ein zentraler Bestandteil dieser Initiative sollte zudem die Verbesserung der Datengrundlage sein, um langfristige und systematische wissenschaftliche Beurteilungen zu ermöglichen. Hierzu sollten verschiedene Formen von Studien etabliert oder ausgebaut werden.
Die Leopoldina betont: "Die wirksame Bekämpfung von Adipositas ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, welche nur sektorübergreifend, interdisziplinär und ressortübergreifend bewältigt werden kann."

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