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Hinrichtungen als Mittel, "um Angst zu verbreiten"

Hinrichtungen als Mittel, "um Angst zu verbreiten"
Die Zahl der weltweit erfassten Hinrichtungen ist laut Amnesty im vergangenen Jahr massiv gestiegen - gerade auch in Iran. Dort werde die Todesstrafe systematisch eingesetzt, "um Angst zu verbreiten". Benjamin Weber über Lage der Menschen dort. 

In der iranischen Hauptstadt Teheran herrsche aktuell eine depressive Stimmung, sagt die 40-jährige Mahtab der ARD. "Es fühlt sich an, als läge eine Art Schatten des Todes über der Gesellschaft. Wenn man unter Menschen ist, dann sieht man überall Menschen, die wie betäubt wirken."
Gründe dafür gibt es viele: Die wirtschaftliche Lage, der Krieg mit den USA und Israel, die brüchige Waffenruhe. Und die Sorge vieler Menschen darüber, dass die Islamische Republik und ihre Vertreter auch nach einem Ende des Kriegs noch an der Macht sein könnten. Also diejenigen, die bei den Protesten im Januar mutmaßlich Zehntausende Menschen getötet haben.
Das Leben in Iran, erzählt Mahtab, sei zwar immer schon von Unsicherheit geprägt gewesen. Es habe sich aber in der jetzigen Situation massiv verschärft. Abgesehen von der wirtschaftlichen Lage sei auch der psychische Druck viel größer geworden, so Mahtab. "Man bleibt einfach permanent in der Schwebe und fragt sich: Was wird jetzt passieren - und was nicht?"

Fast täglich Hinrichtungen gemeldet

Fast täglich meldet die iranische Justiz zur Zeit neue Hinrichtungen. Zum Beispiel die von Ehsan Afrashteh. Der 32-jährige Cyber-Experte wurde am vergangenen Mittwoch in den frühen Morgenstunden hingerichtet, im Ghezel Hesar-Gefängnis in der Stadt Karaj. Der Vorwurf: Spionage für Israel. Ein Video der Justiz soll sein Geständnis zeigen. Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass solche Geständnisse oft unter Folter erzwungen werden, ohne faire Gerichtsverfahren und ohne Belege. Afrashteh hatte die Vorwürfe zuvor immer zurückgewiesen.
"Die iranischen Behörden nutzen die Hinrichtung und auch die Todesstrafe, um Angst und Schrecken zu verbreiten", berichtet Julia Duchrow von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Mindestens 2.159 Menschen hat Iran demnach im vergangenen Jahr hingerichtet. Zu diesem Ergebnis kommt Amnesty - die Zahlen haben sich im Vergleich zu 2024 verdoppelt.
Amnesty-Bericht zur Zahl der Hinrichtungen weltweit
Weltweit sind im vergangenen Jahr laut Amnesty International so viele Menschen hingerichtet worden wie seit 1981 nicht mehr. Mit mindestens 2.707 erfassten Hinrichtungen war die Zahl der Exekutionen zudem fast doppelt so hoch wie 2024, wie der Todesstrafenbericht der Menschenrechtsorganisation aufzeigt. Der hohe Anstieg gehe vor allem auf wenige Staaten zurück, die die Todesstrafe gezielt als Instrument der Einschüchterung einsetzten, erklärte Amnesty. Allen voran seien dies China, der Iran und Saudi-Arabien.

Die weltweit höchste Zahl an Hinrichtungen werde in China vollstreckt, teilte Amnesty mit - das tatsächliche Ausmaß bleibe aber unklar, weil entsprechende Daten zu Exekutionen "als Staatsgeheimnis gelten". Die erfasste Gesamtzahl enthalte deshalb weder die vermutlich Tausenden Hinrichtungen in China noch die in Vietnam und Nordkorea.

Berichte von Verhaftungen, Internet bleibt abgeschaltet

Damit ist Iran nach China das Land mit den zweitmeisten Hinrichtungen weltweit. Nach den Protesten im Januar mit mutmaßlich Zehntausenden Toten hatte die Islamische Republik vorerst zumindest offiziell keine Todesurteile vollstreckt - auf Druck aus den USA. Diese Zurückhaltung ist vorbei.
"Es ist deutlich geworden, dass schon 28 Menschen hingerichtet wurden, seit dem Angriff der USA und Israels. Die Repression wird jetzt massiv weitergehen", so Duchrow. Das Regime kontrolliere die Menschen an Checkpoints, es gibt Berichte von Verhaftungen. Der Zugang zum Internet ist weiter abgeschaltet. Wer der Islamischen Republik kritisch gegenübersteht, traut sich abends kaum noch auf die Straße. Denn Regime-Anhänger feiern dort allabendlich laut und raumgreifend den Sieg gegen den Feind.

"Ich wünsche mir ein Ende"

Die 40-jährige Mahtab macht sich dennoch Gedanken über eine andere Zukunft. "Ich wünsche mir ein Ende der Islamischen Republik. Und jemanden an der Macht, der wirklich Mitgefühl für die Menschen hat."
Außerdem wünsche sie sich, dass Iran nach einem politischen Wandel wie andere Länder der Welt funktionieren könne und nicht ständig eingeschränkt werde durch Religion, Ideologie und all die Hindernisse, die die Islamische Republik geschaffen habe. Diese Hoffnung auf einen Wandel will sie trotz allem nicht aufgeben.

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