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"Code geknackt" - DHB-Frauen in Weltspitze angekommen

"Code geknackt" - DHB-Frauen in Weltspitze angekommen
Neun Spiele, acht Siege und nur eine Niederlage. Die Bilanz der deutschen Handballerinnen bei der Heim-WM kann sich sehen lassen. Und am Ende steht die erste WM-Medaille seit 18 Jahren. 

19 Tage lang haben die DHB-Frauen die Handballwelt begeistert - mit deutlichen Siegen, schönen Toren und tollen Paraden. Nach der Heim-WM in diesem Winter kann man mit Sicherheit sagen, dass die deutsche Mannschaft ihren lang gehegten Traum von der Weltspitze verwirklicht hat.
Die Olympiasiegerinnen aus Norwegen hatte das Team im Finale von Rotterdam lange am Rande einer Niederlage, sodass auch Weltklasse-Spielerin Nora Mork dem Gaugisch-Team nach dem Spiel eine überragende Leistung attestierte: "Ich glaube, dass Deutschland endlich geschafft hat 'den Code zu knacken'. Sie haben etwas unter der hohen Erwartungshaltung der letzten Jahre gelitten, aber keins der anderen Teams hat Deutschland jemals unterschätzt, denn sie haben eine super Mannschaft."
Die deutschen Handballerinnen haben also endlich den "Code geknackt". Aber welche Parameter waren bei diesem Turnier anders als beispielsweise bei der Heim-WM 2017, als Xenia Smits und Emily Vogel (damals Bölk) an den hohen Erwartungen zerbrachen?

Die Defensive

Sowohl in der Vorrunde (57 Gegentore) als auch in der Hauptrunde (114) hat Deutschland auffallend wenige Gegentreffer bekommen. Das lag zum einen sicherlich an der geringen Qualität der Gegnerinnen, wie Uruguay oder Färöer, aber auch an der stark verbesserten Defensive. Das bisherige Abwehrzentrum aus Emily Vogel und Xenia Smits hat mit Aimée von Pereira das perfekte dritte Puzzlestück dazu bekommen.

Die Nationalspielerin, die beim dänischen Verein Kopenhagen spielt, war lange unter dem Radar des DHB und feierte erst im März 2025 ihr Debüt für die Nationalmannschaft. Ein entscheidender Schachzug des Bundestrainers, denn die 25-Jährige brachte das nötige Quäntchen Coolness, Selbstverständnis und Unbekümmertheit in die deutsche Abwehr. "Sie identifiziert sich voll mit ihrem Job in der Abwehr, auch wenn eine phantastische Abwehrspielerin nie so auffällt. Man muss einen sehr hohen Handball-IQ haben, um eine Mannschaft derart mitzunehmen", schwärmt auch der Bundestrainer.
Selbst wenn Welthandballerin Henny Reistad ihr begnadetes Eins-gegen-Eins ansetzte, bejubelte von Perreira jede gelungene Aktion mit Jubelschreien und hochgerissenen Armen. Die Hamburgerin beherrscht den schmalen Grat zwischen Selbstbewusstsein und einer kleinen Prise positiver "Arroganz" perfekt. Und damit hat die Abwehrspezialistin der gesamten Abwehr die vermeintliche Angst vor großen Namen ausgetrieben und einen elementaren Teil zur Silbermedaille beigetragen.

Die Teamdynamik

Spätestens seit der Basketball-WM der Männer, als Gordon Herbert immer wieder von einer klaren Rollenverteilung im erfolgreichen deutschen Team sprach, haben Trainerinnen und Trainer erkannt, wie wichtig die richtige Teamdynamik in einem Turnier ist - so auch Markus Gaugisch. Der Bundestrainer änderte die Hierarchie im Team, ernannte Linksaußen Antje Döll im März 2025 zur neuen Kapitänin und setzte das bestehende Duo Grijseels/Vogel ab. Was anfangs ein echter Affront gegen die beiden erfahrenen Nationalspielerinnen zu sein schien, entpuppte sich im Nachgang als cleverer Schachzug.

Die in jungen Jahren bereits hoch gelobte Emily Vogel (geborene Bölk) konnte bis zur WM nie ihr volles Potenzial im DHB-Team ausschöpfen. Ständige Vergleiche mit Weltmeister-Mutter Andrea schienen an der Rückraumspielerin zu zehren und wiederkehrende Misserfolge bei Großturnieren taten ihr Übriges. Ohne das Kapitänsamt konnte die 27-Jährige etwas aus dem Scheinwerferlicht treten und den Fokus auf ihre sportliche Leistung legen.

Vogel als beste Spielerin auf Halblinks ausgezeichnet

Und die sportliche Leistung stimme bei diesem Turnier. 29 Tore und 22 Assists in acht Spielen - die drittbeste Torschützin nach Antje Döll und Nina Engel und beste Vorlagengeberin. Kein Wunder, dass bei der besten Rückraumlinken des Turniers nach dem Gewinn der Silbermedaille immer wieder Tränen flossen: "Für uns, die schon einige Turniere mitgemacht haben, immer wieder viel Enttäuschung und auch viel Kritik einstecken mussten, ist das einfach ein geiles Gefühl, jetzt alle Kritiker mal so ein bisschen ruhig zu stellen, zumindest für ein paar Wochen und hoffentlich ganz, ganz viel Begeisterung für den deutschen Handball ausgelöst zu haben."



Nach dem besten WM-Ergebnis einer deutschen Frauen-Nationalmannschaft seit dem Titelgewinn 1993 dürfen Handballfans gespannt sein, wie die nächsten Turniere der Mannschaft aussehen werden. Mit Viola Leuchter (beste Nachwuchsspielerin des Turniers), Nina Engel und Nieke Kühne hat der Bundestrainer eine tolle Auswahl an jungen Spielerinnen, die ihre internationale Wettkampfhärte in diesem Jahr bereits bewiesen haben. Und eine neue Zielsetzung braucht es für die EM 2026 auch, denn das jahrelange Mantra in die Weltspitze vorzudringen, ist mit der Silbermedaille ab sofort überholt.

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